Was wollen die Prüfer von mir hören?

Heute geht es um mündliche Prüfungen. Und ganz offen gesagt machen es sich viele unnötig schwer und legen sich sogar selbst Steine in den Weg. In diesem Video geht es um 5 ultimative Tipps, wie Sie in einer mündlichen Prüfung am besten auf die Fragen der Prüfer reagieren können.

Prüfer

Sollte man mit Prüfer diskutieren?

Bianca: Macht es denn Sinn, wenn man in der mündlichen Prüfung mit den Prüfern über ein Fachthema diskutiert?

Andreas: Kommt drauf an.

Marcel: Worauf denn?

Andreas: Ich hatte mal einen Prüfling, der sich im Fachgespräch demonstrativ vor uns aufgebaut hat und gesagt hat: „Dann wollen wir mal mit dem Streitgespräch beginnen.“ Das macht eher einen schlechten Eindruck.

Silke: Na, das kann ich mir vorstellen. Aber was ist denn, wenn es um ein Fachthema geht, worin man sich sehr gut auskennt.

Andreas: Die Frage ist, ob die Prüfung der richtige Moment ist zu beweisen, dass man mehr als der Prüfer weiß oder unter Beweis stellen will, dass man im Recht ist.

Bianca: Und wenn man wirklich im Recht ist?

Marcel: Ja, genau. Prüfer haben auch nicht immer recht, sind auch nur Menschen und verstehen auch mal etwas falsch.

Andreas: In einer Prüfung geht es ja darum, dass der Prüfling im Gespräch unter Beweis stellt, dass er sich in der Fachthematik auskennt. Dafür werden dann auch wertvolle Punkte vergeben. Es kann doch kein Ziel sein, wie in einer politischen Debatte den Prüfern andauernd zu widersprechen.

Silke: Ich kann mir auch vorstellen, dass bei den Prüflingen, die gerne mit den Prüfern diskutieren, ratz fatz die Zeit um ist.

Andreas: Ja, das kann dann zum Problem werden. Wenn man zum Beispiel innerhalb von 15 Minuten bereits 10 Minuten diskutiert, vergeht zwar die Zeit schneller, aber man hat auch keine Punkte dafür bekommen, dass man die Fachinhalte erläutert hat.

Marcel: Ok, dann merken wir uns, dass man es in der mündlichen Prüfung mit seiner Diskutierwut nicht zu weit treiben sollte.

 

Wie kann ich mich auf die Fragen der Prüfer einstellen?

Bianca: Wie kann ich mich denn jetzt gezielt auf die mündliche Prüfung vorbereiten, so dass ich mich auf die Fragen der Prüfer besser einstellen kann?

Andreas: Das ist schon mal eine gute Frage, denn es gibt Prüflinge, die sich denken: „Ach, so ein bisschen um das Thema herumlabern, gute Stimmung verbreiten und den Prüfern recht geben“ – das krieg ich schon irgendwie hin.

Silke: Na, so eine Haltung ist ja schon grob fahrlässig und da braucht sich nicht zu wundern, wenn man mit so einer Einstellung am Ende durchfällt.

Andreas: Aber, um auf die Frage, wie man sich jetzt gezielt auf die mündliche Prüfung vorbereiten sollte, zu antworten. Ich habe hier 5 ultimative Tipps.

Marcel: Da bin ich mal gespannt auf den ersten Tipp.

 

Erster Tipp: Bringt eine Struktur in eure Prüfungsthemen

Andreas: Denn Struktur geht immer vor Inhalt. Wenn Prüfer eine Frage stellen, dann wollen sie oftmals herausbekommen, ob der Prüfling das Thema richtig einordnen kann. Also was sind die Hauptpunkte, was die Unterpunkte, wie sind die Themen untereinander vernetzt. Wenn ich also weiß, wo ich die Inhalte zu den Fachthemen in meinem Gedächtnis abgelegt habe, dann kann ich doch wesentlich schneller darauf zugreifen. Das „Wo“ wird damit wichtiger als das „Was“. Was hier hilft ist, zum Beispiel die Erstellung einer Mindmap, einer sogenannten Gedankenlandkarte.

Bianca: Ja, aber die Inhalte sind doch schon sehr wichtig, denn darum geht es doch.

