Wie Sie Schwarzweißdenken auflösen

Schwarzweißdenken

Warum Schwarzweißdenken in der Kommunikation nervt

Kennen Sie Gespräche bei denen es um schwarz oder weiß, immer oder nie, alle oder keiner geht? Zwischendrin scheint es nichts zu geben. Wozu auch? Vielleicht hören Sie die innere Begründung: „Es ist doch letzten Endes sowieso immer das gleiche. Man muss sich an die Regeln halten und dann kann nichts schiefgehen. Denn Regen kommt immer von oben, und das Leben muss organisiert werden. Es kann also nicht sein, was nicht sein darf.“ Beispielhafte Aussagen sind:

  • Man soll nicht lügen.
  • Es ist unmöglich, irgendwem zu glauben.
  • Mein Kollege streitet immer mit mir.
  • Ich muss gute Leistungen bringen, damit mich die anderen mögen.
  • Es ist wahr, dass Menschen egoistisch sind.
  • Solche Missgeschicke passieren jedem einmal.
  • Da mein Beitrag nicht so interessant ist, möchte ich ihn lieber nicht vortragen.

Wer bestimmt überhaupt, was sein darf und was nicht? Manchmal fühlt man sich eben durch die scheinbaren unverrückbaren immer gültigen Lebensweisheiten genervt und gemaßregelt. Weil Regeln und Meinungen oft nichts Neues sehen lassen. Das liegt daran, dass wir beim Sprechen gerne Informationen verallgemeinern. Auf diese Weise entspricht eine gesendete Nachricht oft nicht mehr ganz der eigentlich gemeinten Nachricht. Dabei entstehen Missverständnisse in der Kommunikation, die wieder zurückgewonnen werden können. Unter dem Strich steht also der Prozess der Bewusstwerdung im Mittelpunkt.

 

Verallgemeinerungen: alle, keine, jeder, sämtliche, niemals, nichts

Wenn Menschen in bestimmten Situationen wiederholt die gleichen Erfahrungen machen, nehmen sie Verallgemeinerungen vor, die sich in folgenden Worten ausdrücken:

  • ALLE
  • JEDER
  • KEINER
  • NIE
  • IMMER
  • NIRGENS

Ob eine Verallgemeinerung nützlich ist oder nicht, kann im jeweiligen Zusammenhang eingeschätzt werden. Mit dem Hinterfragen von Universalquantoren bzw. Umfassungswörter wird der Betreffende veranlasst, den Geltungsbereich der betreffenden Erfahrung genau zu bestimmen.

„Ich mache nie einen Fehler.“
Wirklich niemals? Können Sie sich irgendwelche Umstände vorstellen, unter denen Sie einen Fehler gemacht haben?

„Man kann niemandem trauen!“
Ist es immer unmöglich, dass irgendwer, irgendwem traut? Haben Sie jemals irgendjemandem getraut? Welche Umstände können Sie sich vorstellen, unter denen es Ihnen möglich wäre, jemandem zu trauen?

„Jeder denkt an sich zuerst.“
Wirklich jeder? Auch Sie? Gibt es keinen Menschen auf dieser Welt, der zuerst an die anderen denkt und dann an sich selbst?

„Man kann keinem die Wahrheit sagen.“
Wirklich keinem? Gibt es keine vertraute Person, der Sie schon einmal die Wahrheit gesagt haben? Welche Person könnte das sein?

 

Verallgemeinerungen: falsch, gut, schlecht, richtig, krankhaft, verrückt

Menschen beurteilen ihre Erfahrungen und verallgemeinern diese Urteile nicht nur für den persönlichen Lebensbereich, sondern darüber hinaus auch für den anderen. Auf diese Art und Weise kommen Aussagen zustand, die mit den Worten beginnen:

  • ES IST FALSCH, GUT, SCHLECHT, RICHTIG, KRANKHAFT, VERRÜCKT…

Allgemeine Urteile beschränken die Handlungsmöglichkeiten des Betreffenden. Wenn solche allgemeinen Urteile hinterfragt werden mit dem Ziel, dem Betreffenden Ausnahmemöglichkeiten von der Regel oder eigene, der Regel widersprechende Erfahrungen wieder zugänglich zu machen, wird er in der Lage sein, die Beschränkungen seiner Handlungsmöglichkeiten aufzubrechen

„Es ist gut, Freunden von Zeit zu Zeit kleine Geschenke zu machen.“
Ist es immer gut? Für wen ist es gut?

„Es ist schlecht, seinen Vorgesetzten zu kritisieren.“
Für wen ist es schlecht? Gibt es Situationen in denen es nicht gar nicht so schlecht ist?

„Es ist richtig, immer genügend Bargeld bei sich zu tragen.“
Für wen ist es richtig? Für den, der das Bargeld ausgibt oder für den der es einnimmt? Wann, in welchen Situationen, ist es nicht richtig genügend Bargeld bei sich zu tragen?

„Es ist wahr, dass Menschen egoistisch sind.“
Ist das wirklich zu 100%ig wahr? Oder gibt es eine Ausnahme, wo Menschen ganz und gar nicht egoistisch sind? Woher wissen Sie das so genau? Wie viele Menschen haben Sie zu diesem Thema befragt, die Ihre These unterstützen? Und wie viele unterstützen Ihre These nicht?

