AEVO Prüfung – Fragen im Fachgespräch

Fachgespräch
Lesezeit: 7 Minuten

Worum geht es bei der schriftlichen und praktischen AEVO Prüfung?

Der praktische Prüfungsteil in der AEVO Prüfung besteht im ersten Teil aus einer 15minütigen Präsentation oder praktischen Durchführung einer berufstypischen Ausbildungssituation. Im zweiten Teil ist ein 15minütiges Fachgespräch vorgesehen. Kurzum, die praktische Prüfung dauert insgesamt höchstens 30 Minuten.

Die schriftliche Prüfung wird bei vielen IHKs als PC-Prüfung abgenommen. Ferner dauert sie max. 180 Minuten und besteht aus ca. 70 – 80 Fallaufgaben mit vorgegebenen Antwortmöglichkeiten. Zudem sind die Prüfungsaufgaben als Single-Choice und Multiple-Choice gestaltet.

Wer im Betrieb ausbilden möchte, muss laut Berufsbildungsgesetz nicht nur persönlich und fachlich, sondern auch pädagogisch geeignet sein. Auf jeden Fall müssen Anwärter ihre pädagogische Eignung in einer AEVO Prüfung unter Beweis stellen, etwa vor einer Industrie- und Handelskammer. So will es die Ausbildereignungsverordnung von 2009.

 

Wie ist der Ablauf des Fachgesprächs und wer stellt die Fragen?

Nach der 15minütigen Präsentation oder praktischen Durchführung folgt das Fachgespräch. Dazu wird der Prüfling gebeten sich zu setzen, so dass die Fragen in Ruhe gestellt werden können. Es müssen mindestens 3 Prüfer anwesend sein. Ein Arbeitgebervertreter, ein Arbeitnehmervertreter und ein Lehrervertreter. Allerdings ist die Vorgehensweise von Prüfungsausschuss zu Prüfungsausschuss unterschiedlich. Manchmal stellen alle drei Prüfer abwechselnd die Fragen und manchmal stellen nur ein oder zwei Prüfer die Fragen.

Ursprünglich sollte es ein Fachgespräch sein, was allerdings sehr selten vorkommt. Bei einem echten Fachgespräch tauschen sich die Beteiligten über fachliche Feinheiten, so zum Beispiel über Methodenansätze, didaktisches Know How oder pädagogische Trends aus. Ein „Fachsimpeln“ auf Augenhöhe also. Allerdings sind die wenigsten Prüflinge in der Lage auf „Augenhöhe“ mit den Prüfern zu fachsimpeln. Den meisten Prüflingen ist das Fachgespräch unangenehm und sie wollen die 15 Minuten so gut es geht überstehen. Aus diesem Grund wird aus dem Fachgespräch meistens ein Prüfungsgespräch. Das bedeutet, die Prüfer stellen die Fragen und der Prüfling antwortet darauf.

 

Was sind die Themen in einem AEVO-Fachgespräch?

Im Fachgespräch wird zunächst an das angeknüpft, was in der 15minütigen Präsentation oder in der 15minütigen praktischen Durchführung vom Prüfling gezeigt wurde. So zum Beispiel:

  • die Themenwahl
  • die Analyse der Ausbildungssituation
  • die Herleitung der Lernziele
  • die Methodenwahl
  • der Medieneinsatz
  • Handlungsalternativen
  • die Erfolgskontrolle
  • die pädagogische Kompetenz
  • der Praxisbezug

 

Fünf Fragen, auf die Prüflinge im AEVO-Fachgespräch vorbereitet sein sollten.

Bitte definieren Sie Ihr Lernziel und erläutern uns, wie Sie es erreicht haben?

Hier geht es um die Herkunft und das Abstraktionsniveau von Lernzielen. Dazu muss man wissen, dass die Richt- und Groblernziele aus dem Ausbildungsrahmenplan, also der sachlichen und zeitlichen Gliederung, entnommen wurden. Schließlich wird aus dem Groblernziel das Feinlernziel abgeleitet, welches bestimmte Mindestkriterien erfüllen muss. So zum Beispiel, dass die Handlung durch den Azubi selbstständig durchführbar ist, sachlich und fachlich richtig ist und einen konkreten Anfangs-und Endzeitpunkt hat. Durch die Einhaltung dieser Mindestkriterien kann das Lernziel erreicht werden.

Welche Lernbereiche haben Sie bei Ihrem Azubi angesprochen?

Achtung! Viele Prüflinge warten diese Fragestellung nicht ab und fangen gleich an über die Lerntypen etwas zu erzählen. Dann reagiert der Prüfer: „Auf die Lerntypen kommen wir gerne später zurück. Jetzt geht es erst einmal um die drei Lernbereiche.“. Mist… denken dann viele Prüflinge. Hätte ich bloß nichts gesagt. Deshalb warten Sie immer erst die Fragestellung ab, denken Sie in Ruhe nach und antworten dann.

