Wie löse ich Konflikte mit Azubis? AEVO Prüfung

In der schriftlichen AEVO Prüfung werden immer wieder Fragen zum Thema Umgang mit Konfliktsituationen im Ausbildungsalltag gestellt. In diesem Video beleuchten wir diese Thematik etwas näher, so dass man mehr Durchblick in die Prüfungsfragen bekommt.

Wie löse ich Konflikte mit Azubis

Zum Thema Konflikte gäbe es ja viel zu sagen.

Silke: Doch, was ist für die AEVO-Prüfung relevant?

Andreas: In der schriftlichen AEVO-Prüfung gibt es immer wieder verschiedene Ausgangssituationen, bei denen es um Konflikte mit Azubis geht.

Bianca: Und, welche Situationen sind das? Kannst du mal Beispiele geben?

Andreas: Zum Beispiel, wenn es um das Thema: „Unpünktlichkeit eines Azubis“ geht.

Marcel: Na, da konnten die Ausbilder in meiner Ausbildung ein Lied von singen. Wir waren fünf Azubis, und zwei sind ständig zu spät gekommen.

Silke: Und, wie hat dein Ausbilder da reagiert?

Marcel: Zuerst hatte er versucht, in Gesprächen herauszufinden woran es lag, dass die beiden Experten immer wieder zu spät kamen.

Bianca: Und, was war der Grund?

Marcel: Mal waren es Zugverspätungen, mal verschlafen, den Wecker nicht gehört oder einfach die Zeit aus den Augen verloren.

Silke: Aber, mal ehrlich. Das sind doch alles Ausreden. Ich meine, alle anderen Mitarbeiter schaffen es doch auch pünktlich zur Arbeit zu erscheinen.

 

Kann man denn den Azubi dafür nicht abmahnen?

Andreas: Ja, das könnte man theoretisch schon. Aber zunächst sollte der Ausbilder versuchen, hier eine gemeinsame Lösung zu finden. Marcel, wie ging es denn bei dem Unternehmen weiter mit den unpünktlichen Azubis?

Marcel: Naja, bei einem Azubi hat der Ausbilder herausbekommen, dass das Interesse an der Ausbildung immer weniger wurde.

Silke: Wieso das denn?

Marcel: Weil der Azubi über viele Wochen immer wieder die gleichen Tätigkeiten ausführen musste. Das hatte er sich anders vorgestellt.

Bianca: Und, gab es dann eine Lösung?

Marcel: Ja, der Ausbilder ist mit dem Azubi gemeinsam die Ausbildungsplanung durchgegangen und sie haben die Tätigkeitsbereiche so umgestellt, dass der Azubi mehr Abwechslung in den Ausbildungsalltag bekommt.

Silke: Und? Hat das geholfen?

Marcel: Ja, das war erstaunlich. Zu über 80 % war der Azubi dann pünktlich.

 

Welche anderen Konfliktsituationen, treten im Ausbildungsalltag noch auf?

Bianca: Andreas, welche anderen Konfliktsituationen, außer Unpünktlichkeit, treten denn üblicherweise im Ausbildungsalltag noch auf?

Andreas: Zum Beispiel: das Tragen von Sicherheitsschuhen. Also, ich meine die mit Stahlkappen. Aber auch Handschuhe, Helme oder Sicherheitsbrillen.

Silke: Ja, da kann ich mir gerade bei den Mädels vorstellen, dass die vorgeschriebene Arbeitskleidung nicht gerade dem Style entspricht.

Andreas: Ein anderes Beispiel: Gerade auf Baustellen gibt es immer wieder Azubis, die einfach in die Pause gehen, ohne dem Ausbilder Bescheid zu sagen.

Bianca: Na, das ist ja blöd. Der Ausbilder hatte auch die Fürsorgepflicht und hat keine Ahnung wo der Azubi sich gerade herumtreibt und wann er wieder am Arbeitsplatz ist.

Marcel: Ja, das ist wirklich blöd. Welche typischen Konfliktsituationen mit Azubis gibt es denn noch?

