Die Motivation der Azubis stärken

Motivation
Azubis motivieren ist mehr als nur Anreize schaffen, denn es bedeutet, junge Menschen zu echten Leistungsträgern zu entwickeln. In diesem Beitrag erfährst du, wie du als Ausbilder die intrinsische Motivation deiner Azubis nachhaltig stärkst.
Azubis motivieren ist mehr als nur Anreize schaffen, denn es bedeutet, junge Menschen zu echten Leistungsträgern zu entwickeln. In diesem Beitrag erfährst du, wie du als Ausbilder die intrinsische Motivation deiner Azubis nachhaltig stärkst.

Inhaltsverzeichnis

Warum die Motivation von Azubis entscheidend ist

Kennst du das? Dein Azubi sitzt mit hängenden Schultern am Arbeitsplatz, schaut ständig auf die Uhr und scheint mit den Gedanken ganz woanders zu sein. Die Motivation ist im Keller, und damit auch die Leistung und Lernbereitschaft. Als Ausbilder stehst du vor einer der größten Herausforderungen überhaupt: Wie kannst du junge Menschen dazu bringen, sich für ihre Ausbildung zu begeistern und ihr volles Potenzial zu entfalten? Die Motivation von Azubis ist kein Luxusproblem, sondern ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Ausbildung. Denn unmotivierte Azubis: lernen weniger und langsamer, bringen sich weniger ein, fehlen häufiger und brechen im schlimmsten Fall die Ausbildung ab. Doch was bedeutet Motivation eigentlich genau? Und wie kannst du sie als Ausbilder gezielt fördern?

Was ist Motivation und wie funktioniert sie bei Azubis?

Motivation beschreibt die Bereitschaft, Zeit und Energie in die Erreichung eines Ziels zu investieren, und bei Azubis unterscheiden wir zwei Arten von Motivation:

Extrinsische Motivation

Hierbei kommt der Antrieb von außen, durch: Lob und Anerkennung, gute Noten, materielle Anreize und Vermeidung von Kritik oder Sanktionen.

Intrinsische Motivation

Diese Form der Motivation kommt von innen, durch: Echtes Interesse an der Tätigkeit, Freude am Lernen und Entdecken, persönliche Weiterentwicklung und Sinnhaftigkeit der Aufgaben.

Während extrinsische Motivation kurzfristig wirksam sein kann, ist es die intrinsische Motivation, die langfristig zu Höchstleistungen führt, und als Ausbilder solltest du daher beide Formen im Blick haben, aber besonders die intrinsische Motivation deiner Azubis fördern.

Warum die Generation Z anders motiviert werden muss

Die heutigen Azubis gehören überwiegend zur Generation Z (geboren zwischen 1995 und 2010), und sie sind mit Smartphones und sozialen Medien aufgewachsen und ticken in vielen Bereichen anders als frühere Generationen. Typische Merkmale der Gen Z im Ausbildungskontext: Wunsch nach Sinnhaftigkeit und Wertschätzung,  Streben nach Work-Life-Balance, hohe Affinität zu digitalen Medien, Wunsch nach regelmäßigem Feedback und Suche nach Authentizität.

Neue Ansätze der Generation Z

Diese Eigenschaften erfordern neue Ansätze in der Motivation. Der klassische „Das haben wir schon immer so gemacht“-Ansatz funktioniert bei der Generation Z nicht mehr. Stattdessen müssen Ausbilder die individuellen Bedürfnisse und Erwartungen ihrer Azubis verstehen und darauf eingehen.

 

Sieben praxiserprobte Strategien zur Motivation deiner Azubis

Erstens. Sinn vermitteln und Perspektiven aufzeigen

Azubis der Generation Z wollen wissen, warum sie etwas tun. Erkläre ihnen den größeren Zusammenhang ihrer Tätigkeiten: Zeige, wie ihre Arbeit zum Unternehmenserfolg beiträgt, stelle Verbindungen zwischen Ausbildungsinhalten und späteren Karrieremöglichkeiten her und verdeutliche den Wert jeder Aufgabe für ihre persönliche Entwicklung. Praxistipp: Starte die Woche mit einem kurzen Meeting, in dem du erklärst, was ansteht und warum diese Aufgaben wichtig sind. Beende die Woche mit einer Reflexion über das Erreichte.

