Generation Z als Ausbilder: Ein Paradigmenwechsel in der Ausbildungswelt
Stell dir vor: Die ersten Jahrgänge der Generation Z (geboren zwischen 1995 und 2010) übernehmen jetzt Ausbilderverantwortung in deinem Unternehmen. Die Digital Natives, die mit Smartphone und Social Media aufgewachsen sind, bilden nun selbst aus. Was bedeutet das für die Ausbildungslandschaft? Welche neuen Perspektiven bringen sie mit? Und wie verändert sich dadurch die Beziehung zwischen Ausbildern und Azubis? In diesem Artikel erfährst du, welche einzigartigen Stärken die Generation Z als Ausbilder mitbringt, welchen Herausforderungen sie sich stellen muss und wie Unternehmen dieses Potenzial optimal nutzen können.
Wer ist die Generation Z und was macht sie besonders?
Die Generation Z, auch Gen Z oder Zoomers genannt, ist die erste vollständig digitale Generation. Anders als die Millennials (Generation Y) kennen sie keine Welt ohne Internet, Smartphones und soziale Medien. Diese Digital Natives bringen einige charakteristische Eigenschaften mit, die sie als Ausbilder besonders machen:
Digital-affin: Sie navigieren intuitiv durch digitale Welten und Werkzeuge
Multikulturelles Bewusstsein: Aufgewachsen in einer globalisierten Welt
Pragmatismus: Fokus auf praktische Lösungen und Effizienz
Work-Life-Balance: Klare Grenzen zwischen Beruf und Privatleben
Wertorientierung: Suche nach Sinn und ethischem Handeln
Authentizität: Ablehnung von Hierarchien ohne echte Substanz
Diese Eigenschaften prägen ihr Verständnis davon, was gute Ausbildung ausmacht, und wie sie ihre Rolle als Ausbilder gestalten.
Die Stärken der Generation Z als Ausbilder
Erstens. Digitale Kompetenz als Grundlage moderner Ausbildung
Gen Z-Ausbilder bringen eine natürliche Affinität zu digitalen Tools und Plattformen mit. Sie verstehen intuitiv, wie man digitale Lernumgebungen gestaltet, Social Media für Ausbildungszwecke nutzt oder Micro-Learning-Einheiten entwickelt. Diese Fähigkeiten sind in einer zunehmend digitalisierten Arbeitswelt von unschätzbarem Wert. „Ein 26-jähriger Ausbilder aus meinem Workshop hat innerhalb weniger Wochen ein komplettes digitales Onboarding-Programm für neue Azubis aufgebaut, und das mit kurzen Erklärvideos, interaktiven Quizzes und einer Messenger-Gruppe für schnelle Fragen. Was für ältere Kollegen ein Mammutprojekt wäre, war für ihn selbstverständlich,“ beobachte ich immer wieder in meinen Trainings.
Zweitens. Authentische Beziehungsgestaltung auf Augenhöhe
Die Generation Z lehnt starre Hierarchien ab und setzt auf authentische Beziehungen. Als Ausbilder bedeutet das: Sie begegnen ihren Azubis auf Augenhöhe, sind nahbar und schaffen eine Atmosphäre des gegenseitigen Respekts. Diese Haltung fördert Vertrauen und Offenheit, und genau das sind ideale Voraussetzungen für erfolgreiches Lernen.
Drittens. Fokus auf Sinnhaftigkeit und Purpose
Für Gen Z-Ausbilder geht es nicht nur darum, Fachwissen zu vermitteln. Sie wollen den größeren Zusammenhang aufzeigen: Warum ist diese Aufgabe wichtig? Welchen Unterschied macht sie? Wie trägt sie zum Unternehmenserfolg bei? Diese Sinnorientierung hilft Azubis, Motivation und Engagement zu entwickeln, die weit über das bloße Abarbeiten von Aufgaben hinausgehen.
Viertens. Agile Lernmethoden statt starrer Lehrpläne
Generation Z-Ausbilder denken weniger in starren Lehrplänen und mehr in agilen Lernprozessen. Sie sind offen für Feedback, passen Methoden flexibel an und experimentieren mit neuen Formaten. Diese Agilität ermöglicht es, auf die individuellen Bedürfnisse der Auszubildenden einzugehen und den Ausbildungsprozess kontinuierlich zu optimieren.
