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Worum geht es bei der schriftlichen und praktischen AEVO Prüfung?
Der praktische Prüfungsteil in der AEVO Prüfung besteht im ersten Teil aus einer 15minütigen Präsentation oder praktischen Durchführung einer berufstypischen Ausbildungssituation. Im zweiten Teil ist ein 15minütiges Fachgespräch vorgesehen. Kurzum, die praktische Prüfung dauert insgesamt höchstens 30 Minuten.
Die schriftliche Prüfung wird bei vielen IHKs als PC-Prüfung abgenommen. Ferner dauert sie max. 180 Minuten und besteht aus 80 Fallaufgaben mit vorgegebenen Antwortmöglichkeiten. Zudem sind die Prüfungsaufgaben als Single-Choice und Multiple-Choice gestaltet.
Wer im Betrieb ausbilden möchte, muss laut Berufsbildungsgesetz nicht nur persönlich und fachlich, sondern auch pädagogisch geeignet sein. Auf jeden Fall müssen Anwärter ihre pädagogische Eignung in einer AEVO Prüfung unter Beweis stellen, etwa vor einer Industrie- und Handelskammer. So will es die Ausbildereignungsverordnung von 2009.
Wie ist der Ablauf des Fachgesprächs und wer stellt die Fragen?
Nach der 15minütigen Präsentation oder praktischen Durchführung folgt das Fachgespräch. Dazu wird der Prüfling gebeten sich zu setzen, so dass die Fragen in Ruhe gestellt werden können. Es müssen mindestens 3 Prüfer anwesend sein. Ein Arbeitgebervertreter, ein Arbeitnehmervertreter und ein Lehrervertreter. Allerdings ist die Vorgehensweise von Prüfungsausschuss zu Prüfungsausschuss unterschiedlich. Manchmal stellen alle drei Prüfer abwechselnd die Fragen und manchmal stellen nur ein oder zwei Prüfer die Fragen.
Ursprünglich sollte es ein Fachgespräch sein, was allerdings sehr selten vorkommt. Bei einem echten Fachgespräch tauschen sich die Beteiligten über fachliche Feinheiten, so zum Beispiel über Methodenansätze, didaktisches Know How oder pädagogische Trends aus. Ein „Fachsimpeln“ auf Augenhöhe also. Allerdings sind die wenigsten Prüflinge in der Lage auf „Augenhöhe“ mit den Prüfern zu fachsimpeln. Den meisten Prüflingen ist das Fachgespräch unangenehm und sie wollen die 15 Minuten so gut es geht überstehen. Aus diesem Grund wird aus dem Fachgespräch meistens ein Prüfungsgespräch. Das bedeutet, die Prüfer stellen die Fragen und der Prüfling antwortet darauf.
Was sind die Themen in einem AEVO-Fachgespräch?
Im Fachgespräch wird zunächst an das angeknüpft, was in der 15minütigen Präsentation oder in der 15minütigen praktischen Durchführung vom Prüfling gezeigt wurde. So zum Beispiel:
- die Themenwahl
- die Analyse der Ausbildungssituation
- die Herleitung der Lernziele
- die Methodenwahl
- der Medieneinsatz
- Handlungsalternativen
- die Erfolgskontrolle
- die pädagogische Kompetenz
- der Praxisbezug
Fünf Fragen, auf die du im AEVO-Fachgespräch vorbereitet sein solltest
Bitte definieren Sie Ihr Lernziel und erläutern uns, wie Sie es erreicht haben?
Hier geht es um die Herkunft und das Abstraktionsniveau von Lernzielen. Dazu muss man wissen, dass die Richt- und Groblernziele aus dem Ausbildungsrahmenplan, also der sachlichen und zeitlichen Gliederung, entnommen wurden. Schließlich wird aus dem Groblernziel das Feinlernziel abgeleitet, welches bestimmte Mindestkriterien erfüllen muss. So zum Beispiel, dass die Handlung durch den Azubi selbstständig durchführbar ist, sachlich und fachlich richtig ist und einen konkreten Anfangs-und Endzeitpunkt hat. Durch die Einhaltung dieser Mindestkriterien kann das Lernziel erreicht werden.