Zweitens. Verantwortung übertragen und Vertrauen schenken

Nichts motiviert mehr als echte Verantwortung. Gib deinen Azubis die Chance, eigenverantwortlich zu arbeiten: Übertrage kleine Projekte, die sie selbstständig planen und umsetzen können, lasse sie Teilbereiche eigenständig betreuen und gib ihnen Raum für eigene Entscheidungen. Praxistipp: Starte mit einem „Azubi-Projekt des Monats“, bei dem deine Azubis ein kleines Projekt eigenverantwortlich umsetzen. Das stärkt nicht nur die Motivation, sondern auch wichtige Kompetenzen wie Projektmanagement und Eigeninitiative.

Drittens. Regelmäßiges, konstruktives Feedback geben

Die Generation Z ist mit sofortigen Rückmeldungen (z.B. in sozialen Medien) aufgewachsen und erwartet auch im Berufsleben regelmäßiges Feedback: Gib zeitnahes Feedback zu erledigten Aufgaben, hebe Stärken hervor und zeige Entwicklungspotenziale auf, führe strukturierte Feedback-Gespräche, nicht nur bei Problemen und nutze auch digitale Feedback-Tools. Praxistipp: Etabliere einen wöchentlichen „Feedback-Freitag“, an dem du dir 10-15 Minuten Zeit für jeden Azubi nimmst. Stelle dabei drei Fragen: Was lief gut? Was war herausfordernd? Wobei brauchst du Unterstützung?

Viertens. Lernumgebung und Methoden anpassen

Die Lernumgebung und die Vermittlungsmethoden haben einen großen Einfluss auf die Motivation: Setze auf abwechslungsreiche Lernmethoden (Praxis, Theorie, digitale Medien), gestalte die Lernumgebung ansprechend und förderlich, nutze digitale Tools und Apps, die den Gewohnheiten der Gen Z entsprechen und berücksichtige unterschiedliche Lernstile. Praxistipp: Integriere digitale Elemente wie Lern-Apps, Videos oder interaktive Präsentationen in deine Ausbildung. Lass deine Azubis selbst kurze Lehrvideos zu Ausbildungsinhalten erstellen, die auch für zukünftige Azubi-Generationen genutzt werden können.

Fünftens. Erfolge sichtbar machen und feiern

Nichts motiviert mehr als das Erleben von Erfolg. Sorge dafür, dass deine Azubis ihre Fortschritte wahrnehmen können: Visualisiere Lernfortschritte (z.B. durch Kompetenzraster), feiere kleine Erfolge und Meilensteine, schaffe Erfolgserlebnisse durch angemessene Herausforderungen und würdige besondere Leistungen im Team oder Unternehmen. Praxistipp: Führe eine „Wall of Fame“ ein, auf der besondere Leistungen und erreichte Meilensteine deiner Azubis festgehalten werden. Das kann digital oder analog umgesetzt werden und schafft sichtbare Erfolgserlebnisse.

Sechstens. Beziehungen aufbauen und Wertschätzung zeigen

Eine gute Beziehung zwischen Ausbilder und Azubi ist die Grundlage für Motivation und Lernerfolg: Zeige echtes Interesse an deinen Azubis als Menschen, nimm dir Zeit für persönliche Gespräche, behandle sie auf Augenhöhe und schaffe eine Atmosphäre, in der Fehler als Lernchancen gesehen werden. Praxistipp: Plane regelmäßige 1:1-Gespräche ein, die nicht nur die fachliche Entwicklung, sondern auch das persönliche Wohlbefinden thematisieren. Frage nach Interessen außerhalb der Arbeit und zeige, dass du deine Azubis als ganze Menschen siehst.