Andreas: Zum Beispiel: beim Arbeiten in Werkstätten. Da haben manche Azubis immer wieder Probleme mit dem Aufräumen ihres Arbeitsplatzes. Gerade wenn es um den Feierabend geht, wird fluchtartig die Werkbank verlassen.

Silke: Und, wer räumt denn das alles auf?

Andreas: Meistens sind das andere Azubis oder vielleicht sogar der Ausbilder.

 

Das ist ja wie bei Mutti zu Hause.

Bianca: Das ist ja wie bei Mutti zu Hause. Was kann der Ausbilder hier machen?

Andreas: Zunächst muss er das Gespräch mit dem Azubi suchen. Viele Azubis denken darüber gar nicht nach, dass ihnen andere ihre Sachen hinterher räumen. Da muss der Ausbilder erst einmal aufklären, wer die Werkzeuge und den Arbeitsplatz in Wirklichkeit aufräumt.

Marcel: Aber, reagiert denn so ein Azubi nicht allergisch auf solche Ansagen?

Andreas: Wenn der Ausbilder, gerade am Anfang des Gesprächs, Du Botschaften vermeidet, dann klappt das in der Regel ganz gut.

Silke: Was sind denn Du Botschaften? Und warum ist das so wichtig?

Andreas: Beispiele für Du Botschaften sind:
Immer müssen Sie…
Sie sollten mal…
Das sehen Sie falsch…
Sie müssen einfach…
Auf der Beziehungsebene führen diese Aussagen dazu, dass man jemanden persönlich angreift.

Bianca: Und, was sollte man stattdessen sagen?

 

Was sind denn jetzt „Ich Botschaften“?

Andreas: Besser ist es sich auf „Ich Botschaften“ zu konzentrieren.

Marcel: Was sind denn jetzt „Ich Botschaften“?

Andreas: Beispiele für Ich Botschaften sind:
Mir ist aufgefallen, dass…
Ich habe beobachtet, …
Ich befürchte, dass…
Mir ist es unangenehm, …

Silke: Ja, das leuchtet mir ein. Wenn jemand erst mal über sich selbst spricht, fühle ich mich persönlich nicht gleich angegriffen.

Bianca: Sehe ich auch so. Andreas, du hast vorhin die Beziehungsebene angesprochen. Was meinst du damit?

Andreas: Normalerweise kommunizieren wir im beruflichen Alltag vorwiegend auf der Sachebene. Es geht um den reinen Austausch von Informationen. Und dann gibt es noch die Beziehungsebene. Dabei geht es um Emotionen, Wünsche, Bedürfnisse oder Werte einer Person. Und bei einer Du Botschaft fühlt man sich eher verletzt, als wenn jemand über sich selbst redet.

Marcel: Ja, das leuchtet mir ein und ist ein gutes Beispiel. Aber, ist denn so etwas für die AEVO-Prüfung wichtig?

Andreas: Bei der letzten schriftlichen AEVO-Prüfung gab es sogar einige Fragen zu dem Vier-Ohren-Modell von Schulz von Thun. Allerdings könnt ihr viele Fragen zum Thema Konflikte mit dem gesunden Menschenverstand beantworten.

 

Vier-Ohren-Modell? Was meinst du damit?

Bianca: War das nicht ein Kommunikationsmodell, wo es um vier Seiten einer Nachricht ging?

Andreas: Genau. Abgeleitet aus dem Sender und Empfängermodell, wird die Nachricht einer Person an eine andere Person erst einmal codiert, also verschlüsselt. Das passiert unbewusst und die vier Seiten einer Nachricht sind:
1. die Sachebene
2. die Beziehungsebene
3. die Appellebene
und 4. die Selbstoffenbarungsebene

Marcel: Guter Hinweis. Das schaue ich mir noch mal näher an.

Silke: Du sagtest vorhin, dass man die meisten Fragen in der schriftlichen AEVO Prüfung zum Thema Konflikte mit dem gesunden Menschenverstand beantworten kann. Was meintest du damit?

