Lernen am Modell – Vorbild des Ausbilders

Vorbild
Lesezeit: 2 Minuten

Sind Sie für Ihre Auszubildenden ein gutes Vorbild?

Oder zeigt sich in ihrem Ausbildungsbetrieb ein anderes Bild: Vor den Augen von Auszubildenden wird gepfuscht, werden Pausenzeiten überschritten oder Sicherheitsregeln ignoriert. Für die Entwicklung von jungen Menschen ist das fatal. Kurzum, solch ein Vorbild, bzw. solches Verhalten wird – oft unreflektiert – kopiert und beeinflusst den betrieblichen Alltag erheblich, und das über Jahre. Ausbilder übernehmen Führung für Ihre Auszubildenden und eine Vorbildfunktion ist nicht immer leicht einzuhalten.

 

Ist Vorbildwirkung wirklich ein Lernmodell?

Ein Meister packt kräftig in der Werkstatt zu und ist sehr fleißig. Seine Auszubildenden eifern ihm nach, da er gute Arbeit bei ihnen anerkennt. Er wirkt als Modell, weil er beliebt ist, als Meister eine gewisse Macht hat und das Übernehmen des Verhaltens “fleißig arbeiten” verstärkt. Was aber, wenn die Geschäftsleitung den Meister jedoch ständig kritisiert? Dann  nehmen sich die Jugendlichen ihn nicht ohne weiteres zum Modell.

Albert Bandura entwickelte das Modelllernen, auch Lernen am Modell, Nachahmungslernen oder Beobachtungslernen genannt. Laut Bandura gibt es vier Voraussetzungen, um ein Modell erfolgreich nachzuahmen:

  1. Aufmerksamkeit: ein Modell kann imitiert werden, wenn es beobachtet wird
  2. Speicherung: das wahrgenommene Verhalten muss behalten werden, um auch später und bei Abwesenheit des Modells ausgeführt werden zu können
  3. Motorische Reproduktion: um ein Verhalten gut reproduzieren zu können, muss die Person über die dazu benötigten motorischen Fähigkeiten verfügen
  4. Bekräftigung und Motivation: die Person muss das wahrgenommene Verhalten als Bekräftigung erfahren und motiviert sein, dem Modell zu folgen

Bandura unternahm einen Versuch, um zu belegen, dass auch aggressives Verhalten durch Modelllernen entstehen kann: “Die klassische Demonstration des Beobachtungslernen stammt aus dem Labor von Albert Bandura. Kinder, die beobachteten, wie erwachsene Modelle eine große Plastikpuppe boxten, schlugen und traten, zeigten im weiteren Verlauf des Experiments häufiger derartige Verhaltensweisen als Kinder aus Kontrollgruppen, die die aggressiven Modelle nicht beobachtet hatten (Bandura et al. 1963 […]). Nachfolgeuntersuchungen erbrachten, daß Kinder aggressive Verhaltensweisen schon dann nachahmten, wenn sie die Modelle lediglich im Film gesehen hatten oder wenn die Modelle sogar nur Zeichentrickfiguren gewesen waren.” Zimbardo & Gerrig (1999, 233)

[Zu: Aggression] “Seit langem kursiert  zudem die Theorie, dass ein Mensch umso aggressiver werde, je mehr Kontakt er mit anderen aggressiven Personen habe. Jeder lerne anhand von Vorbildern, welche Reaktion in bestimmten Situationen angemessen ist (Lernen am Modell).” Meyers Lexikonverlag (2000, 248)”

 

Folgende Fragen können zur Reflexion von Ausbildern beitragen.

  • Gehe ich auf die Bedürfnisse meiner Auszubildenden ein?.
  • Gewähre ich meinen Auszubildenden die erforderliche Rückmeldung?.
  • Trage ich durch mein menschliches Verhalten dazu bei, zu überzeugen?.
  • Weiß ich, warum Auszubildende zur mir oder auch nicht zur mir kommen?.
  • Halte ich meine Auszubildenden zum Mitdenken und zu Eigeninitiative an?.
  • Nutze ich Fehler meiner Auszubildenden als Orientierungshilfe?.
  • Frage ich nicht nach dem Schuldigen, sondern nach der Fehlerquelle?.
  • Lasse ich meine Auszubildenden wissen, ob ich mit ihrer Leistung zufrieden bin?

 

Den perfekten Ausbilder gibt es mit Sicherheit nicht.

Menschen haben Stärken aber auch Schwächen – jeder von uns. Sich seinen Verhaltensweisen gegenüber Auszubildenden bewusst zu sein ist ein wichtiger Schritt für Ausbilder die wirkliche Vorbildfunktion gegenüber Auszubildenden zu erkennen.

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