Siebtens. Selbstmotivation als Vorbild vorleben

Als Ausbilder bist du ein wichtiges Vorbild. deine eigene Motivation und Begeisterung für den Beruf wirken ansteckend: Zeige Begeisterung für deine Arbeit, teile deine eigene Lernreise und auch Herausforderungen, bleibe selbst neugierig und offen für Neues und reflektiere deine eigene Motivation regelmäßig. Praxistipp: Erzähle von deinem eigenen Werdegang, von Herausforderungen, die du gemeistert hast, und von deiner Motivation, als Ausbilder zu arbeiten. Authentische Geschichten inspirieren und motivieren.

 

Häufige Motivationskiller und wie du sie vermeidest

Neben den positiven Strategien zur Motivationsförderung ist es wichtig, typische Motivationskiller zu kennen und zu vermeiden:

Monotonie und Langeweile

Wenn Azubis über längere Zeit dieselben Routineaufgaben erledigen müssen, sinkt die Motivation rapide. Lösung: Sorge für Abwechslung, rotiere Aufgabenbereiche und integriere regelmäßig neue Herausforderungen.

Überforderung oder Unterforderung

Sowohl zu schwierige als auch zu leichte Aufgaben wirken demotivierend. Lösung: Finde die richtige Balance zwischen Herausforderung und Machbarkeit. Passe Aufgaben individuell an den Entwicklungsstand deiner Azubis an.

Mangelnde Wertschätzung

Wenn Leistungen nicht gesehen oder gewürdigt werden, schwindet die Motivation. Lösung: Etabliere eine Kultur der Anerkennung, in der gute Leistungen wahrgenommen und wertgeschätzt werden.

Fehlende Transparenz

Wenn Azubis nicht verstehen, warum sie bestimmte Dinge lernen sollen oder wie Entscheidungen zustande kommen, führt das zu Frustration. Lösung: Kommuniziere offen und transparent. Erkläre Hintergründe und beziehe Azubis in Entscheidungsprozesse ein, wo immer möglich.

Praxisbeispiel: Vom unmotivierten zum engagierten Azubi

Stell dir folgende Situation vor: Max, 18 Jahre alt, ist im ersten Ausbildungsjahr zum Industriemechaniker. In den ersten Monaten wirkt er unmotiviert, kommt oft zu spät und erledigt Aufgaben nur mit minimalem Aufwand. Sein Ausbilder Thomas beschließt, einen neuen Ansatz zu wählen:

Persönliches Gespräch: 

Thomas führt ein offenes Gespräch mit Max, in dem er nach seinen Interessen und Zielen fragt. Er erfährt, dass Max sich besonders für neue Technologien wie 3D-Druck interessiert, aber den Zusammenhang zur aktuellen Ausbildung nicht sieht.

Verantwortung übertragen: Thomas beauftragt Max, ein kleines Projekt zur Integration von 3D-Druck in einen Produktionsprozess zu planen und umzusetzen.

Mentoring einrichten: Thomas stellt Max einen erfahrenen Kollegen als Mentor zur Seite, der ihn bei dem Projekt unterstützt.

Erfolge sichtbar machen: Das erfolgreiche Projekt wird im Unternehmen vorgestellt und Max erhält Anerkennung für seine Arbeit.
Das Ergebnis: Max entwickelt sich vom unmotivierten zum engagierten Azubi, der Eigeninitiative zeigt und Verantwortung übernimmt. Seine Pünktlichkeit verbessert sich, und er beginnt, aktiv Fragen zu stellen und sich einzubringen.

Motivation langfristig aufrechterhalten

Die Motivation von Azubis zu steigern ist eine Sache – sie langfristig aufrechtzuerhalten eine andere. Hier einige Strategien für nachhaltige Motivation:

Entwickle einen langfristigen Ausbildungsplan mit klaren Meilensteinen und Entwicklungszielen.

Schaffe Abwechslung durch Rotation in verschiedene Abteilungen oder Projekte.

Biete Zusatzqualifikationen an, die über die regulären Ausbildungsinhalte hinausgehen.

