Realismus der neuen Generation Z – Teil 1

Generation
Lesezeit: 8 Minuten

Jetzt kommen wir, die neuen Azubis der Generation Z

Sie entschieden im Kindergartenalter was sie am Wochenende unternommen haben, wurden von den Eltern hochgelobt, in der Schule mit positivem Feedback gepampert, wollen überall mitreden, sind Kritik nicht gewohnt. Und jetzt kommt ein Ausbilder, der klipp und klar sagt, was geht und was nicht. Übrigens, ein Ausbilder der Generation x oder y, also zwischen 30 und 50 Jahre alt. Kurzum, hier prallen schon mal Welten aufeinander.

Vor allem weil die neuen Azubis der Generation Z offen ihre Meinung sagen, ungefragt neue Ideen einbringen, schnelles Feedback vom Ausbilder verlangen und weil das Smartphone immer mit von der Partie ist. Manchen Jugendlichen steckt der Lerndruck aus der Schule noch in den Knochen, so dass sie erst einmal ihren Stundenplan für die nächsten drei Ausbildungsjahre sehen wollen. Dabei verlangen sie genaue Vorgaben, welche Aufgabe sie wann erledigen sollen.

 

X, Y, Z, Juchhe – Welcher Generation gehören Sie eigentlich an?

Umgangssprachlich ist die „Generation“ eine Gruppe von Menschen, die gemeinsam aus einer altersbedingten Zeitspanne kommt. Weil die Aufnahmefähigkeit bei Kindern und Jugendlichen besonders hoch ist, prägen die äußeren gesellschaftlichen Umstände jede Generation. So gibt es für jede Generation typische Werte, die besonders dominieren. An den Kalten Krieg, Kennedy, Woodstock, die ersten TV-Geräte, Mauerbau und Minirock können sich zum Beispiel viele Babyboomer (geb. 1950 – 1964) erinnern. Die ersten Personal Computer, die Neue Deutsche Welle, Kassettenlaufwerke, den Fall der Berliner Mauer, E-Mail und SMS sind Menschen der Generation X (geb. 1965 – 1979) noch gut in Erinnerung. Bei den Vertretern der Generation Y (geb. 1980 – 1994) sind es der Klimawandel, die Red Hot Chili Peppers, Lola rennt, der Terroranschlag am 9.11.2001, Smartphone und WhatsApp. Und jetzt kommt die neue Generation Z (geb. 1995 – 2009) in die Arbeitswelt von heute. Prägend sind hier Merkel & Europa, Conchita Wurst, Fack Ju Göthe, Facebook, Snapchat und Digital Natives.

 

Babyboomer (geb. 1950 – 1965) – Fernseher und Mondlandung

Heute im Jahre 2018 sind damit die 54 bis 68jährigen gemeint. Mit durchschnittlich ca. 1/3 der Belegschaft ist diese Generation mit dem Streben nach Jobsicherheit in Unternehmen vertreten.

Die Babyboomer bestimmen wo es langgeht – in der Politik, in der Wirtschaft, in der Kultur. Sie sind die größte und wohlhabendste Generation. Aufgewachsen im Wirtschaftswunder standen ihnen alle Türen offen und sie hatten zu keinem Zeitpunkt Zukunftsangst. Da nur einige von ihnen den Weg nach ganz oben schafften, ergab sich eine Kluft zwischen mächtig und ohnmächtig. Joschka Fischer ist ein Beispiel für einen Babyboomer, der sich vom Turnschuhpolitiker zum Außenminister hochgearbeitet hat. Die Generation der Babyboomer besitzen heutzutage ein großes Vermögen, besetzen fast alle Aufsichtsräte und sind mit der Politik verzahnt. Leiharbeit, Hartz IV – Gesetze und Werkverträge wurden von Babyboomern erfunden.

Ihre Werte sind: Gesundheit, Idealismus und Kreativität. Im Arbeitsleben zeigen sie einen strukturierten Arbeitsstil, tauschen sich regelmäßig im Team aus und pflegen Beziehungen und Netzwerke. Sie sind karriereorientiert, wollen schnell in Führungspositionen aufsteigen und Arbeit hat sowieso den höchsten Stellenwert. Ihre Motivation     ist persönliches Wachstum, eine angemessene Wertschätzung für ihre Erfahrung und das Gefühl, gebraucht zu werden. Am besten erreicht man die Generation X per Telefon.