Andreas: Na, in den meisten Konfliktsituationen sucht man erst mal das Einzelgespräch mit dem Azubi. Man versucht herauszubekommen, was den Konflikt ausgelöst haben könnte und sucht gemeinsam mit dem Azubi eine Lösung.

 

Gibt es sonst noch was zum Thema Konflikte in der AEVO Prüfung?

Bianca: Gibt es sonst noch was zu wissen, zum Thema Konflikte in der AEVO Prüfung?

Andreas: Manchmal taucht auch das Thema Konfliktarten auf?

Bianca: Was meinst du damit?

Andreas: Man kann Konflikte in drei grundsätzlichen Arten aufteilen. Strukturelle Konflikte, innere Konflikte und soziale Konflikte. Bei den strukturellen Konflikten geht es um sogenannte Verteilungskonflikte. Das meint die ungerechte Verteilung von Ressourcen.

Marcel: Kannst du hier mal ein Beispiel geben.

Andreas: Nehmen wir mal den Ausbildungsberuf: Verkäufer. Einige Azubis sind im Außendienst eingeteilt und haben direkten Kontakt mit den Kunden. Während andere Azubis im Innendienst eingeteilt sind und sich um die Rechnungslegung kümmern. Von dem Ausbilder werden die Azubis im Außendienst hochwertiger eingeschätzt, weil diese ja auch einen direkten Umsatz erwirtschaften. Während die Azubis im Innendienst nur die Vertrags- und Abrechnungsmodalitäten bewirtschaften. Nun jedoch stellen die Azubis im Innendienst fest, dass nur 60 % der Verträge vom Außendienst rechtskonform sind. Das führt zum einen zu einer hohen Reklamationsquote und zum anderen zum Konflikt zwischen dem Innen- und dem Außendienst. Hierbei gibt es ein großes Problem.

Silke: Und welches?

Andreas: Aus einem, ursprünglichen strukturellen Konflikt, wird ein sozialer Konflikt. Denn die Azubis aus dem Innen- und dem Außendienst erhalten ihre Aufgaben von dem Ausbilder.

Bianca: Ja, dann streiten sich die Azubis untereinander, obwohl sie an der grundlegenden Aufgabenstellung nichts verändern können.

Andreas: Genau. Denn auflösen kann den Konflikt zum Beispiel der Ausbilder, indem er die Aufgaben so gestaltet, dass eine klare Regelung herrscht.

Marcel: Und, die sozialen Konflikte, sind dann immer zwischen zwei Personen?

Andreas: Ja, so zum Beispiel die Beziehungskonflikte, wo es um persönliche Unvereinbarkeit geht. Oder aber auch die Ziel- oder Beurteilungskonflikte.

 

Was sind denn jetzt Beurteilungskonflikte?

Andreas: Na, wenn zum Beispiel zwei Personen ein gemeinsames Ziel verfolgen. Dann geht die eine Person den Weg A, um das Ziel zu erreichen und die andere Person den Weg B. Also, jeder beurteilt die Herangehensweise anders, und darüber lässt sich streiten.

Bianca: Und die letzte Kategorie, die Rollenkonflikte. Kannst du hier bitte mal ein Beispiel nennen.

Andreas: Ausbilder haben häufiger mal einen Rollenkonflikt. Wenn zum Beispiel ein Ausbilder mit einem Azubi sehr gut klarkommt, sein Azubi sehr gute Arbeit leistet und sehr gut ins Unternehmen passt. Nun hat das Unternehmen aber keine Möglichkeiten, den Azubi nach der Ausbildung zu übernehmen. Dann muss der Ausbilder, der den Azubi mag, sagen, dass er nicht übernommen wird.

Marcel: Das ist ja unangenehm. Da kann man sich schon mal zwischen Baum und Borke fühlen.

Silke: Nach so viel Input zum Thema Konflikte, brauche ich erst mal einen Kaffee.

Bianca: Ja, eine kleine Pause würde mir auch ganz guttun.

 

Video: Wie löse ich Konflikte mit Azubis? AEVO Prüfung

 

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