Welche Aufgaben hat der Ausbilder in der Probezeit?

Welche Aufgaben hat der Ausbilder in der Probezeit seines Azubis? In der schriftlichen AEVO Prüfung werden immer wieder Fragen zu diesem Thema gestellt. In diesem Video beleuchten wir die Thematik mit der Probezeit etwas näher, so dass man mehr Durchblick in die Prüfungsfragen bekommt.

Probezeit

Wie war das nochmal in meiner Probezeit?

Silke: Also, ich kann mich noch an meine Probezeit in der Ausbildung sehr gut erinnern. Da hieß es: „Augen zu und durch“

Marcel: Bei mir lief es eigentlich ganz gut. Am ersten Tag gab es ein Begrüßungsessen und es ging ziemlich locker zu.

Bianca: Ich habe mal gehört, dass innerhalb der Probezeit sehr viele Azubis die Ausbildung abbrechen.

Marcel: Kein Wunder, denn der Azubi kann ja innerhalb der Probezeit das Ausbildungsverhältnis von heute auf morgen kündigen.

Andreas: Und das, ohne Angabe von Gründen, aber schriftlich innerhalb der viermonatigen Probezeit.

Silke: Ich dachte immer, wir reden hier von sechs Monaten Probezeit.

Bianca: Das gilt vielleicht für ein Angestelltenverhältnis, aber nicht für die Berufsausbildung.

 

In den AEVO Prüfungsfragen müsst ihr aber aufpassen.

Andreas: Das ist völlig richtig. In den AEVO Prüfungsfragen müsst ihr aber aufpassen.

Marcel: Warum das denn?

Andreas: Na, laut § 20 BBiG muss die Probezeit mindestens ein Monat und darf höchstens vier Monate betragen.

Silke: Und, warum müssen wir da bei den AEVO Prüfungsfragen aufpassen?

Andreas: Weil, zum Beispiel eine Fragestellung lauten kann: „Wie lange dauert die Probezeit für Azubis?“ Und in den Antwortmöglichkeiten heißt es dann, ein Monat, zwei Monate, drei Monate, vier Monate oder ein bis vier Monate. Und nur das letzte ist richtig.

Bianca: Na, das ist sehr spitzfindig. Aber, gab es da schon mal Befragungen, warum Azubis innerhalb der Probezeit kündigen?

Andreas: Einmal im Jahr erscheint der Berufsbildungsbericht vom Bundesinstitut für berufliche Bildung. Dort werden die Abbruchquoten im jeweiligen Jahr veröffentlicht. In manchen Berufen, wie zum Beispiel in der Gastronomie, liegt die Abbruchquote bei ca. 50 %. Während die Abbruchquote bei Verwaltungsfachangestellten bei ca. 3,5 % liegt.

Marcel: Es kommt also immer auf die Branche und den Ausbildungsberuf an.

 

Schließlich erfüllt die Probezeit zwei wichtige Funktionen

Andreas: Auch das. Häufige Gründe für den Abbruch sind Konflikte mit Ausbildern, mangelnde Ausbildungsqualität, ungünstige Arbeitsbedingungen, und falsche Berufsvorstellungen. Unter dem Strich steht und fällt alles mit einer gelungenen Einarbeitung bzw. dem Onboarding. Schließlich soll die Probezeit zwei wichtige Funktionen erfüllen.

Silke: Und welche sind das?

Andreas: Zum einen kann der Ausbildungsbetrieb die Eignung des Auszubildenden überprüfen. Also, kann voraussichtlich das Ausbildungsziel erreicht werden, passt der Azubi ins Unternehmen und ist es auch der richtige Beruf für den Azubi.

Bianca: Und die zweite Funktion?

Andreas: Der Auszubildende überprüft selbst, ob er den richtigen Beruf gewählt hat und ob er sich vorstellen kann, in dem Ausbildungsbetrieb seine Ausbildung absolvieren.

 

Und welche Aufgaben hat nun der Ausbilder in der Probezeit?

Marcel: Und welche Aufgaben hat nun der Ausbilder bei der Probezeit des Azubis?

Andreas: Es gibt bereits viele Dinge vor Ausbildungsbeginn zu erledigen.

Marcel: Und, welche Dinge sind das?

Silke: Muss der Ausbilder nicht dafür sorgen, dass der Ausbildungsplatz vorbereitet wird?

Andreas: Genau. Und dazu sollte der Ausbilder auch die Fachkräfte mit hinzuziehen und gegebenenfalls einen geeigneten Paten für den Azubi finden.

 

Pate in der Probezeit? Warum das denn?

Bianca: Und wer kommt als Pate so infrage?

Andreas: Auf jeden Fall eine junge Fachkraft oder sogar ein Azubi im dritten Lehrjahr.

Marcel: Aber, dann hatte der Pate kaum Berufserfahrung. Ist das sinnvoll?

Andreas: Grundlegende Berufserfahrung reichen da völlig aus. Viel wichtiger ist das Vertrauen des Azubis zu seinem Paten. Und junge Azubis kommen häufig mit gleichaltrigen oder anderen jungen Menschen besser klar als mit alten Hasen, die schon so lange im Unternehmen sind und sich eine gewisse Betriebsblindheit angeeignet haben.

Marcel: Verstehe. Also, ist der Pate ja dafür da, dass sich der Azubi von Anfang an besser in das Unternehmen integriert.

Andreas: Genauso ist es. Deshalb sollte der Pate auch mitwirken bei der Erstellung des Einarbeitungsplans für den Azubi.

