Welche Fragen stellen die Prüfer im AEVO Fachgespräch – Lernziele

Heute geht es um das Fachgespräch in der praktischen AEVO-Prüfung. In diesem Video zeigen wir Ihnen einen Ausschnitt aus einem AEVO Fachgespräch, wobei es um das Thema Lernziele gehen kann. Welche Fragen die Prüfer gestellt haben, und wie der Prüfling darauf geantwortet hat.

AEVO Lernziele

Meine erste Frage lautet: Haben Sie Ihr Lernziel erreicht?

Prüfer 1: Gut, dann starten wir gleich mal mit dem Fachgespräch. Und meine erste Frage lautet: Haben Sie Ihr Lernziel erreicht?

Prüfling: Ja, ich glaube schon.

Prüfer 1: Woran machen Sie das fest?

Prüfling: Na, mein Azubi konnte am Ende der Unterweisung ein Geschenk verpacken.

Prüfer 1: War das Ihr Lernziel, welches sie vorher formuliert hatten?

Silke (Prüfling): Was meinen Sie mit formuliert?

 

Welche Arten von Lernzielen gibt es denn?

Prüfer 1: Sie haben doch ein Konzeptentwurf abgegeben und in diesem Konzept haben sie auch Lernziele vermerkt. Welche Arten von Lernzielen gibt es denn?

Prüfling: In mein Konzept habe ich reingeschrieben, dass mein Azubi am Ende der Unterweisung Geschenke verpacken kann.

Prüfer 1: Und um welche Art Lernziel handelt es sich hier?

Prüfling: Ich glaube, das ist ein Feinlernziel.

 

Welche drei Mindestkriterien muss denn das Feinlernziel enthalten?

Prüfer 1: o. k., also haben wir schon mal eine Art von Lernzielen, und zwar das Feinlernziel. Und was mich interessieren würde ist, welche drei Mindestkriterien muss denn so ein Feinlernziel enthalten?

Prüfling: Na, es muss schon sehr genau sein.

Prüfer 1: Was heißt denn genau?

Prüfling: Es sollte konkret auf eine Handlung bezogen sein.

Prüfer 1: Und wie soll der Azubi diese Handlung ausführen?

Prüfling: Na, korrekt natürlich.

Prüfer 1: Korrekt, reicht mir noch nicht ganz. Da gibt es einen anderen Fachbegriff für.

Prüfling: Ah, jetzt weiß ich, worauf Sie hinauswollen. Es muss fachlich richtig sein.

Prüfer 1: Genau, und da haben wir auch schon das erste Mindestkriterium, was ein Feinlernziel erfüllen muss. Und zwar, es muss fachlich und sachlich richtig sein. Jetzt fehlen noch zwei weitere Kriterien.

Prüfling: Lassen Sie mich mal überlegen. Ich glaube so ein Feinlernziel muss auch einen konkreten Anfangs- und Endzeitpunkt haben.

Prüfer 1: Ja, das ist ein weiteres Kriterium, die Zeit. Was haben Sie hier geplant?

Prüfling: Na, die 15 Minuten die ich ja hier zur Verfügung habe.

Prüfer 1: Und jetzt gibt es noch ein drittes Kriterium. Da geht es um die Frage wie ihr Azubi die Geschenke einpacken soll.

Prüfling: Na, korrekt natürlich.

Prüfer 1: Das hatten wir ja bereits, denn er musste es ja auch fachlich und sachlich richtig einpacken.

 

Ich stehe auf dem Schlauch.

Prüfling: Ich stehe auf dem Schlauch.

Prüfer 1: Na, wäre es denn für sie o. k., wenn ihr Azubi seine Schwester zum Geschenke einpacken vorbei schickt, anstatt es selbst zu tun?

Prüfling: Das geht natürlich nicht. Ah, jetzt klingelt’s. Mein Azubi muss die Geschenke selbstständig einpacken.

Prüfer 1: Und da haben wir das dritte Mindestkriterium eines Feinlernziels. Und jetzt überlegen Sie mal, hat ihr Azubi die Geschenke wirklich selbstständig eingepackt?

Prüfling: Na, etwas korrigieren muss sich da schon, weil das nicht so geklappt hat, wie ich mir das vorgestellt hatte.

Prüfer 1: Und jetzt komme ich noch mal zurück auf meine erste Frage: Haben Sie Ihr Lernziel erreicht?

Prüfling: Wenn man das Feinlernziel anhand der drei Kriterien misst, dann eher nicht. Weil ich am Ende beim Geschenke einpacken immer noch eingegriffen habe.

 

Was würden Sie denn anders machen?

Prüfer 1: Genau so habe ich das auch gesehen. Was würden Sie denn, wenn Sie diese Unterweisung noch einmal durchführen müssten, anders machen?

Prüfling: Ich würde versuchen, das so hinzubekommen, dass mein Azubi am Ende der Unterweisung die Geschenke wirklich selbstständig, also ohne meine Hilfe, einpacken kann.

Prüfer 1: Auch auf die Gefahr hin, dass ihr Azubi dann Fehler macht?

