Jugendliche – Was wollt ihr wirklich?

Jugendliche von heute - Lernen aus der Shell Jugendstudie. Welchen Nutzen können Ausbilder aus der Schell Jugendstudie ziehen?

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Jugendliche von heute – Lernen aus der Shell Jugendstudie

Wir in unserem Büro, haben in den letzten Wochen gespannt auf die Shell Jugendstudie 2019 gewartet. Ein über 200 Seiten starkes „Buch“, was uns eine Menge Aufschluss über die Meinung, Stimmung und Empfindungen „der Jugend von heute“ gibt.

Seit 1953 beauftragt Shell (jaaa… die mit den Tankstellen) alle vier bis fünf Jahre unabhängige Wissenschaftler und Institute damit, herauszufinden, wie die Jugend gerade „tickt“. Wie ist ihre Sicht auf die Dinge, wie ist die Stimmung bei dem Nachwuchs unseres Landes, was erwartet er von der Zukunft und seiner Umwelt und wie sind die politischen und sozialen Bedingungen, unter denen die Jugendlichen aufwachsen?

Was hat Shell mit der Zielgruppe: Jugendliche zu tun?!

Zurecht fragt man sich als erstes: Was hat Shell damit zu tun?! Die Antwort ist simpel, aber maßgeblich: Shell finanziert die Studie und trägt damit in großem Maße zur Jugend-, Sozial- und Politikforschung in Deutschland bei. In den letzten Jahrzehnten hat die Studie sich als Bestandteil einer umfassenden Sozialberichterstattung etabliert und wird in Fachkreisen als Referenzwerk wahrgenommen. Und genau deshalb sollten auch wir als Ausbilder und Ausbildungsbetriebe einen Blick auf das Werk werfen.

Die Studie gibt nicht nur einen Einblick in den „Ist-Stand“, sondern vergleicht die Ergebnisse mit vorherigen Erkenntnissen der Studienreihe, so dass Generationenentwicklungen erkennbar werden und Herausforderungen, die durch Generationenunterschiede entstehen, identifiziert werden können.

Welchen Nutzen können Ausbilder aus der Schell Jugendstudie ziehen?

Das Erkennen der Generationsentwicklung hilft uns bei unserer täglichen Arbeit mit den Auszubildenden, den Ausbildern und Kollegen. Wenn wir es uns zu Herzen nehmen und uns gemeinsam darauf einlassen, dass das Leben, und insbesondere das Arbeitsleben, kein starres Konstrukt ist, sondern durch seine vielen Akteure und Charaktere immer in Bewegung ist und bleibt. Ein Konstrukt, in dem jeder einzelne von uns in Bewegung bleiben muss, um mit der Zeit zu gehen, anstatt unter zu gehen.

Da ich Sie nicht langweilen möchte, gehe ich nicht im Detail auf alle Erkenntnisse und Bereiche der Studie ein. Ich habe für Sie einige Punkte herausgearbeitet und zusammengefasst, die uns alle in den Betrieben betreffen und beschäftigen, so dass Sie hier einen schnellen Überblick über die relevanten Entwicklungen erhalten und sich zukunftsorientiert darauf einstellen können.

Damit komme ich auch direkt zur diesjährigen Kernerkenntnis der Studie:

 

Jugendliche wollen gehört werden!

Mehr als alles andere ist es den Jugendlichen und jungen Erwachsenen wichtig, dass ihren Worten und Anliegen Gehör geschenkt wird. Sie vertrauen in die deutsche Demokratie und demokratisches Verhalten, wie es bestenfalls auch in den Unternehmen gelebt wird. Gleichzeitig sind sie jedoch politikverdrossen, weil sie das Gefühl haben, nicht beachtet zu werden. Selbstverständlich kann jeder von „Fridays for Future“ halten was er mag. Was aber nicht zu leugnen ist, ist die Tatsache, dass es diese Jugendbewegung nicht gäbe, wenn unsere junge Generation desinteressiert wäre und das Gefühl hätte gehört zu werden.

Werfen wir zunächst einen Blick auf das Bedürfnis des „gehört werden“. Aus meiner Sicht ist das die Erkenntnis aus der Shell Studie, über die wir uns in den Ausbildungsbetrieben vornehmlich Gedanken machen sollten.

Viele Ausbildungsbetriebe haben Probleme Azubis zu finden.

Viele investieren eine Menge Zeit und Geld in die Werbung von Azubis. Abhängig von vielen verschiedenen Faktoren, mit mehr oder weniger großem Erfolg. Es stellt sich die Frage, warum immer mehr junge Menschen an die Uni gehen, anstatt eine duale Ausbildung zu absolvieren. Hierauf lässt sich aus der Studie eine Antwort ableiten:

Die jungen Menschen wollen innerhalb eines festen Regelrahmens eigenverantwortlich handeln und selbst entscheiden. Sie sind der Meinung, dass in einem Studium eher verwirklich zu können als in einem Ausbildungsbetrieb.

Hinzu kommt natürlich die subjektive Aussicht auf ein höheres Gehalt, wenn man mit einem Bachelor ins Berufsleben startet. (An dieser Stelle möchte Ihnen schon einen weiteren Blockartikel ankündigen, der sich mit der Anpassung der Berufsbezeichnungen (Bachelor Professional und Co.) beschäftigen wird, und so über einen ganz anderen Weg die duale Ausbildung attraktiver machen könnte 😉)

Brauchen Jugendliche mehr selbstbestimmte Ausbildungsmethoden?

