Lernziele formulieren: Bitte SMART!

Lernziele
Kennst du das? Du planst eine Lerneinheit für deine Auszubildenden und fragst dich: „Was genau sollen sie eigentlich am Ende können?“ Genau hier kommen Lernziele ins Spiel und zwar nicht als lästige Formalität für die AEVO-Prüfung, sondern als mächtiges Werkzeug für deinen Ausbilderalltag.
Kennst du das? Du planst eine Lerneinheit für deine Auszubildenden und fragst dich: „Was genau sollen sie eigentlich am Ende können?“ Genau hier kommen Lernziele ins Spiel und zwar nicht als lästige Formalität für die AEVO-Prüfung, sondern als mächtiges Werkzeug für deinen Ausbilderalltag.

Inhaltsverzeichnis

Warum gute Lernziele entscheidend sind

Kennst du das? Du planst eine Lerneinheit für deine Auszubildenden und fragst dich: „Was genau sollen sie eigentlich am Ende können?“ Genau hier kommen Lernziele ins Spiel und zwar nicht als lästige Formalität für die AEVO-Prüfung, sondern als mächtiges Werkzeug für deinen Ausbilderalltag. Als Ausbilder stehst du täglich vor der Herausforderung, Wissen und Können nachhaltig zu vermitteln. Präzise formulierte Lernziele sind dabei dein Kompass, denn sie geben dir Orientierung für deine Unterweisung und deinen Azubis Klarheit darüber, was von ihnen erwartet wird.

In diesem Artikel erfährst du:

Wie du Lernziele nach der SMART-Methode formulierst, sowie
Welche Taxonomiestufen es gibt und wie du sie nutzt, zudem
Konkrete Beispiele für verschiedene Ausbildungssituationen und 
Praktische Checklisten für deine Lernzielformulierung.

 

Was sind Lernziele und warum sind sie wichtig?

Definition: Was macht ein gutes Lernziel aus?

Ein Lernziel beschreibt präzise und überprüfbar, was Lernende nach einem Lernprozess wissen, können oder beherrschen sollen, denn es definiert das gewünschte Endergebnis eines Lernvorgangs und nicht den Weg dorthin. Gute Lernziele zeichnen sich durch folgende Eigenschaften aus: Sie beschreiben beobachtbares Verhalten, sie sind konkret und eindeutig formuliert, sie sind überprüfbar und messbar, sie sind realistisch erreichbar und sie orientieren sich am Lernenden, nicht am Lehrenden

Bedeutung für Ausbilder und Azubis

Für dich als Ausbilder haben klar formulierte Lernziele entscheidende Vorteile: Sie geben Planungssicherheit: Du weißt genau, worauf du hinarbeitest und welche Methoden geeignet sind.  Erfolgskontrolle: Du kannst eindeutig überprüfen, ob das Lernziel erreicht wurde, du hast eine Fokussierung: Du konzentrierst dich auf das Wesentliche und vermeidest Abschweifungen. Prüfungsvorbereitung: Für deine AEVO-Prüfung sind präzise Lernziele unverzichtbar.

Aber auch deine Azubis profitieren enorm:  Orientierung: Sie wissen genau, was von ihnen erwartet wird. Motivation: Klare Ziele erhöhen die Lernbereitschaft. Erfolgserlebnisse: Erreichte Lernziele schaffen Selbstvertrauen und die Selbstständigkeit: Sie können ihren eigenen Lernfortschritt besser einschätzen.

 

Die SMART-Formel für perfekte Lernziele

Was bedeutet SMART?

Die SMART-Formel ist ein bewährtes Werkzeug zur Formulierung wirkungsvoller Lernziele, denn jeder Buchstabe steht für ein wichtiges Kriterium:

Spezifisch: Konkret und eindeutig formuliert. Messbar: Überprüfbar durch klare Kriterien. Attraktiv: Ansprechend und relevant für den Lernenden, sowie Realistisch: Mit vorhandenen Ressourcen erreichbar. Terminiert: Mit einem zeitlichen Rahmen versehen

Spezifisch: Konkret statt schwammig

Ein spezifisches Lernziel beantwortet die W-Fragen: Was genau soll erreicht werden? Wer soll es erreichen? Wie und womit soll es erreicht werden?

❌ Schwammig: „Der Azubi soll die Kundenberatung verstehen.“, lieber 
✅ Spezifisch: „Der Azubi führt selbstständig ein Beratungsgespräch mit einem Kunden nach dem 5-Schritte-Modell durch.“

Messbar: Überprüfbare Kriterien definieren

Ein messbares Lernziel enthält klare Kriterien, anhand derer du den Erfolg feststellen kannst.

❌ Nicht messbar: „Der Azubi soll gut schweißen können.“
✅ Messbar: „Der Azubi führt eine Kehlnahtschweißung durch, die den Qualitätsstandards nach DIN EN ISO 9606-1 entspricht.“

Attraktiv: Relevanz für den Lernenden schaffen

Ein attraktives Lernziel ist für den Azubi bedeutsam und motivierend.