 

Unterstellungen: Wenn ich nicht X mache, dann passiert Y

Unterstellungen sind Grundannahmen, die eine Person nicht weiter auf die Erfahrungen hin überprüft, die sie zur Ausbildung solcher Annahmen geführt haben. Unterstellungen, die einmal ausgebildet wurden, wirken einschränkend sowohl auf die Wahrnehmung-, als auch auf die Handlungsfähigkeit des Betreffenden. Sobald ein Gesprächspartner eine Unterstellung erkannt hat, kann er seinem Gegenüber durch Fragen wie: „Woran erkennen Sie, dass…“ zu den dahinterliegenden Erfahrungen hinführen?“

„Wenn Du Dich über mein Geschenk gefreut hättest, hättest Du es nicht weiterverschenkt.“
Freust Du Dich nicht über ein Geschenk, welches du gerne weiterverschenken würdest? Woran erkennst du meine Freude?

„Ich befürchte, dass meine Frau genauso schlampig werden wird, wie meine Schwiegermutter.“
Wer sagt Ihnen, dass die Schwiegermutter schlampig ist? Woran erkennen Sie, dass die Schwiegermutter schlampig ist? Woher nehmen Sie die Erkenntnis, dass Ihre Frau sich nach dem Vorbild Ihrer Schwiegermutter verhält?

„Wenn Du mich wieder so lange aufhältst, wie das letzte Mal, komme ich nicht bei Dir vorbei.“
Wie genau hatte ich Dich aufgehalten? Was meinst Du mit aufhalten? Woran erkennst Du, wenn Du mal andere aufhältst?

„Da mein Beitrag nicht so interessant ist, möchte ich ihn lieber nicht vortragen.“
Woher nehmen Sie die Erfahrung, dass Ihr Beitrag, den Sie noch nicht gehalten haben, nicht interessant sei?

 

Sehr allgemeine Beschreibung des Geschehens

Es werden unvollständig spezifizierte Verben verwendet, die das Geschehen nur sehr allgemein beschreiben. Im Grunde genommen sind fast alle verwendeten Verben unvollständig. Selbst wenn ich sage: “Ina küsste Mario auf den Mund.” gebe es noch vieles, was man genauer sagen könnte, z.B. wie lange, wie intensiv.

„Meine Frau versucht, mich von meinem Freund zu trennen.“
Wie genau stellt ihre Frau das an?

„Mein Sohn vergisst mich immer.“
Wie lange vergisst ihr Sohn Sie?

„Meine Mitarbeiter verlangen immer Anerkennung.“
Wie genau verlangen Ihre Mitarbeiter Anerkennung?

 

Schwarzweißdenken in der Konversation zwischen zwei Personen

Symmetrische Prädikate beschreiben Prozesse zwischen zwei Menschen. Dabei trifft zwangsläufig auch das Gegenstück zu. Wenn zum Beispiel Britta mit mir streitet, dann streite auch ich immer mit Britta. Zu einem Streit gehören schließlich immer zwei Personen.

„Mein Kollege gibt mir nie die Hand.“
Geben Sie Ihrem Kollegen die Hand?

„Meine Freunde erkennen mich nicht mehr wieder.“
Erkennen Sie all Ihre Freunde wieder?

Bei nicht symmetrische Prädikaten geht es um Tätigkeiten, bei denen nur eine Person aktiv beteiligt ist. Bei diesen Prädikaten ist das Gegenstück nicht notwendigerweise wahr, auch wenn es oft zutrifft.

„Die schöne Nachbarin lächelt mich nicht an.“
Lächeln Sie denn die schöne Nachbarin an?

„Mein Chef sieht meine Leistung nicht.“
Sehen Sie die Leistung Ihres Chefs?

 

Zwei Dinge in einem Atemzug behaupten

In einer komplexen Äquivalenz werden zwei Erfahrungen als bedeutungsgleich dargestellt. Der Sprecher behauptet in einem Atemzug zwei Dinge und bringt dieser miteinander in Verbindung.

„Der neue Laptop kostet nicht viel. Der kann nicht gut sein.“
Müssen Laptops notwendigerweise immer einen hohen Preis haben, damit sie gut sind?

„Mein Partner nimmt mich nicht ernst. Er lächelt immer so, dass ich mich ausgelacht fühle.“
Nimmt ihr Partner sie immer dann nicht ernst, wenn er lächelt? Wenn Sie Ihren Partner anlächeln, bedeutet es dann, dass Sie ihn nicht ernst nehmen?

„Du liebst mich nicht, weil du mich nicht ansiehst, wenn du mit mir sprichst.“
Bedeutet für Dich ich schaue Dich nicht an – ich liebe Dich nicht?

 

Fazit: Beim Schwarzweißdenken haben wir es mit Generalisierungen zu tun

Alle Einzelheiten, Gegenständen, Tätigkeiten, Zuständen, wie z.B. Obst, Arbeiten, Bedürfnisse sind Verallgemeinerungen. Als solche bringen sie Ordnung in unsere Wirklichkeit. Ob aber eine Aussage auf alle Einzelfälle einer Gesamtheit zutrifft, oder ob es Ausnahmen gibt, lässt sich nur entscheiden, wenn die gemeinten Einzelfälle benannt werden. Mit dem Hinterfragen von Generalisierungen

  • „wer genau“,
  • „was genau“,
  • „wie genau“,

wird der Betreffende bewegt, zu überprüfen, auf welche Einzelheiten die Aussage seiner Erfahrung nach zutrifft.

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