Integriere regelmäßige Reflexionsphasen, in denen Azubis ihren eigenen Fortschritt bewerten.

Ermögliche Netzwerken mit anderen Azubis und Fachkräften, auch außerhalb des Unternehmens.

Zeige Karriereperspektiven nach der Ausbildung auf.

Fazit: Motivation ist keine Einbahnstraße

Die Motivation von Azubis zu fördern ist eine der wichtigsten und gleichzeitig anspruchsvollsten Aufgaben für Dich als Ausbilder. Es geht dabei nicht um kurzfristige Tricks, sondern um eine grundlegende Haltung und Beziehungsgestaltung. Entscheidend ist: Motivation ist keine Einbahnstraße. Als Ausbilder kannst du Rahmenbedingungen schaffen, Impulse geben und unterstützen, und doch letztlich muss der Funke bei deinen Azubis selbst überspringen. deine Aufgabe ist es, das Feuer zu entfachen und am Brennen zu halten.

Häufig gestellte Fragen zur Motivation von Azubis

Wie erkenne ich, ob mein Azubi motiviert oder unmotiviert ist? Motivierte Azubis zeigen Eigeninitiative, stellen Fragen, suchen nach zusätzlichen Aufgaben und wirken engagiert. Unmotivierte Azubis hingegen erledigen nur das Nötigste, vermeiden Verantwortung, kommen häufig zu spät oder fehlen und zeigen wenig Interesse an neuen Aufgaben oder Lerninhalten.

Was kann ich tun, wenn mein Azubi trotz aller Bemühungen unmotiviert bleibt? Führe ein offenes Gespräch, um die Ursachen zu ergründen. Manchmal liegen die Gründe für mangelnde Motivation im privaten Bereich oder der Azubi hat falsche Vorstellungen vom Beruf. Überlege gemeinsam, welche Veränderungen helfen könnten. In einigen Fällen kann auch eine externe Beratung oder ein Coaching sinnvoll sein.

Sollte ich materielle Anreize (Prämien, Geschenke) zur Motivation einsetzen? Materielle Anreize können kurzfristig wirken, führen aber selten zu nachhaltiger Motivation. Besser ist es, auf intrinsische Motivationsfaktoren wie Sinnhaftigkeit, Autonomie und Kompetenzerleben zu setzen. Kleine Anerkennungen für besondere Leistungen können jedoch durchaus motivierend wirken, wenn sie authentisch und persönlich sind.

Wie gehe ich mit unterschiedlichen Motivationstypen in einer Azubi-Gruppe um? Lerne deine Azubis als Individuen kennen und finde heraus, was jeden Einzelnen antreibt. Manche werden durch Wettbewerb motiviert, andere durch Zusammenarbeit oder kreative Freiräume. Versuche, deine Motivationsstrategien flexibel an die verschiedenen Typen anzupassen und biete unterschiedliche Wege zum Ziel an.

Wie kann ich die Motivation meiner Azubis in schwierigen Phasen (z.B. Prüfungsstress) aufrechterhalten? Gerade in herausfordernden Phasen ist Unterstützung besonders wichtig. Biete konkrete Hilfestellungen an, schaffe Erfolgserlebnisse durch kleinere Teilziele, sorge für ausreichend Erholungsphasen und zeige Verständnis für die besondere Belastung. Erinnere deine Azubis an bereits erreichte Erfolge und stärke so ihr Selbstvertrauen.

Über den Autor

Dieser Artikel wurde von Andreas Gernand verfasst, dem Trainer für Ausbilder und Personaler. Seit 2010 führt es Workshops für Ausbilder durch und bereitet auf IHK-Prüfungen in Ausbildung, Personal und Pädagogik vor. Andreas steht für Ausbildung, die wirkt: klare Struktur, prüfungssichere Sprache und ein dialogische Lernkonzept, das aus Theorie umsetzbare Praxis macht – online, Inhouse und hybrid mit echtem Trainer. Informiere dich hier über seine Workshop Angebote.

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