Die resignierten Babyboomer kümmern sich lieber um ihre kleine Welt, ohne Segelyachten, Schlössern und Luxuswagen. Sie haben ihr Arbeitsverhalten verändert, gehen bei schönem Wetter früher nach Hause und verbringen das Wochenende frei von Internet und Telefon. Das schont die Nerven und man passt sich unbewusst in einigen Dingen sogar der neuen Generation Z an.

 

Generation X (geb. 1965 – 1980) – Walkman und Mauerfall

Heute im Jahre 2018 sind damit die 39 bis 53jährigen gemeint. Mit durchschnittlich ca. 1/3 der Belegschaft ist diese Generation mit dem Streben nach Leistung und Perspektiven in Unternehmen vertreten. Mit Politik hat die Generation X nicht viel am Hut. Auch das Bildungssystem kam nicht an. Egal welche Lehrer, welcher Schulabschluss oder welche Lernform: Alles Zeitverschwendung, weil nachher sowieso ein langweiliger Job auf einen wartet. Viele Vertreter der Generation X sitzen in Behörden, sind Sachbearbeiter oder leiten auch mal eine Niederlassung. Eine Generation mit wenig Idealen, die mehr an abzuzahlende Raten und den Abschluss von Versicherungen denkt.

Viele Vertreter der Generation X arbeiten in Bereichen, die sie langweilen und vermissen berufliche Erfüllung. Sie sind die ersten, die einen Großteil ihrer Freizeit mit Fernsehen sowie Video- und Computerspielen verbracht haben. In unserer Überflussgesellschaft kaufen sie aus Entscheidungsschwäche heraus Dinge, die sie nicht brauchen und die sie auch nicht glücklich machen.

Ihre Werte sind: Unabhängigkeit, Individualismus und die Suche nach einem Sinn. Im Arbeitsleben sind sie ergebnisorientiert, technisch versiert und teilen Macht und Verantwortung. Ihre Motivation ist ein hoher Freiheitsgrad in der Arbeitsgestaltung, Entwicklungsmöglichkeiten und Work-Life-Balance. Zeit ist am Ende wichtiger als Geld. Am besten erreicht man die Generation X per E-Mail und Mobiltelefon.

Die Generation X ist die erste Generation, aus der ein Großteil aus prekären Elternhäusern kommt. Der Begriff Punk wurde geprägt. Vor allem in den Songs von der US-amerikanischen Grunge-Band Nirvana spiegelt sich die generelle Perspektivlosigkeit wieder. Mit der Generation Z sieht die Generation X endliche eine Generation, die ähnliche Probleme sieht. Allerdings mit dem Unterschied, dass die Generation Z optimistisch in die Zukunft blickt.

 

Generation Y (geb. 1980 – 2000) – Google und Atomausstieg

Heute im Jahre 2018 sind damit die 24 bis 38jährigen gemeint. Mit durchschnittlich ca. 1/3 der Belegschaft ist diese Generation mit dem Streben nach Freiheit und Flexibilität in Unternehmen vertreten. Die motivierte und technikaffine Generation Y will eigenverantwortlich, mobil und flexibel arbeiten. Für die Generation Y scheint Politik ein Thema zu sein. Ganz zufällig mit dem Ziel über politische Netzwerke die Karriereleiter zu erklimmen. Da kommt die Bologna-Reform unterstützend zur Hilfe. Schnell einen Bachelor erreichen und dann ab zum Praktikum in einem großen Unternehmen, um das schnelle Geld zu machen und anschließend noch den Master draufsetzen. Unter diesem Gesichtspunkt hat die Generation Y kein Problem mit Dauerpraktiken und Werkverträgen.

Allerdings wird in dieser Generation auch der Begriff „Work-Life-Balance“ gelebt. Flexible Arbeitszeiten, Homeoffice, Sabbaticals: Leistung und Lebensgenuss gehören für Generation Y untrennbar zusammen. Anstatt einen Chefposten zu übernehmen, ziehen sie es vor, mehr Zeit mit Freunden und Familie zu verbringen.