Vielleicht ist das ein Punkt, an dem wir in der Werbung um Azubis und in der praktischen Arbeit mit ihnen ansetzen können und sollten. Es gibt die verschiedensten Varianten, mit denen wir den Auszubildenden etwas beibringen können. Muss es immer die klassische 4 Stufen Methode sein? Muss es immer ausbilderzentriert sein? Sollten wir uns nicht, gerade im Hinblick auf die aktuellsten Erkenntnisse, dahin wenden, wesentlich Azubi-orientierter zu lehren?

Ja… ich weiß… ist aufwändiger… benötigt mehr Zeit… Zeit ist Geld… und so weiter und so fort. Aber: sollte es uns das nicht wert sein?!

Viele Jugendliche wünschen und fordern mehr Selbstbestimmung und haben das Gefühl nicht gehört zu werden. Sie wenden sich von uns ab, was uns Betriebe in Bedrängnis bringt. Und das können wir nicht ändern, in dem wir alles so weiter machen wie „schon immer“.

WIR müssen jetzt unseren Ar*** hochkriegen, und etwas an unserer Art und Weise auszubilden, und mit den Azubis umzugehen, ändern. WIR müssen attraktiver für die Schulabgänger werden! Und damit können wir dann erfolgreich um Azubis werben.

Selbstbestimmte Ausbildungsmethoden kosten Zeit und Geld!

Ich bin mir durchaus bewusst, dass sowohl Leittextmethoden als auch Projektarbeiten Aufwand und Zeit bedeuten. Aber sehen Sie es mal aus der Sicht des Azubis. Er oder sie kann sich, auch schon sehr früh im Ausbildungsverlauf, mit Hilfe dieser Methoden, im Unternehmen einbringen. Er kann selbst etwas erarbeiten, gestalten und entwickeln.

Und wer sagt, dass Sie alles selbst machen müssen? Nehmen Sie sich doch einen Lehrling aus dem zweiten oder dritten Jahr zur Hilfe, um die „Neuen“ beispielsweise ans Arbeitsrecht und ihre Rechte als Auszubildende heranzuführen. So schlagen sie diverse Fliegen mit einer Klappe. Die Lehrlinge des zweiten Jahres frischen für die Heranführung ihr Wissen auf, bringen sich auf den aktuellen Stand, können vielleicht sogar Ihnen noch etwas Neues vermitteln, und bekommen die Möglichkeit sich selbst ein Stück weit zu entfalten und zusätzliche Kompetenzen und Fähigkeiten zu erwerben. Die „Neuen“ lernen von jemandem, der ihre Sprache spricht, der Möglichkeiten für Anschluss im Betrieb bietet und real zeigen kann, dass es in IHREM Betrieb einen echten Mehrwert für Auszubildende gibt, der weit über das durchschnittliche Maß hinaus geht.

 

Jugendliche legen Wert auf Umweltschutz

Die Young Generation legt Wert auf Umweltschutz und hat große Sorge vor dem Klimawandel. Eigentlich ein Punkt, der mit uns als Ausbildungsbetrieben nicht sonderlich viel zu tun hat, mag man im ersten Moment meinen. Warum aber genau dieser Aspekt uns, in meinen Augen, eine Vielzahl an Möglichkeiten bietet, darum geht es jetzt.

Was spricht denn dagegen, einmal im Jahr ein oder zwei Projekttage zu Themen zu machen, die den jungen Menschen auf der Seele brennen? Was hindert Sie denn daran, ein Projekttag zu Thema „Umweltschutz in unserem Unternehmen“ zu machen? Als wiederkehrendes Projekt angelegt, können Sie daraus nicht nur einen Mehrwert ziehen, weil wahrscheinlich alternative und innovative Ideen zu Tage kommen mit denen Sie Geld sparen und zum Umweltschutz beitragen können.

Nehmen Sie Jugendliche von Anfang an ernst

Sie können damit auch Werbung machen und ihr Image als Ausbildungsbetrieb, der sein Ohr bei der jungen Generation hat, verbessern. So gewinnen am Ende alle. Die Auszubildenden werden abgeholt wo sie stehen, ihre Befürchtungen und Bedürfnisse werden von Ihnen ernst genommen und der Betrieb zeigt, dass er mit der Zeit geht und attraktiv ist für die nächsten Jahrgänge der Schulabgänger.

Greifen Sie in die Truhe der Möglichkeiten, wenn es darum geht, der jungen Generation Gehör zu schenken und sie ernst zu nehmen. Was ich Ihnen sagen möchte: Nehmen Sie ihre Auszubildenden ernst! Machen Sie es ein Stück weit wie Maria Montessori, die sagte „Hilf mir es selbst zu tun“.

Um zu hören was die Jugendlichen wollen und wichtig finden, braucht man nicht zwangsläufig eine Jugendauszubildendenvertretung. Nehmen Sie sich zwischendurch etwas Zeit, reden Sie mit jugendlichen Schülern und bleiben Sie in Ihrem Denken und handeln flexibel. Dann klappt es auch viel besser im Umgang mit der Generation Z.

Ich und wir von der Ausbilderwelt wünschen Ihnen dabei viel Erfolg.

 

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