Woran erkenne ich Lernprobleme beim Azubi?

Hallo an alle Berufs- und Weiterbildungspädagogen. Im Themenfeld: „Lernbegleitung“ gehen wir heute der Frage auf den Grund: Woran erkenne ich Lernprobleme beim Azubi? Wir klären hier Begriffe wie zum Beispiel: Delinquenz, Adoleszenz, Retardierung, Akzeleration und viele mehr.

Lernprobleme

Lernprobleme und Verhalten der Azubis

Silke: Auffälligkeiten im Verhalten des Azubis sind doch, zum Beispiel, dauernde Unpünktlichkeit, Fehlzeiten, Interessenlosigkeit, Aggressivität, Provokationen, Lügen oder Arbeitsverweigerung.

Marcel: Genau, und wenn man vom Azubi provoziert wird, sollte man im Vorfeld gemeinsam Spielregeln festlegen, wie man miteinander umgeht.

Silke: Ja, und dann macht ein Vieraugengespräch mit dem Azubi Sinn, um den Ursachen auf die Spur zu kommen.

Marcel: Gibt es denn keine Studien dazu?

Andreas: Es gibt, zum Beispiel, die Shell Jugendstudien, die im Abstand von 4 Jahren veröffentlicht werden. Das ist eine empirische Untersuchung der Einstellungen, Werte, Gewohnheiten und des Sozialverhaltens von Jugendlichen in Deutschland.

 

Was sagt die Shell Jugendstudie dazu?

Silke: Und was kann man daraus, zum Beispiel, entnehmen?

Andreas: Wie unter 25jährige mit Politik, dem Familienleben, der Digitalisierung, dem Klimaschutz umgehen und welche Zukunftsängste sie haben.

Marcel: Und daraus lassen sich Lernprobleme bei Azubis ableiten?

Andreas: Ja, natürlich. Nehmen wir mal, zum Beispiel, die Familienstrukturen. Wie verhalten sich Jugendliche, wenn sich die Eltern trennen? Oder bei einer misslungenen Sozialisation?

Silke: Welch Verhaltensweisen können denn bei einer misslungenen Sozialisation bei den Azubis entstehen?

Andreas: Sie verhalten sich zum Beispiel: depressiv, autoaggressiv, fühlen sich ausgesondert, haben mit sexuellen Übergriffen zu kämpfen oder zeigen delinquente Verhaltensweisen.

 

Delinquentes Verhalten?

Marcel: Was beinhaltet denn delinquentes Verhalten?

Andreas: Bei der Delinquenz besteht die Neigung, rechtliche Grenzen zu überschreiten und straffällig zu werden.

Silke: Und was tun Jugendliche und Azubis konkret, die sich delinquent verhalten?

Andreas: Sie Fahren, zum Beispiel, Auto ohne Führerschein. Andere Verhaltensweisen sind zum Beispiel: Ladendiebstahl, Körperverletzungen, Sachbeschädigung oder Rauschgiftdelikte.

Marcel: Na, dass diese Azubis Probleme mit einer Ausbildung und dem Lernen im Allgemeinen haben, ist sehr gut nachvollziehbar.

Silke: Ok. Jetzt haben wir uns die Folgen einer misslungenen Sozialisation näher angesehen, die Lernprobleme beim Azubi auslösen können. Welche Verhaltensweisen können wir noch bei Azubis mit Lernproblemen erkennen?

 

Adoleszenz, Retardierung und Akzeleration

Andreas: Junge Azubis befinden sich ja noch in der Adoleszenz. Also, in der mittleren und späten Pubertät. Zu beobachten sind, zum Beispiel, die Retardierung und die Akzeleration.

Marcel: Diese beiden Begriffe musst du uns jetzt mal näher erklären.

Andreas: Retardierung meint eine Verlangsamung der Intelligenzentfaltung. Jungs machen in der Pubertät einen körperlichen Sprung, während die Reifungsprozesse im Verstand langsamer vor sich gehen.

Silke: Ja, das kenne ich. Da gibt es Jungs und Mädels, die körperlich wie 25 wirken, aber innerlich noch auf dem Stand von 16-jährigen stehen geblieben sind.

Andreas: Eine Retardierung wirkt sich negativ auf die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit aus. Vorprogrammiert sind Minderleistungen, schlechte Berufsbewältigung, Entwicklung von Minderwertigkeitskomplexen und Anpassungsschwierigkeiten.

Marcel: Verstehe, und was hat es mit der Akzeleration auf sich?

Andreas: Bei der Akzeleration geht es um eine Beschleunigung von physischer oder psychischer Entwicklung. Bei Jungs bedeutet das: schnelles Muskelwachstum, Stimmbruch und Wachstum der Körpergröße. Bei den Mädels ist es die Menstruation und die Geschlechtsreife.

Silke: Das ist dann also eher das Gegenteil der Retardierung?

Andreas: Sehr grob gesehen kann man das so sagen.

 

Was sind die typischen Verhaltensweisen von Jugendlichen?

Marcel: Was sagt denn eigentlich die Shell Jugendstudie noch alles über die typischen Verhaltensweisen von Jugendlichen aus?