Prüfling: Also dadurch, dass es ja beim Geschenke einpacken um keine gefährlichen Sachen geht, kann er ruhig mal einen Fehler machen. Denn, daraus lernt er ja am Ende.

Prüfer 1: Prima, und vielen Dank. Ich übergebe mal an meine Kollegin.

 

Welche anderen Lernziele außer dem Feinlernziel gibt es noch?

Prüfer 2: Wir bleiben bei dem Thema Lernziele. Und was mich interessiert ist, welche anderen Lernziele außer dem Feinlernziel gibt es noch?

Prüfling: Es gibt ja auch noch ein Groblernziel.

Prüfer 2: Ja, und dieses Groblernziel. Wo kann man das finden?

Prüfling: Na, in der Ausbildungsordnung natürlich.

Prüfer 2: Und wo da genau in der Ausbildungsordnung, denn die ist ja sehr umfangreich.

Prüfling: Das steht ziemlich weit hinten.

 

Was meinen Sie denn mit hinten?

Prüfer 2: Was meinen Sie denn mit hinten?

Prüfling: Na, am Ende gibt es ja immer so eine große Tabelle, wo die Groblernziele aufgelistet sind.

Prüfer 2: Wie nennt man denn diese Tabelle?

Prüfling: Keine Ahnung.

Prüfer 2: Was ich meine ist so eine Art Gliederung.

Prüfling: Ah, jetzt weiß ich, worauf Sie hinauswollen. Sie meinen bestimmt die sachliche Gliederung.

Prüfer 2: Genau, in der sachlichen Gliederung stehen die Groblernziele. Und welche Art von Lernzielen finden wir denn noch in der sachlichen Gliederung?

Prüfling: Ach, da gibt‘s noch mehr?

Prüfer 2: Ja, eine Art von Lernziel gibt es da schon noch. Das gibt sozusagen die Richtung vor.

Prüfling: Ja, logisch. Das Richtlernziel.

Prüfer 2: Genauso ist es. Jetzt bringen Sie doch bitte mal die drei Lernziele in die richtige Reihenfolge.

Prüfling: Zuerst kommt das Richtlernziel, dann das Groblernziel und dann das Feinlernziel.

Prüfer 2: Vielen Dank Ihnen, ich gebe mal weiter an meinen Kollegen.

 

Welchen Zweck erfüllt dieses Feinlernziel?

Prüfer 3: Eine letzte Frage zum Feinlernziel habe ich noch. Wozu dient denn dieses Feinlernziel? Oder anders gefragt: Welchen Zweck erfüllt dieses Feinlernziel?

Prüfling: Welchen Zweck? Ja, das ist eine gute Frage.

Prüfer 3: Na, was müssen Sie am Ende einer Unterweisung machen?

Prüfling: Ich muss den Azubi auf jeden Fall darauf hinweisen, dass er die Inhalte der Unterweisung in den Ausbildungsnachweis einträgt.

Prüfer 3: Das ist auf jeden Fall richtig. Aber, was hat das mit dem Feinlernziel zu tun?

Prüfling: Na, im Ausbildungsnachweis kann ich ja später auch prüfen, ob er das mit dem Geschenke einpacken hinbekommen hat.

Prüfer 3: Also meinen Sie, wenn im Ausbildungsnachweis steht, dass der Azubi Geschenke eingepackt hat, dass er das auch wirklich kann. Und zwar nach Ihren Vorgaben?

Prüfling: Ich bestätige ihm doch mit meiner Unterschrift im Ausbildungsnachweis, dass er das kann.

Prüfer 3: Na, überlegen Sie mal. Sie haben doch heute dem Azubi in der Unterweisung gezeigt, wie man Geschenke richtig eingepackt.

Prüfling: Ja, genau

Prüfer 3: Und wir haben gesehen, dass ihr Azubi es ohne ihre Hilfe nicht geschafft hat, die Geschenke selbstständig einzupacken. Beim nächsten Mal machen Sie es natürlich besser. Völlig o. k. Aber, wie können Sie beim nächsten Mal sicherstellen, dass ihr Azubi das auch wirklich kann?

 

Ah, jetzt weiß ich es. Ich mache eine Lernerfolgskontrolle.

Prüfling: Ah, jetzt weiß ich es. Ich mache eine Lernerfolgskontrolle.

Prüfer 3: Genau darauf wollte ich hinaus. Sie machen also am Ende ihrer Unterweisung eine Lernerfolgskontrolle. Und was brauchen Sie dazu?

Prüfling: Na, das Lernziel natürlich. Denn, wenn ich vorher kein konkretes Lernziel festgelegt habe, dann weiß ich auch gar nicht was genau ich kontrollieren soll.

Prüfer 3: Und damit ist die Frage nach dem Zweck eines Feinlernziels beantwortet. Denn das Feinlernziel ist eine sogenannte Soll-Vorgabe, die sie am Ende mit dem sogenannten Ist-Zustand vergleichen wollen.

 

Video: Welche Fragen stellen die Prüfer im AEVO Fachgespräch – Lernziele

 

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