Die Vier-Stufen-Methode in der AEVO Prüfung

Vier-Stufen-Methode
Lesezeit: 5 Minuten

Die praktische Durchführung in der AEVO Prüfung

Der praktische Prüfungsteil in der AEVO Prüfung besteht im ersten Teil aus einer 15minütigen Präsentation oder praktischen Durchführung einer berufstypischen Ausbildungssituation. Unter dem Strich ist die praktische Durchführung die Simulation eines realen Vorgangs, bei dem der Prüfungsteilnehmer die Rolle des Ausbilders übernimmt. Die Rolle des Auszubildenden wird entweder von einem Mitglied aus dem Prüfungsausschuss übernommen oder es steht eine andere Person für diese Rolle zur Verfügung. Der Prüfungsausschuss ist nur Zuhörer. Als Ausbildungsmethode eignet sich beispielsweise die Demonstration, die Einarbeitungsmethode, das Rollenspiel, das Lehrgespräch oder die Vier-Stufen-Methode.

 

Welche Themen eignen sich für die Vier-Stufen-Methode?

Unter dem Strich gibt die AEVO lediglich folgenden Wortlaut vor: „Hierfür wählt der Prüfungsteilnehmer eine berufstypische Ausbildungssituation aus.“ Jeder Prüfungsausschuss hat einen gewissen Spielraum, die Aussage „berufstypische Ausbildungssituation“ zu interpretieren. Eine „Ausbildungssituation“ ist eine Situation in einem betrieblichen Kontext, die im Prozess der Dienstleistung oder der Produktion steht und gleichzeitig ausbildenden Charakter aufweist. Kurzum; Prüfungsteilnehmer sollen also eine typische Situation aus dem Ausbildungsalltag darstellen können. Hier nun einige Themen, bei denen die Vier-Stufen-Methode gut geeignet ist:

  • Kontrolle eines Lieferscheins als Fachlagerist
  • Tournieren von Gemüse als Koch
  • Festplattenwechsel beim Laptop als Informatikkaufmann
  • Falttechnik eines Bauplans als Bauzeichner
  • Geschenke für Kunden einpacken als Verkäufer
  • Bauteile, z.B. Zylinder, messen als Industriemechaniker
  • Servietten falten (Bischofsmütze) als Hotelfachmann
  • pH-Wert-Messung als Chemielaborant
  • Wareneingangskontrolle als Kaufmann im Einzelhandel
  • Mittels Untergriff drei Teller servieren als Restaurantfachmann
  • Bestimmen von Dichte für Frostschutz als KFZ-Mechatroniker
  • Mit Sicherheitsmesser Karton schneiden als Fachkraft für KEP
  • Anwendung eines Messschiebers als Fertigungsmechaniker
  • Sicherheitskontrolle: Hand folgt Sonde als Servicekraft Schutz/Sicherheit
  • Anwendung eines Laminiergerätes als Fachkraft Veranstaltungstechnik
  • Wechseln eines Hobeleisens als Tischler
  • Sicherheitsbelehrung im Flugzeug als Servicekaufmann Luftverkehr
  • Elektrischen Schutzstecker montieren Elektroniker
  • Pflanzliche Stecklinge schneiden als Gärtner

 

Wie ist nun der genaue Ablauf der Vier-Stufen-Methode?

Die Vier-Stufen-Methode stammt aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Dabei entwickelten „Training Within Industry“ in den USA eine sogenannte „Job Instruction“ (Mitarbeiterunterweisung). Schließlich hat sich diese Methode in Deutschland schnell verbreitet. In Betrieben wird die Vier-Stufen-Methode meist am Arbeitsplatz praktiziert. Sie ist eine Form der Arbeitsunterweisung, bei der die zu erlernende Tätigkeit Schritt für Schritt vermittelt wird. Kurzum, dieser handlungsorientierte Ansatz und ist vor allem sinnvoll, wenn die Ausführung einer „praktischen“ Aufgabe erlernt werden soll. Dabei ist das Ziel, eine Automatisierung von manuellen Fertigkeiten zu ermöglichen und gleichzeitig den Auszubildenden zum selbständigen Anwenden zu animieren.

 

Erste Stufe: Vorbereitung (Arbeitsplatz, Ausbildungsmittel, Lernziel, Motivation)

Zeit: ca. 3 Minuten

Aktionen: Der Ausbilder legt die Arbeitsmaterialien bereit, begrüßt den Azubi, schafft eine angenehme Atmosphäre, nennt das Thema, das Lernziel, fragt nach Vorkenntnissen und zeigt den Nutzen auf. Der Auszubildende hört zu und beantwortet ggf. Fragen. Anfangs ist es neben einer Begrüßung wichtig, den Azubi „gedanklich“ abzuholen und ihn für die bevorstehende Aufgabe zu begeistern. Überdies fühlt sich der Azubi sicherer, wenn er weiß, was jetzt auf ihn zukommt. Deshalb erläutert der Ausbilder am besten grob, was er mit dem Azubi vorhat.

Methodik: Kurzvortrag, evtl. Lehrgespräch

Ausbildungsmittel: Werkzeuge, Skizzen, Messmittel, Stift und Papier, etc.