Gemeint sind die drei Lernbereiche kognitiv (Wissen), psychomotorisch (Fertigkeiten) und affektiv (Einstellungen). Hier wird erwartet, dass Sie am Beispiel erläutern, welche Lernbereiche Sie bei Ihrem Azubi angesprochen haben. Zum Beispiel kognitiv: Ihr Azubi kann eine Formel wiedergeben. Oder psychomotorisch: Ihr Azubi kann ein Werkzeug präzise handhaben. Aber auch affektiv: Ihr Azubi hält die Sicherheitsregeln ein.

War Ihr Azubi motiviert? Was haben Sie getan, um Ihren Azubi zu motivieren?

Haben Sie von Anfang an das Interesse bei Ihrem Azubi geweckt? Ihm gesagt, wo die Reise hingeht und was für einen persönlichen Nutzen er davon hat, wenn er jetzt gut mitmacht? Oder hatten Sie einen quirligen Azubi, der eigene Ideen mitgebracht hatte und experimentierfreudig war?

Es geht hier um die Unterscheidung zwischen extrinsischer und intrinsischer Motivation. Stehen zum Beispiel das Interesse an der Sache selbst, die Freude an der Arbeit, das Streben, neues Wissen und Können zu erwerben und etwas zu leisten im Vordergrund, so spricht man von einer „intrinsischen“ Motivation. Für Ihre praktische AEVO-Prüfung bedeutet das: Lassen Sie auch die Meinung Ihres Auszubildenden gelten? Ihn eigenverantwortlich die Arbeiten ausführen?

Liegt dagegen der Ansporn mehr im Streben nach Belohnung – zum Beispiel gute Noten, Anerkennung durch andere, höhere Bezahlung, so spricht man von „extrinsischer“ Motivation. Für Ihre praktische AEVO-Prüfung bedeutet das: Gehen Sie Schritt für Schritt vor, sodass der Auszubildende folgen kann? Erläutern Sie den praktischen Nutzen und die Bedeutung der Aufgabe für die Zukunft?

Im Fachgespräch sollten Sie auch einschätzen, wie Ihr Azubi motiviert war. Sagt Ihr Azubi innerlich: „Das war alles so stumpfsinnig, ich habe mich unterfordert gefühlt.“ Oder sagt er: „Das hat richtig Spaß gemacht.“

Welche Ausbildungsmethode haben Sie gewählt und warum?

Bereits in Ihrer Vorplanung und Ihrem Konzept für die praktische AEVO Prüfung mussten Sie sich detaillierter mit Ihrer gewählten Methode befassen. Dabei geht es um die Erläuterung der einzelnen Schritte. Aber auch, welche Ausbildungsmittel gezielt zum Einsatz kommen. Genauso wichtig ist es auch methodisch zu planen, welche Aufgaben Sie als Ausbilder haben und was für Ihren Azubi vorgesehen ist. Übrigens, Ihre Prüfer bewerten das, was sie  sehen und nicht das, was Sie laut Ihrem Konzept machen wollten. Wollten Sie zum Beispiel ein Lehrgespräch durchführen und Sie haben tatsächlich eine 4-Stufen-Methode angewendet, wird diese bewertet.

Unter dem Strich möchte der Prüfer von Ihnen wissen, warum Sie sich zum Beispiel für die 4-Stufen-Methode entschieden haben. „Weil mir diese Methode empfohlen wurde“ oder „ Weil das die anderen Teilnehmer in meinem Vorbereitungskurs auch so machen.“ Leider bringen diese Antworten keine Punkte. Stattdessen wäre passender: „Mein Azubi im 1. Lehrjahr hat kaum praktische Erfahrung mit dem Thema. Er muss also erst einmal den Arbeitsablauf sehen und kann dann Schritt für Schritt seine ersten Erfahrungen machen. Mit etwas Übung soll sich ja hier erst die Routine aufbauen. Schließlich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.“

Manchmal fordert der Prüfer Sie auf, einfach nur einige Methoden zu nennen, die nichts mit Ihrer gezeigten Methode zu tun haben. Damit will man sehen, ob Sie sich grundlegend auskennen. Lehrgespräche, Vorträge, Planspiele, Fallaufgaben, Projekte, Demonstrationen, Moderationen, Gruppenarbeiten, Rollenspiele oder Leittexte sind die gängigsten Ausbildungsmethoden. Aber Achtung! Wenn Sie so munter Ihr Wissen herunterrasseln, machen Sie sich gefasst auf Detailfragen. Wie Zum Beispiel: „Erläutern Sie doch mal die 6 Schritte der vollständigen Handlung in der Leittextmethode.“ Hmm, da kann es schon mal eng werden. Ob Sie die Abfolge: Informieren, Planen, Entscheiden, Durchführen, Kontrollieren und Bewerten, dann noch zusammenkriegen, wird sich zeigen.

