Kein Bock auf Beurteilung

Beurteilung

Wann die ersten Beurteilungsgespräche anstehen

Viele junge Menschen machen zurzeit eine Ausbildung. Übrigens ca. 1,3 Millionen, um etwas genauer zu sein. Darunter sind zum Beispiel Kaufleute im Einzelhandel, Kaufleute für Büromanagement, Verkäufer, Kfz-Mechatroniker, Industriekaufleute, Medizinische Fachangestellte, Elektroniker, Bankkaufleute, Fachinformatiker und viele mehr.

Für ca. 300.000 Azubis geht im August 2017 das erste Ausbildungsjahr vorbei. Diese Azubis haben auf jeden Fall die Probezeit, den Lernstart in der Berufsschule und auch die ersten Beurteilungsgespräche hinter sich gebracht. So eine Beurteilung soll ja dem Ausbilder und dem Auszubildenden den Aufschluss über den Ausbildungsstand und –fortschritt geben. Allerdings ist für Azubis kaum etwas schlimmer, als unerbetener Rat. Deshalb macht bereits der Gedanke daran nervös: das Beurteilungsgespräch steht mal wieder an.

 

Ich hab kein Problem mit konstruktiver Kritik, wenn sie mir gefällt.

Trotzdem sich die meisten Azubis gut mit den anderen aus der Abteilung verstehen. Pünktlich sind und gut mitmachen, muss dieses nervende Beurteilungsgespräch durchgeführt werden. Klar, man kann sich “einzuschleimen”, indem man dem Ausbilder in vielen Punkten zustimmt. Beispielsweise dann, wenn man von Anfang an das Gefühl hat, den Ansprüchen des Ausbilders sowieso nicht gerecht zu werden. Ob man sich in diesem Fall viel Mühe gibt oder nicht, spielt am Ende auch keine Rolle mehr. Allerdings ist nichts schlimmer, als nur nach 08/15 Schema zu arbeiten.

Sicher, manche Ausbilder meinen es vielleicht nur gut und wollen helfen. Weil die meisten Jugendlichen sich und ihre Fähigkeiten meist noch nicht so recht einschätzen können. Da kommt man sich als Volljähriger Azubi manchmal wie ein kleines Kind vor, dass von seinen Eltern eine Ansage bekommt. Kritik an unserem Verhalten verletzt häufig unseren Selbstwert, weil wir es nicht immer schaffen, unser Verhalten von unserer Persönlichkeit getrennt zu sehen. Mit anderen Worten, wer sich persönlich angegriffen fühlt, ergreift Verteidigungsmaßnahmen. Demzufolge verschließt sich der Azubi am Ende.

 

Sind Beurteilungen also sinnbefreit?

Azubi: „Ich habe in 3 Tagen ein Beurteilungsgespräch mit dem neuen Ausbildungsleiter. Dabei habe ich in den letzten 3 Monaten nur mit den Fachkräften zu tun gehabt und die Beurteilungsgespräche für Azubis finden bei uns alle 6 Monate statt. Der neue Ausbildungsleiter hat mit mir in den letzten 3 Monaten vielleicht 5 Sätze gewechselt und ich frage mich eigentlich nur, was er Beurteilen möchte! Die Fachkräfte hat er nicht gefragt, das hab ich schon abgecheckt. Umso weniger weiß er, was ich überhaupt mache.“

Oft sind Beurteilungsgespräche eine ungeliebte Pflicht und manchmal auch reine Farce. Da werden „Verfehlungen“ gebündelt auf den Tisch gelegt und die Beurteilungsbögen als notwendiges Übel im mittleren Niveaubereich ausgefüllt. Manchmal wird man sogar schlecht beurteilt, um eine positive Entwicklung zu rechtfertigen oder Maßnahmen gezielt unterzubringen.

Noch dicker kann es im Beurteilungsgespräch kommen, wenn Kritik komplett unberechtigt und unbegründet ist. Wenn die tatsächliche Arbeitsleistung in der Beurteilung überhaupt nicht in Betracht gezogen wird. Überdies nach dem Motto: „Wenn ich nichts zum Kritisieren finde, dann denke ich mir etwas schlagkräftiges aus.“

Leistung zu beurteilen ist schwierig. Objektiv wollen wir sein. Und fair. Deshalb müssen wir ja auch Leistung sorgfältig messen – bei jedem Azubi und Mitarbeiter auf die gleiche Weise. Nur dann können wir Anreize setzen und motivieren. Richtig? Unsinn! Eine Beurteilung, das weiß jeder, der einmal irgendwo gearbeitet hat, ist in der Lage, den motiviertesten Kollegen innerhalb einer Stunde in einen frustrierten Mitläufer zu verwandeln. Beurteilungen suchen Probleme und Verbesserungspotenziale an der falschen Stelle: Beim Menschen. Die einzig sinnvolle Schlussfolgerung lautet darum: Beurteilungen dieser Art gehören endlich abgeschafft!

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