Welche Lernbereiche haben Sie bei Ihrem Azubi angesprochen?
Achtung! Viele Prüflinge warten diese Fragestellung nicht ab und fangen gleich an über die Lerntypen etwas zu erzählen. Dann reagiert der Prüfer: „Auf die Lerntypen kommen wir gerne später zurück. Jetzt geht es erst einmal um die drei Lernbereiche.“. Mist… denken dann viele Prüflinge. Hätte ich bloß nichts gesagt. Deshalb warte immer erst die Fragestellung ab, denke in Ruhe nach und antworte dann.
Gemeint sind die drei Lernbereiche kognitiv (Wissen), psychomotorisch (Fertigkeiten) und affektiv (Einstellungen). Hier wird erwartet, dass du am Beispiel erläuterst, welche Lernbereiche du bei deinem Azubi angesprochen hast. Zum Beispiel kognitiv: Dein Azubi kann eine Formel wiedergeben. Oder psychomotorisch: Dein Azubi kann ein Werkzeug präzise handhaben. Aber auch affektiv: Dein Azubi hält die Sicherheitsregeln ein.
War Ihr Azubi motiviert? Was haben Sie getan, um Ihren Azubi zu motivieren?
Hast du von Anfang an das Interesse bei deinem Azubi geweckt? Ihm gesagt, wo die Reise hingeht und was für einen persönlichen Nutzen er davon hat, wenn er jetzt gut mitmacht? Oder hattest du einen quirligen Azubi, der eigene Ideen mitgebracht hatte und experimentierfreudig war?
Es geht hier um die Unterscheidung zwischen extrinsischer und intrinsischer Motivation. Stehen zum Beispiel das Interesse an der Sache selbst, die Freude an der Arbeit, das Streben, neues Wissen und Können zu erwerben und etwas zu leisten im Vordergrund, so spricht man von einer „intrinsischen“ Motivation. Für deine praktische AEVO-Prüfung bedeutet das: Lässt du auch die Meinung deines Auszubildenden gelten? Ihn eigenverantwortlich die Arbeiten ausführen?
Liegt dagegen der Ansporn mehr im Streben nach Belohnung – zum Beispiel gute Noten, Anerkennung durch andere, höhere Bezahlung, so spricht man von „extrinsischer“ Motivation. Für deine praktische AEVO-Prüfung bedeutet das: Gehst du Schritt für Schritt vor, sodass der Auszubildende folgen kann? Erläuterst du den praktischen Nutzen und die Bedeutung der Aufgabe für die Zukunft?
Im Fachgespräch solltest du auch einschätzen, wie deine Azubi motiviert war. Sagt dein Azubi innerlich: „Das war alles so stumpfsinnig, ich habe mich unterfordert gefühlt.“ Oder sagt er: „Das hat richtig Spaß gemacht.“
Welche Ausbildungsmethode haben Sie gewählt und warum?
Bereits in deiner Vorplanung und deinem Konzept für die praktische AEVO Prüfung musstest du dich detaillierter mit deiner gewählten Methode befassen. Dabei geht es um die Erläuterung der einzelnen Schritte. Aber auch, welche Ausbildungsmittel gezielt zum Einsatz kommen. Genauso wichtig ist es auch methodisch zu planen, welche Aufgaben du als Ausbilder hast und was für deinen Azubi vorgesehen ist. Übrigens, deine Prüfer bewerten das, was sie sehen und nicht das, was du laut deinem Konzept machen wolltest. Wolltest du zum Beispiel ein Lehrgespräch durchführen und hast tatsächlich eine 4-Stufen-Methode angewendet, wird diese bewertet.