Herausforderungen für junge Ausbilder der Gen Z
Die Autoritätsfrage: Respekt erarbeiten statt voraussetzen
Für junge Ausbilder kann es eine Herausforderung sein, als Autoritätsperson anerkannt zu werden und besonders dann, wenn sie nur wenige Jahre älter sind als ihre Azubis oder wenn sie ältere Quereinsteiger ausbilden. Sie müssen ihren Respekt durch Kompetenz, Authentizität und klare Kommunikation erarbeiten, statt ihn aufgrund ihrer Position vorauszusetzen.
Erfahrungsmangel kompensieren
Trotz digitaler Expertise und frischem Wissen fehlt Gen Z-Ausbildern naturgemäß die langjährige Berufserfahrung. Hier ist Demut gefragt: Die Bereitschaft, von erfahrenen Kollegen zu lernen und eigene Wissenslücken offen anzusprechen, statt sie zu kaschieren.
Balance zwischen Freundschaft und professioneller Distanz
Die Nähe im Alter und der Wunsch nach flachen Hierarchien können die professionelle Distanz verschwimmen lassen. Junge Ausbilder müssen eine gesunde Balance finden: nahbar sein, ohne die notwendige professionelle Grenze zu verlieren.
Umgang mit administrativen Anforderungen
Die bürokratischen Aspekte der Ausbildertätigkeit – von Dokumentationspflichten bis zu rechtlichen Rahmenbedingungen – können für junge Ausbilder eine steile Lernkurve bedeuten. Hier brauchen sie Unterstützung und klare Strukturen.
So unterstützt du junge Ausbilder der GenZ in deinem Unternehmen
Erstens. Mentoring-Programme etablieren
Schaffe Tandems aus erfahrenen Ausbildern und Gen Z-Neulingen. Der Erfahrungsaustausch bereichert beide Seiten: Die Jungen profitieren vom Erfahrungsschatz, die Erfahrenen von frischen digitalen Impulsen.
Zweitens. Ausbildungskonzepte gemeinsam weiterentwickeln
Beziehe junge Ausbilder aktiv in die Weiterentwicklung deiner Ausbildungskonzepte ein. Ihre Perspektive kann blinde Flecken aufdecken und innovative Ansätze einbringen, die deine Ausbildung zukunftsfähig machen.
Drittens. Digitale Kompetenzen wertschätzen und nutzen
Erkenne die digitalen Fähigkeiten der Gen Z-Ausbilder als wertvolle Ressource an. Gib ihnen Raum, digitale Lernformate zu entwickeln und zu implementieren – zum Beispiel durch dedizierte Innovationsprojekte in der Ausbildung.
Viertens. Klare Strukturen und Unterstützung bieten
Trotz aller Flexibilität brauchen junge Ausbilder klare Rahmenbedingungen und Unterstützungssysteme. Stelle sicher, dass sie bei administrativen Fragen, rechtlichen Unsicherheiten oder Konfliktfällen nicht alleine gelassen werden.
Die ideale Ausbildungskultur: Das Beste aus allen Generationen
Die zukunftsfähige Ausbildungskultur verbindet die Stärken aller Generationen:
Die Erfahrung und Geduld der Baby-Boomer
Die strukturierte Herangehensweise der Generation X
Die Teamorientierung der Millennials
Die digitale Innovation und Authentizität der Generation Z
Gemeinsam entsteht so ein Ausbildungsumfeld, das sowohl traditionelle Werte als auch moderne Ansätze integriert und Azubis optimal auf die Arbeitswelt von morgen vorbereitet.
Praxistipps für Gen Z-Ausbilder
Wenn du selbst als junger Ausbilder tätig bist, können dir diese Tipps helfen:
Nutze deine digitalen Stärken, ohne ältere Kollegen abzuhängen, sondern nimm sie mit auf die digitale Reise. Baue bewusst an deiner Ausbilderidentität und reflektiere regelmäßig deine Rolle und Wirkung. Suche dir aktiv Mentoren, die Dich in deiner Entwicklung unterstützen. Investiere in deine pädagogischen Fähigkeiten durch gezielte Weiterbildungen. Pflege einen offenen Austausch mit Ausbildern anderer Generationen, denn so könnt ihr viel voneinander lernen.