Ihre Werte sind: Vernetzung, Teamwork und Optimismus. Im Arbeitsleben sind Fachlaufbahnen und projektbezogenes Arbeiten wichtig. Hauptsache die Arbeit macht Spaß und es ist genügend Raum für das Privatleben vorhanden. Ihre Motivation ist Selbstverwirklichung, Vernetzt sein und mit Leuten auf der gleichen Wellenlänge zusammenarbeiten können. Sie sind Meister im Multi-Tasking und im Web 2.0 zu Hause.

Seitdem die Generation Z nachrückt kommt mit der Zeit bei der Generation Y ein merkwürdiges Erwachen. Die politischen Skandale können nicht dauerhaft toleriert werden, ohne einen Masterabschluss (am besten BWL) kommt man kaum noch ins Unternehmen. Warum also so hart arbeiten, wenn am Ende doch nicht der erhoffte Erfolg eintritt? Und wenn große Unternehmen Mitarbeiter entlassen, dann gehen (nach Sozialauswahl) die Jüngeren. Und das sind immer noch die Mitarbeiter der Generation Y.  Geht dieser Trend weiter, dann schließt sich die Generation Y am Ende noch der Generation Z an.

 

Generation Z (geb. 1995 – 2010) – Homeland und Europakrise

Heute im Jahre 2018 sind damit die 8 bis 23jährigen gemeint. Mit durchschnittich zu ca. 2% der Belegschaft ist diese Generation mit dem Streben nach Sicherheit und Stabilität in Unternehmen vertreten.

 

Generation „Alpha“ (geb. 2010 – 2025) – Globalisierung und digitale Welt

Heute im Jahre 2018 sind damit die 0 bis 8jährigen gemeint. Diese Generation wird noch bis 2025 geboren werden. In einer unsteten globalen Welt geht es dieser Generation um das Streben nach wirtschaftlicher Sicherheit und einem vernetzten Leben.

 

Bloß kein Schubladendenken!

Aber Achtung! Selbstverständlich will niemand so recht in eine Schublade gesteckt werden. Deshalb darf man nicht so ohne weiteres jede Person einer allgemeinen Typisierung unterwerfen. Damit schafft man eine Pseudo-Wirklichkeit, die nicht viel mit der Realität zu tun hat. Das Konzept: „Generationen“ sind ein Mittel zur Kommunikation untereinander und hat für Unternehmen und die Gesellschaft einen großen Nutzen. Man geht also nicht mehr von typischen Mitarbeitern und Kunden aus, sondern unterschiedlichen Generationen. Somit versucht man unterschiedliche Generationen auch unterschiedlich zu behandeln. Was dabei herauskommt ist die Beachtung unterschiedlicher Wertesystem aus dem privaten und beruflichen Bereich. Und das mit all seinen Spannungen und Innovationen. Wieder zurück zum „Aber Achtung!“, man darf die individuellen Umstände und Entwicklungsschritte eines Menschen nicht außer Acht lassen.

 

Ist „Generation Z“ ein ansteckender Virus?

Man kann Vertreter der Generation Z nicht sofort erkennen. Ein Blick auf das Geburtsjahr hilft hier nicht immer weiter. Es gibt zwar eine altersgemäße Ballung, jedoch kann auch ein grauhaariger Mann sich wie ein Vertreter der Generation Z verhalten. Warum ist das so? Egal ob Babyboomer, Generation X oder Generation Y: Sie alle können sich mit dem Virus „Generation Z“ infizieren. Denn die Generation Z hat interessante evolutorische Vorteile für das Bestehen in unserer heutigen Lebenswelt. Trotz verkorkster Bildungsverhältnisse, Klimawandel, Konsumhedonismus, politische Perspektivenlosigkeit und Massenentlassungen durch Digitalisierung blickt die Generation Z nämlich optimistisch in die Zukunft.

Vertreter der Generation Z kennen Ihre Grenzen und haben ein gutes Gefühl dafür, was für sie erreichbar ist. Ein gewisser Pragmatismus und trockener Realismus schwingen hier mit. Es geht also nicht darum, wie wir z.B. zur Flüchtlingskrise und Kriegstreiben stehen, sondern welche Aufgaben jetzt erledigt werden müssen, damit pünktlich um 16:00 Uhr das Privatleben eingeläutet werden kann.