Unter dem Strich möchte der Prüfer von dir wissen, warum du dich zum Beispiel für die 4-Stufen-Methode entschieden hast. „Weil mir diese Methode empfohlen wurde“ oder „ Weil das die anderen Teilnehmer in meinem Vorbereitungskurs auch so machen.“ Leider bringen diese Antworten keine Punkte. Stattdessen wäre passender: „Mein Azubi im 1. Lehrjahr hat kaum praktische Erfahrung mit dem Thema. Er muss also erst einmal den Arbeitsablauf sehen und kann dann Schritt für Schritt seine ersten Erfahrungen machen. Mit etwas Übung soll sich ja hier erst die Routine aufbauen. Schließlich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.“
Die Prüfer fordern dich seit Juli 2024 nicht mehr dazu auf, einfach nur einige Methoden zu nennen, die nichts mit deiner gezeigten Methode zu tun haben. Es werden Anwendungsfragen gestellt, wie zum Beispiel die Frage nach einer Alternative zu der Methode, die du in der praktischen AEVO Prüfung angewendet hast. Hast du zum Beispiel die 4-Stufen-Methode angewendet, wäre die modifizierte 4-Stufen-Methode oder die Demonstration mit anschließendem Lehrgespräch eine passende Alternative. Diese Methoden solltest du nicht einfach nur nennen, sondern im Bezug auf dein Thema erklären können.
Welche Lernzielkontrollen haben Sie zur Erreichung des Lernziels angewendet?
Am Ende deiner praktischen Durchführung ist es an der Zeit zu überprüfen, ob das ursprüngliche Lernziel auch wirklich erreicht wurde. Eine Lernerfolgskontrolle steht also an. Hast du deinen Azubi etwas nachbauen lassen, reicht eine Sichtkontrolle aus. Du vergleichst das Original mit dem was dein Azubi erstellt hat. Gibt es Unterschiede? Am besten du lässt es gleich vom Azubi selber bewerten.
Bei anderen Themen kannst du zum Beispiel eine kleine Checkliste ausfüllen lassen, eine Fehleranalyse vornehmen lassen, etwas in richtiger Reihenfolge bringen lassen oder eine Zusammenfassung abverlangen. Damit stellst du sicher, dass dein Azubi es gecheckt hat. Übrigens, das Lernziel ist auch erreicht, wenn der Azubi in der vorgegebenen Zeit und vor allem selbstständig, alles richtig gemacht hat.
Fragen, Fragen, Fragen … es geht weiter.
- Aufgrund welcher Vorgaben planen Sie eine praktische Lehrunterweisung?
- In welcher Weise gliedern Sie eine Lehrunterweisung nach der 4-Stufen-Methode?
- Welche Grundsätze beachten Sie bei der Gliederung einer Lehrunterweisung?
- Wie können Sie bei einer Lehrunterweisung Befangenheit ihres Azubis abbauen?
- Wie können Sie Azubis ermutigen und Angst vor Versagen abbauen?
- Weshalb ist es sinnvoll, Vorkenntnisse festzustellen und daran anzuknüpfen?
- Wodurch können Sie Lernen und Behalten beim Azubi fördern?
- Wie können Sie eine Lehrunterweisung didaktisch gliedern?
- Welche Funktion haben Fragen bei einer Lehrunterweisung?
- Was sollen Lob/Tadel bei einer Lehrunterweisung bewirken?
- Welche Medien können Sie bei einer Lehrunterweisung einsetzen?
- Was steht in einem Berichtsheft/Ausbildungsnachweis und wozu dient es?
- Mit welchen Methoden erreichen Sie maximalen Ausbildungserfolg?
- Welche Probleme/Schwierigkeiten können bei einer Lehrunterweisung auftreten?
- Was können Sie tun, um Störungen bei einer Lehrunterweisung vorzubeugen?
- Wodurch können Sie Lerneffekte in der Ausbildung verbessern?
- Welche Schlüsselqualifikationen können Sie bei einer Unterweisung fördern?
- Was ist Feedback und wozu kann es dienen?
- Wie können Sie den Auszubildenden Feedback geben?
- Warum wählten Sie gerade dieses Thema für Ihre praktische AEVO-Prüfung?
- Welche Ausbildungsinhalte würden Sie anschließend vermitteln?
