Von der „rosa Brille“ zum Gedankenlesen

„rosa Brille“
Lesezeit: 3 Minuten

Die „rosa Brille“ der Verliebten…

… oder doch eher die dunkle Wolke, durch die die Schlechtgelaunten in die Welt blicken?  Sagt jemand zum Beispiel: “Ich bin froh über meine Entscheidung.”, kommt prompt die Gegenfrage “Entscheidung über was?”. Somit wird das ausgesprochen, was ursprünglich verschwommen war. Im nu ist die „rosa Brille“ ab und wir sehen wieder klar. Und das macht Spaß? Jeder Mensch sollte doch etwas haben, was er für sich behalten möchte. Nur leider kommt es in unserer Sprache häufig zu solchen unbewussten Aussagen, die uns am Ende doch entlarven. Nochmal zurück zu unserem Beispiel:

A: “Ich bin froh über meine Entscheidung.”

B: “Entscheidung über was?”

A: “Ich bin froh über meine Entscheidung, den Job nicht anzunehmen. Denn zu viele Überstunden bringen mich auch nicht darin weiter, mehr Zeit mit meinem Schatz zu verbringen.“

B: „Hm… Was würde eigentlich passieren, wenn du mit dem Unternehmen nochmal redest und deine Situation erklärst? Was hast du schon zu verlieren?“

Die ursprüngliche Formulierung lässt nun wirklich sehr viel Raum offen für Spekulationen. Erst durch das Hinterfragen wird die Denkweise des Sprechers erweitert und kann einen Wandlungsprozess einleiten. Allerdings bedeutet das auch aus der Opferhaltung (… ich kann da auch nichts machen) herauszukommen, die „rosa Brille“ abzunehmen und Klarheit zu schaffen. Demzufolge gibt es viele andere Beispiele:

  • Meine Überzeugung hat sich nicht verändert. Wovon sind Sie überzeugt?
  • Die Frustration ist einfach zu groß für sie. Worüber ist sie frustriert?
  • Wenn du wieder so eklig zu mir bist, gehe ich nicht mit dir aus. Was genau erschien dir eklig?
  • Inzwischen hast du Fortschritte gemacht. Woher weißt Du, dass ich vorher nicht gut war?
  • Du zwingst mich, Konsequenzen zu ziehen. Wie genau zwinge ich dich?
  • Zu viel arbeiten macht krank. Woher weißt du das?

 

Können Sie Gedankenlesen?

Manchmal neigen wir dazu, das Auftreten unserer Mitmenschen zu interpretieren und ziehen oft falsche Schlüsse. Wir erwarten somit, dass die Katze bellt. Was aber wenn die Katze „miau“ von sich gibt, obwohl wir etwas anderes erwartet haben? Enttäuschung macht sich breit, was die Beziehung belasten könnte. Daher bringt genaueres Nachfragen mehr Klarheit in die Sache, wie uns folgende Beispiele zeigen:

A: „Wenn er helfen wollte, wäre er jetzt da“
B: „Woher wissen Sie dass er helfen wollte? War er schon einmal da, wenn er nicht helfen wollte?

A: „Ich bin traurig, weil du auf meine Gefühle keine Rücksicht nimmst.“
B: „Woher nimmst du die Gewissheit, dass ich auf deine Gefühle keine Rücksicht nehme?“

A: „Ich bin sicher, dass sie mich nicht dabeihaben will.“
B: „Hat sie dir das gesagt? Was macht dich so sicher? Wen will sie dabeihaben?

A: „Ich weiß, dass mein Beitrag dir nicht imponiert hat.“
B: „Woher willst du wissen was mich imponiert? Was glaubst du noch über mich zu wissen?“

A: „Wenn du wirklich Mitleid hättest, würdest du mich jetzt nicht allein lassen.“
B: „Fühlst du dich immer allein gelassen, wenn ich kein Mitleid habe?“

 

Sind Sie für Ihre Gefühle selbst zuständig?

Kennen Sie das? Wenn Sie den Eindruck haben, dass andere Menschen ganz bestimmte Gefühle oder Zustände in ihnen bewirken? Dabei reagieren wir manchmal so, als hätten wir keine andere Möglichkeit. Mit anderen Worten, es ist einfach die Verantwortung für das eigene Erleben einem anderen zuzuschieben. Nur leider nimmt man sich damit selber die Möglichkeit, etwas zu tun, um das eigene Erleben zu verändern. Im Gespräch können wir sehr wohl den Betreffenden auf die eigene Kontrolle über das persönliche Erleben hinweisen.

A: „Was du mir gestern erzählt hast, verfolgt mich den ganzen Tag.“
B: „Verfolgen dich immer Dinge, die man dir erzählt am nächsten Tag?“

A: „Mir ist übel, weil du mich angelogen hast.“
B: „Ist dir auch übel, wenn ich die Wahrheit sage? Von was wird dir noch übel?“

A: „Mich beunruhigt, dass er so viel trinkt.“
B: „Würde es Sie beruhigen, wenn Sie auch etwas trinken? Was beunruhigt Sie noch?“

A: „Ich möchte von hier fortziehen, aber meine Mutter ist krank.“
B: „Hast du öfters den Wunsch fortzuziehen, wenn deine Mutter krank ist?“

A: „Ich würde morgens lieber lange schlafen, aber die Nachbarn reden so laut.“
B: „Wollen Sie immer dann gerne länger schlafen, wenn die Nachbarn laut reden? Über was oder wen reden die Nachbarn? Was würden Sie morgens noch gerne tun?“

 

Wie Ihr Denken Sie beeinflusst

Viele Denkprozesse in unserm Gehirn sind abstrakt. Allerdings kann sich dieses abstrakte Denken mit äußeren Ereignissen vermischen. In diesem Fall können wir das eine von dem anderem nicht mehr trennen und befinden uns in einer Sackgasse. Durch das Hinterfragen kommt auch die Einsicht, dass man wieder zu sich selbst finden kann. Folgende Beispiele sollen das verdeutlichen:

A: „Die Entscheidung mich zu trennen, bedrückt mich.“
B: „Was würde geschehen, wenn Sie sich anders entschieden?“

A: „Ich nehme ihnen die Beleidigung übel.“
B: „Was wäre anders, wenn ich Sie beleidige und dies nur etwas Bestehendes auslöst?“

A: „Die Ablehnung meiner Frau tut mir weh.“
B: „Was passiert, wenn Sie Ihre Frau ablehnen?“

A: „Ihre Fragerei erzeugt bei mir Ärger.“
B: „Was erzeugt es bei Ihnen noch? Was hindert Sie daran sich nicht zu ärgern?“

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