Andreas: Dass Jugendliche Konflikte mit Eltern haben, jeder seinen eigenen Musikgeschmack hat, sich manchmal minderwertig fremd fühlen, häufig müde sind, einen hohen Internetkonsum pflegen, Interesse an Reisen, Autos und Medien haben.

Silke: Und wie zeigt sich das Verhalten von jungen Azubis bezugnehmend auf das Lernen in der Ausbildung?

Andreas: Zum Beispiel entwickelt sich ein eigener Sprachstil, es wird multidimensional gedacht, manchmal auch abstrakt oder in Möglichkeiten. Es findet langsam ein Bewusstwerdungsprozess statt. Wenn alles gut läuft, erweitern junge Azubis ihre eigenen Denkoperationen und reflektieren langsam ihr Verhalten. Bilden sich eine eigene Meinung über Moral, Ethik, Politik und Kunst.

Marcel: Und wie zeigt sich das Verhalten, wenn es nicht so optimal läuft? Also, was ist die andere Seite der Medaille?

 

Fast unvermeidbar ist der Generationskonflikt

Andreas: Fast unvermeidbar ist der Generationskonflikt. Das beinhaltet die Loslösung von der Abhängigkeit der Eltern. Das beginnt mit einer zunehmenden Distanzierung. Neben der Rolle als Sohn oder Tochter kommen noch die Rollen als Azubi und Freund oder Freundin dazu. Das sind gleichaltrige mit identischem Outfit und gemeinsamen Aktivitäten.

Silke: Und wenn Jugendliche und Azubis die Abnabelung von den Eltern nicht so gut hinbekommen?

Andreas: Dann kann es zu Suchtverhalten, Lernstörungen und sogar Lernbehinderungen kommen.

Marcel: Welche Suchtverhaltensweisen tauchen denn bei Jugendlichen und Azubis in solchen Situationen auf?

Andreas: Zum Beispiel: Magersucht, Bulimie, Komasaufen mit Alkohol, Einnahme von Schlafmittel, Abführmittel. Oder, zum Beispiel, Spielsucht.

 

Und wie ist es mit Drogensucht?

Marcel: Und wie ist es mit Drogensucht? Da gibt es eine Menge unterschiedliche Mittel, die so manch ein Jugendlicher konsumiert.

Andreas: Ja, da gibt es eine große Vielfalt mit den unterschiedlichsten Auswirkungen. Haschisch, Marihuana, LSD, Heroin, Kokain, Ecstasy oder sogar Lösungsmittel und Kleber.

Marcel: An welchen Merkmalen lässt sich denn ein Suchtverhalten erkennen?

Andreas: Da gibt es 4 Merkmale, die erfüllt sein müssen. 1. Ein unbezwingbares Verlangen nach dem Suchtmittel. 2. Eine Dosissteigerung. 3. Eine physische Abhängigkeit und 4. Die Schädlichkeit der Wirkstoffe.

 

Welche Lernstörungen können denn Lernprobleme auslösen?

Silke: Ist ja gruselig. Welche Lernstörungen oder Lernbehinderungen bei jungen Azubis können denn Lernprobleme auslösen?

Andreas: Zum Beispiel eine Dyskalkulie, eine Rechenstörung also. Eine Legasthenie, eine Lese-Rechtschreib-Störung. Eine Adipositas, die sogenannte Fettleibigkeit. ADHS, die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung oder ADS, ein AufmerksamkeitsDefizitSyndrom. Psychische Störungen und Angstverhalten.

Silke: Jetzt haben wir ja eine Menge Verhaltensweisen kennen gelernt, woran man Lernprobleme bei Azubis erkennen kann.

Marcel: Ja, genau. Andreas, kannst du das mal bitte für uns zusammenfassen.

Andreas: Klar doch.

 

Fazit

Als erstes haben wir hier die klassischen Verhaltensweisen wie zum Beispiel: Unpünktlichkeit, Fehlzeiten, Interessenlosigkeit, Aggressivität, Provokationen, Lügen oder Arbeitsverweigerung, woran man Lernprobleme erkennen kann.

Dann hatten wir Lernprobleme, die durch familiäre Probleme und einer misslungenen Sozialisation ausgelöst werden können. Jugendliche verhalten sich dann zum Beispiel: depressiv, autoaggressiv oder delinquent.

Während der Adoleszenz, also der Pubertät, sind zum Beispiel die Retardierung und die Akzeleration typische Verhaltensausfälligkeiten, die Lernprobleme verursachen.

Dann sprachen wir über den Generationskonflikt, die Loslösung von der Abhängigkeit der Eltern. Und wenn das nicht gelingt, es zu Suchtverhalten, Lernstörungen und sogar Lernbehinderungen kommen kann.

Silke: Und was kann man als Ausbilder und Lernbegleiter tun, wenn man die Lernprobleme seines Azubis erkannt hat?

Andreas: Ja, das schauen wir uns Schritt für Schritt beim nächsten Mal an.

Marcel: Finde ich gut, denn jetzt muss ich das von heute noch mal in Ruhe Revue passieren lassen.

 

Video: Woran erkenne ich Lernprobleme beim Azubi?

 

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