Chaos im virtuellen Klassenraum

Virtueller Klassenraum – Was ist da los? Immer mehr Aus- und Weiterbildungswillige tummeln sich hier. Cybermobbing durch anonyme Teilnehmer und vieles mehr.

Klassenraum

Virtueller Klassenraum – Was ist da los?

Der virtuelle Klassenraum ist in der Weiterbildung und im E-Learning bereits seit vielen Jahren ein gängiger Lernort. Immer mehr Aus- und Weiterbildungswillige tummeln sich hier. Sie sitzen entweder zu Hause alleine vor Ihrem Bildschirm oder fahren Tag für Tag zu Ihrem Seminarort, in ein sogenanntes Tele Center.

Dort treffen sie auf andere Willige, in Räumen mit ca. 4 bis 12 Teilnehmern. Diese sind entweder im gleichen Kurs oder machen etwas gänzlich anderes. Stimmung ist hier also Programm.

Die Lern- und Arbeitsplätze sind durch Trennwände unterteilt, jeder Teilnehmer hat einen PC, 2 Bildschirme, ein Headset, eine Kamera und minimalen Platz für seine Unterlagen. Es wird also auf Dauer eng und Fluchttendenzen entstehen.

Als virtuelle Lernumgebung werden Skype-Business, Adobe Connect, Lernspaces und andere individuelle Softwarelösungen genutzt. Als Teilnehmer kann man den Dozenten und andere Teilnehmer sehen. Allerdings nur, wenn diese auch ihre Kamera eingeschaltet haben.

In der Regel führt der Dozent durch das Programm. Präsentiert seine Inhalte am Bildschirm, erläutert Zusammenhänge, beantwortet Fragen, stellt Lernunterlagen zur Verfügung und setzt Lernkontrollen ein. Am Ende eines Lernabschnitts müssen die Teilnehmer eine kleine Prüfung absolvieren. Zwischen 60 und 150 Minuten kann dieses Testing dauern. Die Ergebnisse dieser Prüfungen landen am Ende der Weiterbildung auf dem Teilnehmerzertifikat.

 

Cybermobbing durch anonyme Teilnehmer

Als Dozent spricht man mit Vorliebe vor einem blauen Bildschirm, denn die wenigsten Teilnehmer sind bereit sich überhaupt mit der Kamera zu zeigen. Was die Teilnehmer während des Unterrichtes tun, liegt im Dunkeln. Nach Aussagen der meisten Teilnehmer eine Mischung aus Zuhören, Netflix, Computerspiele, Austausch mit den Zimmergenossen, Kaffee trinken oder schlafen.

Als Dozent wird einem immer angeraten, die Kamera an zu lassen, damit die Teilnehmer über jede Mimik und Gestik Bescheid wissen. Gewissermaßen als Vorbildfunktion. Somit sitzt man als Dozent auf dem Präsentierteller und manchmal auch am Pranger.

Keine Ahnung warum der eine oder andere Teilnehmer den Dozenten via Chat oder Wortmeldung persönlich angreift.

Teilnehmer: „Sie müssen doch auch mal mitdenken und uns Aufgaben geben, die wir auch wirklich lösen können.“  | Dozent: „Um welche Aufgabe geht es denn?“ | Teilnehmer: „Sie wissen doch ganz genau was ich meine.“ | Dozent: „Meinen Sie vielleicht die Aufgabe 4?“ | Teilnehmer: „Ja, um die geht es unter anderem auch.“ | Dozent: „Wie weit sind Sie denn  mit dieser Aufgabenstellung gekommen?“ Teilnehmer: „Wir konnten ja noch gar nicht anfangen, weil Sie uns die Lösung nicht zeigen wollten.“ | Dozent: „Was brauchen Sie denn, damit Sie die Aufgabe aus eigener Kraft lösen können?“ | Teilnehmer: „Fragen Sie doch nicht so doof. Wir brauchen immer erst die Lösung und dann schauen wir uns die Aufgabe an, damit wir verstehen können, um was es geht.“ | Dozent: „Wen meinen Sie eigentlich mit WIR?“ | Teilnehmer: „Das geht Sie gar nichts an.“ – Teilnehmer reagiert nicht mehr.