Bleibt noch die Frage nach einer Alternative zu der Methode, die Sie in der praktischen AEVO Prüfung angewendet haben.  Haben Sie zum Beispiel die 4-Stufen-Methode angewendet, wäre die modifizierte 4-Stufen-Methode oder die Demonstration mit anschließendem Lehrgespräch eine passende Alternative.

Welche Lernzielkontrollen haben Sie zur Erreichung des Lernziels angewendet?

Am Ende Ihrer praktischen Durchführung ist es an der Zeit zu überprüfen, ob das ursprüngliche Lernziel auch wirklich erreicht wurde. Eine Lernerfolgskontrolle steht also an. Haben Sie Ihren Azubi etwas nachbauen lassen, reicht eine Sichtkontrolle aus. Sie vergleichen das Original mit dem was Ihr Azubi erstellt hat. Gibt es Unterschiede? Am besten Sie lassen es gleich vom Azubi selber bewerten.

Bei anderen Themen können Sie zum Beispiel eine kleine Checkliste ausfüllen lassen, eine Fehleranalyse vornehmen lassen, etwas in richtiger Reihenfolge bringen lassen oder eine Zusammenfassung abverlangen. Damit stellen Sie sicher, dass Ihr Azubi es gecheckt hat. Übrigens, das Lernziel ist auch erreicht, wenn der Azubi in der vorgegebenen Zeit und vor allem selbstständig, alles richtig gemacht hat.

 

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Fragen, Fragen, Fragen … es geht weiter.

  • Aufgrund welcher Vorgaben planen Sie eine praktische Lehrunterweisung?
  • In welcher Weise gliedern Sie eine Lehrunterweisung nach der 4-Stufen-Methode?
  • Welche Grundsätze beachten Sie bei der Gliederung einer Lehrunterweisung?
  • Wie können Sie bei einer Lehrunterweisung Befangenheit ihres Azubis abbauen?
  • Wie können Sie Azubis ermutigen und Angst vor Versagen abbauen?
  • Weshalb ist es sinnvoll, Vorkenntnisse festzustellen und daran anzuknüpfen?
  • Wodurch können Sie Lernen und Behalten beim Azubi fördern?
  • Wie können Sie eine Lehrunterweisung didaktisch gliedern?
  • Welche Funktion haben Fragen bei einer Lehrunterweisung?
  • Was sollen Lob/Tadel bei einer Lehrunterweisung bewirken?
  • Welche Medien können Sie bei einer Lehrunterweisung einsetzen?
  • Was steht in einem Berichtsheft/Ausbildungsnachweis und wozu dient es?
  • Mit welchen Methoden erreichen Sie maximalen Ausbildungserfolg?
  • Welche Probleme/Schwierigkeiten können bei einer Lehrunterweisung auftreten?
  • Was können Sie tun, um Störungen bei einer Lehrunterweisung vorzubeugen?
  • Wodurch können Sie Lerneffekte in der Ausbildung verbessern?
  • Welche Schlüsselqualifikationen können Sie bei einer Unterweisung fördern?
  • Was ist Feedback und wozu kann es dienen?
  • Wie können Sie den Auszubildenden Feedback geben?
  • Warum wählten Sie gerade dieses Thema für Ihre praktische AEVO-Prüfung?
  • Welche Ausbildungsinhalte würden Sie anschließend vermitteln?
  • Welche Führungsstile kennen Sie? Beschreiben Sie diese!
  • Welchen Führungsstil haben Sie bei der Unterweisung angewendet?
  • Beschreiben Sie das Modell der vollständigen Handlung!
  • Welche Ziele sollen mit dem Modell der vollständigen Handlung erreicht werden?
  • Wo sind die Lernziele festgelegt? Was bedeutet: Taxonomie der Lernziel?
  • Welche Maßnahmen treffen Sie, wenn das Lernziel nicht erreicht wird?
  • Welche Medien haben Sie benutzt und warum?
  • Warum finden Zwischenprüfungen statt?
  • Wo sind die Inhalte der Prüfung festgeschrieben?
  • Warum müssen Auszubildende ein Ausbildungsnachweisheft führen?
  • Was machen Sie bei Verlust des Berichtsheftes?
  • Welchen Nutzen hat der Betrieb, wenn der Azubi die Prüfung gut besteht?
  • Was macht Sie zu einem besseren Ausbilder als Ihr damaliger Ausbilder?
  • Welche Kompetenzen sollten Sie bei Auszubildenden herausbilden?

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