FAQ: Generation Z als Ausbilder
Wie alt sind die jüngsten Ausbilder der Generation Z? Die ältesten Vertreter der Generation Z sind heute etwa 28 Jahre alt (geboren ab 1995) und können bereits als Ausbilder tätig sein. Mit AEVO-Qualifikation und entsprechender Berufserfahrung übernehmen einige bereits mit Mitte 20 Ausbildungsverantwortung.
Welche besonderen Herausforderungen haben junge Ausbilder im Umgang mit älteren Azubis? Die größte Herausforderung liegt in der Etablierung von Autorität und Fachkompetenz. Junge Ausbilder sollten offen kommunizieren, ihre Stärken selbstbewusst einbringen und gleichzeitig die Lebenserfahrung älterer Azubis respektieren und nutzen.
Wie können Unternehmen vom Generationenmix in der Ausbildung profitieren? Ein Generationenmix in der Ausbildung fördert Innovation durch unterschiedliche Perspektiven, ermöglicht Wissenstransfer in alle Richtungen und schafft ein vielfältiges Lernumfeld, das besser auf die Bedürfnisse unterschiedlicher Azubis eingehen kann.
Welche digitalen Tools setzen junge Ausbilder besonders erfolgreich ein? Besonders erfolgreich sind kollaborative Plattformen wie Miro oder Trello für Projektarbeit, Lern-Apps mit Gamification-Elementen, kurze Erklärvideos, Podcasts sowie Messenger-Dienste für schnellen Austausch und Peer-Learning.
Wie verändert die Generation Z die Ausbildungskultur nachhaltig? Die Generation Z bringt mehr Flexibilität, Digitalität und Sinnorientierung in die Ausbildung. Sie hinterfragt traditionelle Hierarchien, fördert authentische Kommunikation und treibt die Entwicklung moderner, lebensnäherer Ausbildungsformate voran.
Fazit: Generation Z als Chance für die Ausbildung der Zukunft
Die Generation Z als Ausbilder bringt frischen Wind in die Ausbildungslandschaft. Ihre digitale Kompetenz, ihr Fokus auf authentische Beziehungen und ihre Sinnorientierung bereichern die Ausbildungskultur und machen sie zukunftsfähiger. Die Herausforderungen, die mit ihrer geringeren Erfahrung und dem Aufbau von Autorität einhergehen, lassen sich durch gezielte Unterstützung und eine lernende Organisationskultur meistern. Unternehmen, die das Potenzial ihrer jungen Ausbilder erkennen und fördern, schaffen nicht nur attraktive Entwicklungsmöglichkeiten für die Generation Z – sie gestalten auch eine Ausbildung, die besser auf die Bedürfnisse heutiger und künftiger Azubi-Generationen eingeht. Die Zukunft der Ausbildung liegt in einem wertschätzenden Miteinander der Generationen, bei dem jede ihre einzigartigen Stärken einbringt. Die Generation Z ist dabei nicht nur Herausforderung, sondern vor allem Chance für eine Ausbildung, die Menschen wirklich prägt und Unternehmen nachhaltig stärkt.
Über den Autor:
Dieser Artikel wurde von Andreas Gernand verfasst, dem Trainer für Ausbilder und Personaler. Seit 2010 führt er Workshops für Ausbilder durch und bereitet auf IHK-Prüfungen in Ausbildung, Personal und Pädagogik vor. Andreas steht für Ausbildung, die wirkt: klare Struktur, prüfungssichere Sprache und ein dialogische Lernkonzept, das aus Theorie umsetzbare Praxis macht. Und das online, Inhouse und hybrid mit echtem Trainer. Informiere dich hier über seine Workshop Angebote.
Wie erlebst du die Generation Z als Ausbilder in deinem Unternehmen? Teile deine Erfahrungen in den Kommentaren!