Andreas: Oft ist es so, dass wenn der Prüfer eine Frage stellt, worin eine Thematik auftaucht, in der sich der Prüfling sehr gut auskennt, im Gehirn des Prüflings nur diese eine Fachthematik aufpoppt und alles andere erst mal ausgeblendet wird.

Silke: Ja, das kenne ich. Ich bin dann froh, dass ich darüber etwas weiß und möchte schon ganz ungeduldig die Antwort heraus posaunen.

Andreas: In diesem Fall hat deine Emotion die Oberhand. Du beantwortest also ein Fachthema, was vielleicht gar nicht gefragt war, weil du die Frage des Prüfers nicht abwarten konntest.

Marcel: Das habe ich auch schon mal in einer Prüfung erlebt. Da hat mir der Prüfer dann gesagt: Zu diesem Thema, was sie gerade angesprochen haben, kommen wir später, jetzt geht es erst einmal um folgenden Sachverhalt.

Bianca: Das ist ja ärgerlich, da hast du den Prüfern gleich eine Steilvorlage für die nächste Frage gegeben.

 

Zweiter Tipp: Wartet ab, bis der Prüfer seine Frage bis zu Ende gestellt hat

Andreas: Und damit das nicht passiert, kommen wir zum zweiten Tipp: und zwar, wartet ab, bis der Prüfer seine Frage bis zu Ende gestellt hat. Das erfordert manchmal etwas Geduld, aber lohnt sich. Denn häufig wird die eigentliche Frage erst zum Schluss gestellt. Und genau das ist dann auch relevant für die Antwort. Denn ihr könnt ja viele richtige Antworten geben, nur müssen diese Antworten auch zu der gestellten Frage passen.

Silke: Das hast du aber sehr diplomatisch ausgedrückt. Ich würde dazu sagen: Thema verfehlt.

Marcel: o. k., jetzt haben wir schon die ersten zwei Tipps auf den Weg mitbekommen. Erstens: Struktur in die Prüfungsthemen bringen und zweitens abwarten bis der Prüfer seine Frage zu Ende gestellt hat. Welche Tipps hast du noch auf Lager?

 

Dritter Tipp: Die Art und Weise der Antwort, die die Prüfer hören wollen

Andreas: Im dritten Tipp geht es um die Art und Weise der Antwort, die die Prüfer hören wollen.

Bianca: Na, jetzt kommen wir endlich mal ins Eingemachte. Ich bin schon neugierig.

Andreas: Wenn ihr also zum Beispiel einen Fachbegriff erläutern sollt, dann mit der folgenden Struktur: 1. Was bedeutet der Fachbegriff / 2. Welchen Bezug hat dieser Fachbegriff zu dem aktuellen Thema? / und 3. Mit welchen Beispielen lässt sich der Fachbegriff in der Praxis anwenden? Wenn ihr diese drei Punkte beachtet, dann habt ihr den Fachbegriff voll umfassend erläutert.

Marcel: Und, was ist, wenn ich das nicht so gut hinbekomme?

Andreas: Dann stellen die Prüfer weiterhin vertiefende Fragen zum Fachbegriff, um zum Beispiel Unterscheidungsmerkmale, Einsatzgebiete, Anwendungen, Zusammenhänge oder Funktionen herauszubekommen.

Silke: Ich fass es für mich noch mal zusammen. Wenn die Prüfer zum Beispiel einen Fachbegriff erläutert haben wollen, dann sollte ich erklären, was dieser Fachbegriff bedeutet, welchen Bezug dieser Fachbegriff zum aktuellen Thema hat und mit welchen Beispielen sich dieser Fachbegriff in der Praxis anwenden lässt.

Andreas: Gut zusammengefasst. Genau das wollen die Prüfer hören.

Bianca: Was ist denn dein vierter Tipp?

 

Vierter Tipp: Macht euch einen Lernplan

Andreas: Beim vierten Tipp geht es um eure Vorbereitung noch weit vor der mündlichen Prüfung. Macht euch einen Lernplan, um kontinuierlich zu lernen. Es ist besser jeden Tag 20 Minuten zu lernen als gar nicht. So kann man sich eine Liste mit verschiedenen Fragen aufschreiben, die Prüfer stellen könnten und dabei muss man noch nicht mal die Antworten wissen. Und dann kann man jeden Tag 20 Minuten investieren, um diese Frage zu beantworten. Schriftlich wenn es geht, denn das trainiert, mit eigenen Worten zu erläutern. Denn genau das braucht man in der mündlichen Prüfung.