 

Einen Einarbeitungsplan extra für den Azubi zu erstellen?

Silke: Ist das nicht ein bisschen aufwendig, einen Einarbeitungsplan extra für den Azubi zu erstellen?

Bianca: Na, wenn man mir als Azubi einen Einarbeitungsplan vorlegt, dann kann ich mich doch wenigstens orientieren, was in der ersten Zeit auf mich zukommt. Mir würde das Sicherheit geben.

Silke: O. k., das kann ich nachvollziehen. Aber, was gibt es noch für Aufgaben für die Ausbilder, bevor die eigentliche Ausbildung beginnt?

Andreas: Es gibt noch jede Menge Einstellungsformalien, die zu beachten sind.

Marcel: Und welche sind das?

Andreas: Alles das, was bei einem normalen Arbeitnehmer auch der Fall ist. Wie zum Beispiel der Personal Fragebogen, der Krankenversicherungsnachweis, die Sozialversicherungsnummer und die Kontaktdaten.

 

Und jetzt kommt der berühmte erste Tag des Azubis

Bianca: o. k. Und jetzt kommt der berühmte erste Tag des Azubis im Unternehmen. Wie sollte der Ausbilder diesen gestalten?

Silke: Ich würde den Azubi zuerst einmal herzlich begrüßen, ihm seinen Arbeitsplatz zuweisen und einen Rundgang durch die wichtigsten Abteilungen machen.

Marcel: Ich würde mit dem Azubi den Einarbeitungsplan durchgehen, die Ausbildungs- und Pausenzeiten erläutern, ihm die Sanitärräume zeigen und eine erste Belehrung zum Unfallschutz durchführen.

Andreas: Das sind alles sehr gute Maßnahmen und es kommt ja auch im Einzelfall immer auf die Größe des Unternehmens und des Ausbildungsplatzes an. Manche Unternehmen veranstalten am ersten Tag ein kleines Azubi Event und bei anderen Unternehmen muss der Azubi schon mal ran und erste kleine Aufgaben erledigen.

 

Wie geht es jetzt weiter?

Bianca: o. k. jetzt haben wir geklärt, was der Ausbilder vor Beginn der Ausbildung zu erledigen hat, und wie zum Beispiel der erste Tag gestaltet werden könnte. Wie geht es jetzt weiter? Welche Aufgaben hat der Ausbilder, nachdem der erste Tag gelungen ist?

Andreas: Hier muss auf jeden Fall der Azubi kontinuierlich unterstützt werden.

Silke: Und wie das?

Marcel: Aber, ist da nicht der Pate zuständig?

Andreas: Ja, die fachliche Einarbeitung in die Arbeitsabläufe und das Ankommen im Unternehmen wird vom Paten begleitet. Der Ausbilder hatte die Aufgabe während der Probezeit festzustellen, ob der Azubi auch wirklich für die Ausbildung geeignet ist und ins Unternehmen passt. Und hierfür führt er regelmäßig Feedbackgespräche mit dem Azubi durch.

Bianca: Was heißt denn regelmäßig?

Andreas: Zum Beispiel nach der ersten Woche sollte schon mal das erste Feedbackgespräch stattfinden. Es geht dabei darum, herauszufinden, wie der Azubi sich so macht. Wie es ihm gefällt und mit wem er ganz gut klarkommt. Und vielleicht, wo gerade noch der Schuh drückt.

Silke: Und sollte denn der Ausbilder jetzt jede Woche ein Feedbackgespräch führen?

 

Im ersten Monat reichen zwei Feedbackgespräche vollkommen aus

Andreas: Im ersten Monat reichen zwei Feedbackgespräche vollkommen aus. Dann reicht es einmal im Monat oder bei Bedarf. Wichtig ist es zu prüfen, ob die vorgesehenen Aufgaben laut dem Einarbeitungsplan durchgeführt werden konnten und immer wieder zu prüfen, ob das Ausbildungsziel grundsätzlich erreicht werden kann.

Marcel: Und wenn dann die vier Monate Probezeit vorbei sind, wird dann der Azubi automatisch übernommen?

Bianca: Muss denn der Ausbilder nicht vorher den Azubi beurteilen?

Andreas: Genau. Im Rahmen der Probezeit steht das erste Beurteilungsgespräch zwischen dem Ausbilder und dem Azubi an.

Silke: Aber, wenn der Ausbilder ja gar nicht tagtäglich mit dem Azubi zusammenarbeitet, wie will er denn seine Leistung beurteilen?

Andreas: Durch die regelmäßigen Feedbackgespräche hat der Ausbilder schon mal einen ersten Eindruck. Außerdem holt er sich dazu noch das Feedback von den Paten, aber auch von anderen Kollegen.

Marcel: Ja, und dann entscheidet der Ausbilder bestimmt, ob der Azubi jetzt übernommen wird oder nicht.

Andreas: Genauso ist es. Dafür gibt es das Probezeitgespräch, um dem Azubi mitzuteilen, ob er die Probezeit jetzt bestanden hat oder nicht. Und das passiert natürlich nach dem Beurteilungsgespräch. Denn, es kann ja sein, dass der Azubi nicht so gut beurteilt wurde und sich in der Zwischenzeit noch verbessert hat.

Bianca: Ja, und wie läuft denn jetzt so ein Beurteilungsgespräch ab?

Andreas: Was bei der Beurteilung zu beachten ist und wie so ein Beurteilungsgespräch abläuft, das besprechen wir beim nächsten Mal.

Silke: Alles klar.

 

Video: Welche Aufgaben hat der Ausbilder in der Probezeit?

 

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