 

Meine Kamera funktioniert leider nicht.

Viele Teilnehmer sagen: „Meine Kamera funktioniert leider nicht. Da kann man nichts machen.“ Vielleicht sitzt die Frisur grad nicht richtig, die Kleidung wird als unpassend empfunden oder man will sich einfach nicht zeigen, weil es unangenehm ist.

Amüsierend ist es dann, wie schnell Teilnehmer sich beschweren, falls der Dozent  seine Kamera nicht schnell genug eingeschaltet hat. Teilnehmer: „Ich kann Sie gar nicht mehr sehen.“  Der Dozent denkt sich: Ich habe die Teilnehmer noch nie im Leben gesehen. Hallo, merkt einer was?

Insbesondere bei Fortbildungen zu Fachwirten, Meistern, angehenden Personalern und gestandenen Führungskräften zeigt sich ein trauriges Bild der Realität. Während es in Unternehmen usus ist, auch Online-Meetings abzuhalten und sich mit der Kamera zu zeigen, will es in Fortbildungen einfach nicht klappen. Schließlich gehören Kommunikation, Wertschätzung und Offenheit zum beruflichen Alltag. Dennoch sehen viele Dozenten in den meisten Fällen weiterhin den blauen Bildschirm der Teilnehmer. Auch andere Handlungskompetenzen sucht man bei vielen vergeblich (Ausnahmen bestätigen natürlich immer die Regel 😊).

 

Panik und Druck als Virus im virtuellen Klassenraum

Bereits zu Beginn macht sich bei vielen Teilnehmern die große Sorge breit, ob denn auch alles Wichtige an Unterrichtsstoff vermittelt wird. Natürlich wird es das. Aber nein, immer wieder tauchen die gleichen Sorgen auf. Schaffen wir unseren Stoff wirklich? Die anderen diskutieren viel zu lange. Wiederum andere stellen Fragen, die eigentlich keiner hören will. Leider haben dann die wenigsten eine Antwort auf die Fachfragen, die keiner hören will.

Was vielen Teilnehmern nicht klar kommuniziert wird, ist, dass das prozentuale Verhältnis von Stoffvermittlung zu Eigenarbeit bei ca. 40:60 liegt. Das heißt also 60% eigene Lernarbeit. Sich selbst Fragen zum Lernthema zu stellen wäre schon mal ein guter Anfang.

 

Die „anderen“ Dozenten im virtuellen Klassenraum

Interessant wird es bei der Absprache mit anderen Dozenten, die man in der Regel gar nicht kennt. Deshalb fragt man höflich nach und will herausfinden, wo die Teilnehmer im Stoff stehen. Schließlich gibt es ein Curriculum, worin die Reihenfolge und der Umfang der Lehrthemen festgelegt ist.

Leider hält sich nicht jeder Dozent an solches sinnvolle didaktische Curriculum. Warum sollte man auch die Themen in einer nachvollziehbaren Reihenfolge bearbeiten? Nein, manche Dozenten wissen natürlich alles besser und völlig egal wer vor mir oder nach mir kommt. Einfach cool die Themen behandeln, auf die ich gerade Bock habe. Unter dem Motto: Nach mir die Sintflut.

Will man dann auf die Themen aufbauen, sagen die Teilnehmer: Das haben wir alles noch nie gemacht. Wir wissen gar nicht, um was es eigentlich geht. Unser vorheriger Dozent hat aus seiner beruflichen Praxis erzählt. Leider hatte diese nicht viel mit den Lerninhalten zu tun.

 

Fazit: Einfach nur Lächeln, wenn die Teilnehmer kommen

 

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