❌ Wenig attraktiv: „Der Azubi kennt die theoretischen Grundlagen der Lagerhaltung.“
✅ Attraktiv: „Der Azubi optimiert den Bestellprozess für Schnelldreher, um Lieferengpässe zu vermeiden.“

Realistisch: Machbar und angemessen

Ein realistisches Lernziel ist mit den vorhandenen Ressourcen, Vorkenntnissen und im gegebenen Zeitrahmen erreichbar.

❌ Unrealistisch: „Der Azubi programmiert nach eintägiger Einweisung eine vollständige Datenbank-Anwendung.“
✅ Realistisch: „Der Azubi erstellt nach zweitägiger Einweisung eine einfache SQL-Abfrage zur Datenfilterung.“

Terminiert: Zeitlichen Rahmen setzen

Ein terminiertes Lernziel enthält einen klaren zeitlichen Rahmen.

❌ Nicht terminiert: „Der Azubi soll irgendwann die Buchhaltungssoftware beherrschen.“
✅ Terminiert: „Der Azubi kann nach zweiwöchiger Einarbeitung selbstständig Rechnungen in der Buchhaltungssoftware erfassen und zuordnen.“

 

Taxonomiestufen: Die richtige Lerntiefe bestimmen

Die kognitive Taxonomie nach Bloom

Die Bloom’sche Taxonomie ist ein Klassifikationssystem für unterschiedliche Lernniveaus, denn sie hilft dir, die angestrebte Tiefe des Lernens zu definieren. Die Stufen bauen aufeinander auf:

Wissen/Erinnern: Fakten wiedergeben können.
Verstehen: Informationen in eigenen Worten erklären.
Anwenden: Wissen in neuen Situationen einsetzen.
Analysieren: Informationen in Bestandteile zerlegen und Zusammenhänge erkennen.
Bewerten: Begründete Urteile fällen.
Erschaffen: Neues aus Gelerntem kreieren.


Passende Verben für jede Taxonomiestufe

Für jede Taxonomiestufe eignen sich bestimmte Verben, die dir bei der Formulierung deiner Lernziele helfen:

Wissen/Erinnern: aufzählen, benennen, definieren, beschreiben, zuordnen.
Verstehen: erklären, zusammenfassen, interpretieren, umschreiben, unterscheiden.
Anwenden: durchführen, berechnen, demonstrieren, lösen, umsetzen.
Analysieren: untersuchen, vergleichen, gegenüberstellen, kategorisieren, ableiten.
Bewerten: beurteilen, einschätzen, rechtfertigen, kritisieren, überprüfen.
Erschaffen: entwickeln, konzipieren, planen, konstruieren, gestalten.

 

Praxisbeispiele: Lernziele für verschiedene Ausbildungsberufe

Beispiel: Kaufmännischer Bereich

Erste Taxonomiestufe  (Wissen): „Der Auszubildende nennt die fünf wichtigsten Bestandteile eines Kaufvertrags korrekt und vollständig.“
Zweite Taxonomiestufe  (Anwenden): „Der Auszubildende erstellt nach vierwöchiger Einarbeitung selbstständig eine fehlerfreie Angebotskalkulation für Standardprodukte unter Berücksichtigung aller relevanten Kostenfaktoren.“
Fünfte Taxonomiestufe (Bewerten): „Der Auszubildende bewertet verschiedene Finanzierungsangebote anhand definierter Kriterien und empfiehlt dem Kunden die für dessen Situation optimale Lösung.“

Beispiel: Technischer Bereich

Zweite Taxonomiestufe (Verstehen): „Der Auszubildende erklärt die Funktionsweise eines Hydrauliksystems anhand des betriebseigenen Modells in seinen eigenen Worten korrekt.“
Vierte Taxonomiestufe (Analysieren): „Der Auszubildende lokalisiert nach dreimonatiger Ausbildung selbstständig Fehler in einer elektrischen Schaltung mithilfe eines Multimeters und dokumentiert die Fehlerursachen fachgerecht.“
Sechste Taxonomiestufe (Erschaffen): „Der Auszubildende entwickelt nach Abschluss des zweiten Lehrjahres einen optimierten Arbeitsablauf für die Wartung der CNC-Maschine, der die Stillstandzeiten um mindestens 15% reduziert.“

 

Fehler vermeiden: Typische Stolperfallen bei der Lernzielformulierung

Die häufigsten Fehler

Zu vage Formulierungen: „Der Azubi soll ein Verständnis für Kundenbedürfnisse entwickeln.“, dazu 
nicht überprüfbare Ziele: „Der Azubi soll für das Thema sensibilisiert werden.“, dazu die 
Prozessbeschreibungen statt Ergebnisse: „Der Azubi soll sich mit dem Thema auseinandersetzen.“, eine
Überforderung durch zu hohe Taxonomiestufe: Ein Anfänger soll gleich komplexe Systeme entwickeln und die Formulierung von
Lehrerzielen statt Lernzielen: „Ich erkläre dem Azubi die Grundlagen der Buchführung.“

 Checkliste: Ist dein Lernziel wirklich SMART?