Begründung: Herstellen einer guten Lernatmosphäre, Motivation durch Interesse wecken, Anknüpfen an Vorerfahrungen, Nutzen aufzeigen: Was kann der Azubi nach der Unterweisung selbstständig und ohne jegliche Hilfe?

 

Zweite Stufe: Vormachen (zeigen und erklären – was, wie, warum)

Zeit: ca. 4 Minuten

Aktionen: Der Ausbilder führt den Vorgang schrittweise vor, erklärt und begründet die Vorgehensweise, wiederholt evtl. den Vorgang und motiviert zum Nachmachen. Der Auszubildende beobachtet, hört zu, stellt Fragen und beantwortet Fragen, die der Ausbilder gerade stellt. Manche Azubis sind motorisch kaum zu bremsen und wollen sofort mitmachen. Andere Azubis sind von Hause aus sehr neugierig und stellen super viele Fragen. Auf jeden Fall ist der Ausbilder hier gefordert mit den unterschiedlichen Menschentypen situationsgerecht umzugehen.

Methodik: Demonstration

Ausbildungsmittel: Werkzeuge, Skizzen, Messmittel, Stift und Papier, etc.

Begründung: Auf jeden Fall soll der Auszubildende genau beobachten (visueller Lernkanal) und aufmerksam zuhören (auditiver Lernkanal). Dabei gibt der Ausbilder die Möglichkeit zum Nachfragen (kommunikativer Lernkanal) und ggf. dem Azubi schon etwas in die Hand zum begutachten (motorischer Lernkanal). Das Lernen am Modell von Albert Bandura oder auch Nachahmungslernen oder Beobachtungslernen genannt, kommt hier zur Anwendung. Also heißt es für den Ausbilder, aufpassen. Schließlich soll der Azubi all das Nachmachen, was der Ausbilder vormacht. Dazu zählen auch die Fehler!

 

Dritte Stufe: Nachmachen (selbst tun, erklären lassen, bei Bedarf korrigieren)

Zeit: ca. 4 Minuten

Aktionen: Der Auszubildende führt die zuvor gezeigten Arbeitsschritte selbstständig aus, erklärt und begründet seine Vorgehensweise. Der Ausbilder beobachtet, lobt, hört zu, greift bei Gefahr ein, korrigiert bei Fehlverhalten, stellt evtl. Kontrollfragen und lobt an der richtigen Stelle. Vorausgesetzt wird hier die Fähigkeit des Ausbilders eine passive Rolle einzunehmen. Macht der Azubi einen Fehler, ist dies das sicherste Zeichen, dass er eine Lernerfahrung machen kann. Also ruhig Blut und nur eingreifen, wenn es auch wirklich notwendig ist.

Methodik: Lernen am Modell oder Beobachtungslernen

Ausbildungsmittel: Werkzeuge, Skizzen, Messmittel, Stift und Papier, etc.

Begründung: Beim Nachahmen (psychomotorischen Lernbereich und motorischer Lernkanal) wird beim Azubi die Feinmotorik geschult. Trotzdem ist es wichtig, dass eine evtl. fehlerhafte Arbeitsweise sofort korrigiert wird. Schließlich soll der Azubi die Schritte von Anfang an richtig ausführen. Das fördert beispielsweise die Selbstsicherheit bei dem Azubi. Ebenfalls kommt hier das Lernen am Modell von Albert Bandura zur Anwendung.

 

Vierte Stufe: Üben (alleine weiterarbeiten lassen, überprüfen, anerkennen)

Zeit: ca. 4 Minuten

Aktionen: Schließlich wiederholt der Azubi am Ende alle Arbeitsschritte nochmal selbstständig. Immerhin gilt hier der Spruch „Übung macht den Meister“. Demzufolge übt der Azubi alleine und ohne Hilfe des Ausbilders und festigt somit die neue Fertigkeit. Am Ende kontrolliert der Ausbilder das Übungsergebnis und reflektiert gemeinsam mit dem Azubi. „Was hat gut geklappt? Wo braucht es noch mehr Übung?“. Die Lernzielkontrolle beinhaltet aber auch den Vergleich mit der Vorgabe und dem anfänglichen Lernziel. Der Ausbilder bedankt sich für die Konzentration des Azubis und lobt dessen Arbeit authentisch, weist auf nächste Lerneinheiten und die Eintragung ins Berichtsheft, bzw. Ausbildungsnachweis hin.

Methodik: Lernen durch Wiederholung

Ausbildungsmittel: Werkzeuge, Skizzen, Messmittel, Stift und Papier, etc.

Begründung: Durch das selbständige Üben des Azubis wird das Gelernte wiederholt und gefestigt. Schließlich fördert das die Selbstständigkeit beim Azubi und motiviert obendrein, es alleine und ohne fremde Hilfe geschafft zu haben. Durch eine transparente Lernzielkontrolle, durch Vergleich oder Nachweis der erfolgreichen Handlung, kann auch der Azubi seinen Lernerfolg gut nachvollziehen. Übrigens ist das Führen des Ausbildungsnachweises gesetzlich vorgeschrieben und ist Zulassungskriterium für die Abschlussprüfung.

 

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