Wie so häufig ist es so, dass Veränderungen für viele Menschen eine Bedrohung ihrer aktuellen Werte und Lebensformen darstellen. Menschen der Generation Z weigern sich beharrlich Werte wie z.B. Leistungsstreben und Pflichterfüllung anzuerkennen. So kommen einige zur Frage: „Wollen diese Weicheier auch mal arbeiten?“. Was ist, wenn niemand die Generation Z stoppt? Genau das ist es, was so manch einem Angst macht.

Unter dem Strich werden wir nicht drum herumkommen uns mit der Generation Z auseinanderzusetzen. Wir werden herausfinden, wie wir zu ihr stehen und wie wir mit ihr umgehen können. Und vielleicht wollen wir in manchen Dingen auch der Generation Z nacheifern. Am Ende geht es schließlich darum, dass sich die Generationen: Babyboomer, X, X und Z gemeinschaftlich auseinandersetzen, um die Lebens- und Arbeitswelt zu gestalten.

 

Wie tickt nun eigentlich die „Generation Z“?

Leistungsfähige Digital Natives

Sie sind selbstbewusst, fordernd, risikofreudig und reagieren schnell auf Veränderungen. Bevor sie eine Arbeit machen sollen, möchten sie verstehen warum sie das jetzt wichtig ist. Die neue Generation Z will zwar viel leisten, aber sie will selbst entscheiden wann und wo sie arbeiten. Sie sind als Digital Natives mit Smartphone und Medien geboren und können von überall her E-Mails beantworten. Ein Bürotag von 8 – 18 Uhr ist also nicht notwendig. Unter dem Strich zählen hier nur Resultate. Das entspricht auch der heutigen Berufswelt, die mehr und mehr zu einer Kreativ- und Wissensökonomie wird. Ohne Internet, Smartphones, Laptops, mobiles Büro und flexible Arbeitszeiten geht das nicht. Wenn dadurch das Arbeits- und Privatleben ineinander zerfließen, dann möchte die Generation Z auch jederzeit Facebook und andere Netzwerke während der Arbeitszeit nutzen.

Der Generation Z ist sich ihrer Wichtigkeit in Zeiten des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels sehr wohl bewusst. Unternehmen müssen sich also um die Wünsche der Generation Z kümmern müssen, um so Ihre Mitarbeiter zu halten. Zu Tode arbeiten will sich keiner mehr und es ist nicht verwunderlich, dass die neue Generation an einen Punkt angelangt ist, wo sie sich über materiellen Besitz definieren und daraus ihr Selbstwertgefühl ableiten. Aber auch „Etwas zu sagen haben.“ ist der Generation Z wichtig.

 

Cybermobbing und Cyber-Bullying

Da die anderen Generationen zu über 95% über Wirtschaft, Politik und Gesellschaft herrschen, werden die Möglichkeiten der Einflussnahme subtil- aggressiver. Cybermobbing, Internet-Mobbing, Cyber-Bullying sowie Cyber-Stalking halten Einzug. Ein Phänomen von dem über 40% der Jugendlichen betroffen ist. Die bewusste Schädigung von Personen und Unternehmen durch soziale Medien wird durch anonyme Täter(-gruppen) der Generation Z verübt. Andere setzen sich etwas konstruktiver mit der eigenen Generation auseinander. Eine der bekanntesten Vertreterin ist Julia Engelmann, eine Poetry-Slammerin.

 

Realismus ist ihr Credo

Die Generation Z ist weder skeptisch, wie die Generation X, noch optimistisch, wie die Generation Y. Realismus ist ihr Credo. Sie weiß ganz genau, welche Probleme in unserer Welt relevant sind. Klimawandel, Rohstoffknappheit, Energiekrise, Ausbeutung von Mitarbeitern, Egoismus der Wirtschaft, Machthunger der Politiker und Quotenhype der Medien. Kein Wunder, dass die Generation Z kaum noch eine emotionale Bindung an Unternehmen hat und diese auch gar nicht will.  Es geht ihnen nicht um Loyalität zu Unternehmen und anderen Gruppierungen. Die eigene Familie und der Freundeskreis sind da noch eine Ausnahme. Eher geht es ihnen um „Kurzzeitbeziehungen“ zu Arbeitgebern, Partnern und Gruppen. Das ganze Leben wird somit zur Ansammlung von unterschiedlichen Lebensabschnitten aus unterschiedlichen Bereichen.

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