Überprüfe dein formuliertes Lernziel anhand dieser Fragen: Beschreibt es ein konkretes, beobachtbares Verhalten? Enthält es messbare Kriterien zur Erfolgskontrolle? Ist es für den Azubi relevant und motivierend? Ist es mit den vorhandenen Ressourcen erreichbar? Enthält es einen zeitlichen Rahmen? Passt die gewählte Taxonomiestufe zum Ausbildungsstand?

 

Praxistipps für deinen Ausbilderalltag

Lernziele gemeinsam mit Azubis entwickeln

Eine besonders wirksame Methode ist, Lernziele gemeinsam mit deinen Azubis zu entwickeln, denn das steigert die Motivation und Eigenverantwortung, fördert das Verständnis für den Lernprozess, ermöglicht individuellere Lernwege und stärkt die Ausbilder-Azubi-Beziehung. 
So kannst du vorgehen: Erkläre den Zweck und die Struktur von Lernzielen, formuliere gemeinsam ein erstes Beispiel, lass den Azubi eigene Ziele vorschlagen, verfeinert diese gemeinsam nach der SMART-Methode und vereinbart regelmäßige Reflexionsgespräche

Vom Lernziel zum Lernerfolg: Praktische Umsetzung

Dokumentiere Lernziele schriftlich und halte Lernziele in einem Ausbildungsplan fest und mache sie für alle Beteiligten zugänglich, danach leite passende Methoden ab und wähle Lehr- und Lernmethoden, die optimal zur Erreichung deiner Lernziele beitragen. Plane Erfolgskontrolle ein und definiere, wie und wann du überprüfst, ob das Lernziel erreicht wurde, danach schaffe Erfolgserlebnisse und formuliere Zwischenziele, um Fortschritte sichtbar zu machen, um danach regelmäßig zu reflektieren  und besprich mit deinen Azubis, welche Lernziele erreicht wurden und wo noch Unterstützung nötig ist.

FAQs: Häufige Fragen zu Lernzielen

Wie viele Lernziele sollte eine Unterweisung haben? Für eine typische 45- bis 90-minütige Unterweisung sind ein Hauptlernziel und zwei bis drei Teilziele ideal, denn zu viele Lernziele überfordern sowohl dich als auch deine Azubis.

Muss ich für jede Ausbildungseinheit Lernziele formulieren? Ja, Lernziele sind für jede strukturierte Lerneinheit sinnvoll, dennoch müssen sie nicht immer formal dokumentiert werden, sollten dir aber als Ausbilder klar sein.

Wie unterscheiden sich Grob- und Feinlernziele? Groblernziele beschreiben übergeordnete Kompetenzen, die über einen längeren Zeitraum entwickelt werden und die Feinlernziele konkretisieren diese für einzelne Lerneinheiten.

Kann ein Lernziel mehrere Taxonomiestufen umfassen? Ein einzelnes Lernziel sollte sich auf eine Taxonomiestufe konzentrieren, denn für komplexere Lernsituationen formulierst du besser mehrere aufeinander aufbauende Lernziele.

Wie gehe ich mit nicht erreichten Lernzielen um? Analysiere die Ursachen: War das Ziel zu anspruchsvoll? Fehlten Voraussetzungen? Passe dann entweder das Lernziel an oder biete zusätzliche Unterstützung.

Fazit: Lernziele als Schlüssel zum Ausbildungserfolg Präzise formulierte Lernziele sind ein kraftvolles Werkzeug für deinen Ausbilderalltag, denn sie geben dir als Ausbilder Orientierung und deinen Azubis Klarheit und Motivation. Mit der SMART-Methode und dem Wissen um die verschiedenen Taxonomiestufen bist du bestens gerüstet, um wirkungsvolle Lernziele zu formulieren, daher nutze die Beispiele und Checklisten aus diesem Artikel, um deine eigenen Lernziele zu überprüfen und zu optimieren.

Dein nächster Schritt: Bereit, den Schritt vom Lehrling zum Lehrmeister zu gehen? Der AEVO-Master-Kurs bietet dir alles, was du für eine erfolgreiche Prüfungsvorbereitung brauchst – flexibel, praxisnah und mit nachgewiesenem Erfolg.

Über den Autor: Dieser Artikel wurde von Andreas Gernand, dem Ausbildungsexperten der Ausbilderwelt verfasst, die seit 2017 angehende Ausbilder und Personalfachkräfte erfolgreich auf ihre IHK-Prüfungen vorbereiten – mit einer Erfolgsquote von 97%.

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