Marcel: Und jetzt wissen wir ja auch, was die Prüfer hören wollen, wenn es um die Erläuterung von Fachbegriffen geht. Nach diesen drei Kriterien kann man ja auch jeden Tag ein oder zwei Fragen aus der mündlichen Prüfung schriftlich beantworten.

Bianca: Woher weiß ich denn, welche Fragen in der mündlichen Prüfung auf mich zukommen?

Andreas: Das ist ganz einfach. Die Fachthemen, um die es in einer Prüfung geht, sind ja bereits im Vorfeld bekannt. Zum Beispiel gibt es die verschiedensten Rahmenpläne zu den Berufsausbildungen, aber auch zu den Fachwirt und Meister Fortbildungen.

Silke: Die Prüfer stellen in der Prüfung aber auch ganz individuelle Fragen. Wie kann ich mich dann darauf vorbereiten?

 

Fünfter Tipp: Simuliert die mündliche Prüfung

Andreas: Darum geht es im fünften und letzten Tipp. Simuliert die mündliche Prüfung mit einem Lernpartner, mit Verwandten, Freunden, in einem Vorbereitungskurs. Denn bei einer Prüfungssimulation muss man auch spontan die Fachbegriffe erläutern, bekommt Fragen, mit denen man nicht gerechnet hat und ärgert sich vielleicht, dass man noch nicht alles weiß.

Marcel: Besser in der Simulation versagen als in der echten Prüfung. Ist zwar unangenehm, aber dann weiß man auch, wo seine Wissenslücken sind und hat noch Zeit bis zur Prüfung, um sich gezielter vorzubereiten

Bianca: Vor allem, kann man auch in die Rolle des Prüfers schlüpfen und selbst Fragen stellen. So kann man das Thema von verschiedenen Seiten betrachten und denkt mit.

Andreas: Genau, denn denken heißt verstehen und verstehen heißt lernen. So kann jeder Prüfling viel besser einschätzen, welche Fragen in der Prüfung auf ihn zukommen.

Silke: Ja, aber wenn ich jetzt zum Beispiel mit Verwandten und Freunden eine Prüfungssimulation durchführe, dann denken doch diese Leute ganz anders als Prüfer. Ist das überhaupt realistisch?

Marcel: Das ist zumindest besser als gar keine Simulation durchzuführen.

Andreas: In den Fortbildungskursen für Berufsausbildungen, bestimmten Meister und auch Fachwirtprüfungen, die ich bisher durchgeführt habe, haben wir meistens zum Ende des Kurses eine Prüfungssimulation für die mündliche Prüfung durchgeführt.

Bianca: Ja, das wäre dann eine optimale Prüfungssimulation, weil du ja Prüfer bist und die Fragen aus deiner erfahrenen Prüferperspektive auch dementsprechend stellen kannst.

Andreas: Es ist aber auch so, dass Teilnehmer untereinander auch mal die Rolle des Prüfers übernehmen. Und diese Teilnehmer kommen manchmal mit Fragen um die Ecke, die für die anderen Teilnehmer eine echte Herausforderung sind.

Silke: Jetzt haben wir insgesamt fünf Tipps erfahren, was die Prüfer in der Prüfung von mir hören wollen.

 

Ich fass mal zusammen

Marcel: Ja, ich fass mal zusammen:

  1. Struktur in die Prüfungsthemen bringen
  2. abwarten, bis der Prüfer seine Frage zu Ende gestellt hat
  3. die Art und Weise der Antwort, die die Prüfer hören wollen
  4. einen Lernplan machen und täglich Fragen beantworten, und
  5. die mündliche Prüfung simulieren

Bianca: Das ist ja schon mal was, woran man arbeiten kann. Ich werde mir auf jeden Fall erst einmal eine Mindmap erstellen, um eine bessere Struktur in meinen Prüfungsthemen zu bekommen.

Silke: Und ich werde mir eine kleine Lerngruppe suchen, mit der ich meine Prüfung auch mal simulieren kann.

Marcel: Bei so viel guten Vorsätzen bin ich auch mit dabei. In der nächsten mündlichen Prüfung werde ich auf jeden Fall erst mal versuchen die Frage des Prüfers bis zum Ende abzuwarten, und dann zu überlegen was ich darauf antworte.

 

Video: Was wollen die Prüfer von mir hören?

 

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