Fragen der Prüfer im AEVO-Fachgespräch – Konflikte mit Azubis

Vor 4 Tagen erhielten wir folgenden Kommentar auf ein AEVO-Video. "Hallo :) Ich würde ein Video gut finden, in dem der Eskalationsverlauf eines Konflikts angesprochen wird." Deshalb zeigen wir in diesem Video einen Ausschnitt aus einem AEVO-Fachgespräch zum Thema: Konflikte mit Azubis.

AEVO Konflikte

AEVO Fachgespräch zum Thema: Konflikte

Prüfer 1: Gut, dann starten wir gleich mal mit dem Fachgespräch. In ihrer Präsentation haben Sie uns ja erläutert, wie Sie das Konfliktgespräch mit Ihrem Azubi führen. Kann denn so ein Konflikt, aus Ihrer Sicht, eskalieren?

Prüfling: Ich hoffe mal nicht, aber wenn doch, habe ich als Gesprächspartnerin auf jeden Fall einen Anteil daran.

Prüfer 1: O. K., und warum ist es aus Ihrer Sicht wichtig zu erkennen, dass Sie einen Anteil an dem Konflikt hätten?

Prüfling: Wenn ich das schnell genug reflektiere, dann kann ich ja mittels einer Ich-Botschaft dem Azubi offenbaren, dass ich zum Beispiel etwas missverstanden habe oder, dass meine Reaktion nicht angemessen war.

Prüfer 1: Ja, ich könnte mir vorstellen, dass Ihr Azubi dann auch etwas offener im Gesprächsverlauf wird. Nun hatten Sie erwähnt, dass Ihr Azubi zum einen immer weniger Interesse an der Ausbildung hat und zum anderen das Berichtsheft nicht regelmäßig führt.

 

Wie kann man dann in diesen Situationen als Ausbilder reagieren?

Prüfling: Bei der Interessenlosigkeit handelt es sich ja um eine fehlende Motivation. Wobei das Führen des Berichtshefts ja bereits vertraglich festgelegt ist. Da muss ich unterschiedlich reagieren.

Prüfer 1: Ach ja. Wie denn?

Prüfling: Na, wenn der Azubi keine Lust mehr auf die Ausbildung hat, dann versuche ich in einem Vieraugengespräch herauszufinden, woran das wohl liegen kann.

Prüfer 1: Und wenn das zum Beispiel daran liegt, dass der Azubi keine unliebsamen Arbeiten oder aber auch Routinearbeiten mag?

Prüfling: Dann kann ich mich ja erst mal darauf konzentrieren, welche Arbeiten dem Azubi mehr liegen, und woran er Spaß hat. Also, ich lenke das Gespräch erst einmal in eine positive Richtung.

Prüfer 1: Das ist schon mal eine gute Vorgehensweise. Und weiter?

Prüfling: Dann spreche ich natürlich auch den Knackpunkt an. Also zum Beispiel die Routinearbeiten. Wir versuchen dann gemeinsam eine Lösung zu finden, dass zum Beispiel der Nutzen der Arbeiten mehr und mehr erkannt wird und, dass es eine Voraussetzung ist, um später eine erfahrene Fachkraft zu werden. Also nach dem Motto: Übung macht den Meister.

Prüfer 1: Gut, gut. Und wie würden Sie reagieren, um das mit dem regelmäßigen Führen des Berichtshefts hinzubekommen?

Prüfling: Ich würde meinen Azubi aufklären, dass, wenn er das Berichtsheft nicht regelmäßig führt, er auch nicht zur Prüfung zugelassen werden kann. Und außerdem, dass er sich mit dem Ausbildungsvertrag dazu verpflichtet hat, das Berichtsheft regelmäßig zu führen.

 

Ist das nicht zu stringent?

Prüfling: Nein, das würde ich nicht sagen. Denn, das mittelbare Ziel einer Ausbildung ist ja das Bestehen der Abschlussprüfung. Und dafür ist der Azubi ja am Anfang angetreten. Ich versuche ihm nur aufzuzeigen, dass er dieses Ziel verfehlen kann, wenn die Berichtshefte nicht vollständig und regelmäßig geführt wurden.

Prüfer 1: Ja, das klingt plausibel. Ich gebe mal weiter an meine Kollegin.

Prüfer 2: Sie hatten ja in Ihrer Präsentation auch eine Situation, bei der es darum ging, dass Ihr Azubi nicht regelmäßig zur Berufsschule geht. Wie kann man denn hier am besten als Ausbilder reagieren?

Prüfling: Auch hier würde ich in einem Vieraugengespräch mit dem Azubi erst mal herausfinden, was da los ist und wieso der Azubi seiner Schulpflicht nicht nachkommt.