- Welche Führungsstile kennen Sie? Beschreiben Sie diese!
- Welchen Führungsstil haben Sie bei der Unterweisung angewendet?
- Beschreiben Sie das Modell der vollständigen Handlung!
- Welche Ziele sollen mit dem Modell der vollständigen Handlung erreicht werden?
- Wo sind die Lernziele festgelegt? Was bedeutet: Taxonomie der Lernziel?
- Welche Maßnahmen treffen Sie, wenn das Lernziel nicht erreicht wird?
- Welche Medien haben Sie benutzt und warum?
- Warum finden Zwischenprüfungen statt?
- Wo sind die Inhalte der Prüfung festgeschrieben?
- Warum müssen Auszubildende ein Ausbildungsnachweisheft führen?
- Was machen Sie bei Verlust des Berichtsheftes?
- Welchen Nutzen hat der Betrieb, wenn der Azubi die Prüfung gut besteht?
- Was macht Sie zu einem besseren Ausbilder als Ihr damaliger Ausbilder?
- Welche Kompetenzen sollten Sie bei Auszubildenden herausbilden?
Video: Souverän das Fachgespräch in der AEVO Prüfung bestehen
Aktualisiert am 23.01.2025
Lisa
Posted at 09:11h, 07 OktoberHallo,
ich habe hier die Prüfungsfragen gefunden und würde gerne Wissen ob es dazu die Antworten gib?
Vielen Dank !
Andreas Schüler
Posted at 06:49h, 08 OktoberHallo Lisa und Danke für Ihre Nachfrage, im Grunde stehen die Lösungen genau unter jeder einzelnen Frage. Bei der ersten Frage: “Bitte definieren Sie Ihr Feinlernziel.” könnten Sie also direkt antworten: “Mein Feinlernziel erfüllt die drei wichtigsten Mindestkriterien. Erstens: Es hat einen konkreten Anfangs- und Endzeitpunkt, in diesem Fall also 15 Minuten, Zweitens: Es ist durch den Azubi selbstständig durchführbar. Und drittens: Es ist sachlich und fachlich richtig, was ich als Ausbilder, der aus dem Fach ist, bestätigen kann.” Dies ist ein kleines Beispiel, wie Sie antworten könnten. VG Andreas Schüler
Mara
Posted at 06:21h, 05 NovemberHallo,
Wo finde ich denn die Antworten auf die Fragen unter „ FRAGEN, FRAGEN, FRAGEN … ES GEHT WEITER.“ ?
Die meisten davon wüsste ich nicht jetzt nach meinem Kurs und täglicher Nachbereitung des Lehrmaterials
Marie
Posted at 14:19h, 04 MärzDie Fragen sind eine tolle Hilfe zur Prüfungsvorbereitung! Vielen Dank! 🙂
Severine Schenk
Posted at 18:06h, 09 MaiHallo,
Wo finde ich denn die Antworten auf die Fragen unter „ FRAGEN, FRAGEN, FRAGEN … ES GEHT WEITER.“
Andreas Schüler
Posted at 11:50h, 25 JuniViele der Antworten sind in diesem Video sehr gut dargestellt: https://youtu.be/dRIJ31jb2eA
Heike Löhr
Posted at 08:40h, 12 JanuarIch wollte mich herzlichst bei Ihnen und Ihrem Team für die wertvollen Videos bedanken. Diese haben mir mehr geholfen als mein offizeller Anbieter zur Vorbereitung auf den ADA-Schein. Leider hatte ich dies zu spät festgestellt, aber ihre Videos und die Hilfe eines Freundes zum Lernen hat letztendlich geholfen den ADA-Schein zu erhalten. Heike Löhr
Janine
Posted at 18:38h, 26 DezemberHallo,
Ich würde gerne einen Methodenmix anwenden aus Projekt und Leittext.
Also Azubi bekommt Checkliste von mir und soll diese am Auto abarbeiten und das Projekt ist zudem dass der Azubi diese Checkliste erweitern kann