Prüfer 2: O. K., jetzt sprechen Sie mit Ihrem Azubi und er beichtet ihnen, dass er in zwei Fächern so schlechte Noten hat und er sich gar nicht mehr in die Berufsschule traut.

Prüfling: Naja, ich könnte Ihm den Kontakt zu einer Nachhilfemöglichkeit herstellen und muss ihn natürlich darüber aufklären, dass der Besuch der Berufsschule eine öffentliche Pflicht ist. Vergleichbar damit, dass sich jeder Autofahrer an die StVO halten muss, sonst droht ihm eine Ordnungsstrafe.

 

Das mit der Ordnungsstrafe schreckt ja schon mal sehr ab

Prüfer 2: Naja, das mit der Ordnungsstrafe schreckt ja schon mal sehr ab. Allerdings ist das mit dem Nachhilfeunterricht eine sinnvolle Idee. Würden Sie, außer mit dem Azubi zu reden, noch etwas in dieser Situation machen?

Prüfling: Ja, ich würde auf jeden Fall Kontakt zur Berufsschule aufnehmen, und den zuständigen Berufsschullehrer über die aktuelle Situation mit dem Azubi aufklären.

Prüfer 2: Und, wie könnte der Berufsschullehrer unterstützend wirken?

Prüfling: Er könnte mit seinem Berufsschüler offen über seine Situation reden und ihm Unterstützung anbieten, sodass sich die Noten verbessern.

Prüfer 2: Vielen Dank. Ich gebe mal weiter an meinen Kollegen.

Prüfer 3: Auf der einen Folie in Ihrer Präsentation hatten Sie als Konsequenz eine Abmahnung thematisiert.

 

Was für einen Sinn hat denn so eine Abmahnung beim Azubi?

Prüfling: Zunächst ist ja eine Abmahnung eine Voraussetzung für eine verhaltensbedingte Kündigung.

Prüfer 3: Ja, das ist richtig. Über was für eine Art Kündigung sprechen wir denn hier?

Prüfling: Wie gesagt eine verhaltensbedingte Kündigung.

Prüfer 3: Reden wir denn hier über eine ordnungsgemäße oder fristlose Kündigung?

Prüfling: Ach so. Über eine ordnungsgemäße, also fristgemäße Kündigung.

Prüfer 3: Wer darf denn das Ausbildungsverhältnis ordnungsgemäß kündigen?

Prüfling: Na, der Ausbildende und der Auszubildende.

Prüfer 3: Das ist leider nicht ganz korrekt. Nur einer von beiden darf ordnungsgemäß kündigen. Und wer?

Prüfling: Ach ja, jetzt kann ich mich erinnern. Im Ausbildungsverhältnis darf nur der Auszubildende ordnungsgemäß kündigen. Dann macht ja eine Abmahnung gar keinen Sinn, weil eine verhaltensbedingte Kündigung ja eine ordnungsgemäße Kündigung ist.

 

Darf der Auszubildende ordnungsgemäß einfach so kündigen?

Prüfer 3: Gut erfasst. Und, darf der Auszubildende ordnungsgemäß einfach so kündigen? Oder gibt es dort noch andere Voraussetzungen?

Prüfling: Auf jeden Fall muss eine Kündigung immer schriftlich erfolgen.

Prüfer 3: Ja genau. Und was muss der Auszubildende in seine ordnungsgemäße Kündigung dann reinschreiben?

Prüfling: Jetzt fällt es mir wieder ein. Einen wichtigen Grund natürlich.

Prüfer 3: Und, was könnte das für ein Grund sein?

Prüfling: Zum Beispiel, wenn der Auszubildende in ein anderes Bundesland umzieht und der Ausbildungsbetrieb kaum noch unter normalen Umständen zu erreichen ist.

Prüfer 3: Ja, und gebe es noch einen wichtigen Grund?

Prüfling: Lassen Sie mich mal überlegen. Ja klar, wenn der Auszubildende die Berufsausbildung abbrechen möchte, weil er einen gänzlichen anderen Beruf lernen will.

Prüfer 3: Gut gut. Nun sprachen wir eingangs über den Sinn einer Abmahnung für einen Auszubildenden. Gibt es da ein Sinn?

Prüfling: Ja, ich könnte mir vorstellen, dass eine Abmahnung auch als erzieherisches Mittel eingesetzt werden kann. Allerdings nur bei Azubis, die eine Abmahnung auch ernst nehmen.

Prüfer 3: Ja, das sehe ich auch so. Zu diesem Thema habe ich jetzt keine Fragen mehr.

 

Video: Fragen der Prüfer im AEVO-Fachgespräch – Konflikte mit Azubis

 

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