Krankenquote senken: Ursachenanalyse & Maßnahmenplan

Krankenquote
Kennst du das? Der Blick auf die monatliche HR-Statistik offenbart wieder einmal einen besorgnis-erregenden Krankenstand. In diesem Artikel erfährst du, wie du mit einer fundierten Ursachen-analyse und einem Maßnahmenplan die Krankheitsquote im Unternehmen nachhaltig reduzieren kannst
Kennst du das? Der Blick auf die monatliche HR-Statistik offenbart wieder einmal einen besorgnis-erregenden Krankenstand. In diesem Artikel erfährst du, wie du mit einer fundierten Ursachen-analyse und einem Maßnahmenplan die Krankheitsquote im Unternehmen nachhaltig reduzieren kannst

Inhaltsverzeichnis

Die versteckten Kosten hoher Krankenstände

Kennst du das? Der Blick auf die monatliche HR-Statistik offenbart wieder einmal einen besorgniserregenden Krankenstand. Während du die Zahlen analysierst, klingelt bereits das Telefon: Die Produktionsleitung beklagt Engpässe, Projekte verzögern sich, und die Geschäftsführung fordert Lösungen. Als Personalverantwortlicher oder angehender Personalfachkaufmann stehst du vor einer komplexen Herausforderung: Wie lässt sich die Krankheitsquote nachhaltig senken, ohne dabei die Unternehmenskultur zu gefährden? In diesem Artikel erfährst du, wie du systematisch vorgehen kannst, um die Ursachen hoher Krankenstände zu identifizieren und wirksame Maßnahmen zu entwickeln. Wir betrachten dabei sowohl die analytischen Aspekte als auch die praktischen Handlungsfelder, die dir als Personalfachkaufmann/-frau zur Verfügung stehen.

Was bedeutet Krankenstand und wie wird er berechnet?

Der Krankenstand (auch: Krankheitsquote) ist eine zentrale Kennzahl im Personalcontrolling und gibt den prozentualen Anteil der krankheitsbedingten Fehltage im Verhältnis zu den Sollarbeitstagen an. Die Formel lautet:

Krankenstand = (Anzahl der Krankheitstage ÷ Sollarbeitstage) × 100

Dabei ist zu beachten, dass der durchschnittliche Krankenstand in Deutschland branchenabhängig zwischen 4% und 7% liegt. Eine Quote von über 7% gilt in vielen Branchen bereits als kritisch und sollte zum Handeln veranlassen.

Die wahren Kosten eines hohen Krankenstands

Ein erhöhter Krankenstand verursacht nicht nur direkte Kosten wie Entgeltfortzahlung, sondern auch indirekte Kosten, die oft unterschätzt werden: Produktivitätsverluste durch fehlende Mitarbeiter, Überlastung der anwesenden Kollegen, Qualitätseinbußen und Terminverzögerungen, Kosten für Ersatzpersonal und Mehrarbeit und negative Auswirkungen auf Betriebsklima und Motivation. Nach Berechnungen des Bundesverbands der Betriebskrankenkassen kostet ein Krankheitstag ein Unternehmen durchschnittlich zwischen 250 und 400 Euro – Tendenz steigend.

Ursachenanalyse: Warum Mitarbeiter wirklich krank werden

Um die Krankheitsquote nachhaltig zu senken, musst du zunächst die wahren Ursachen identifizieren. Dabei hilft eine systematische Analyse auf verschiedenen Ebenen:

Erstens. Datenbasierte Analyse des Krankenstands

Eine fundierte Ursachenanalyse beginnt mit der Auswertung vorhandener Daten:
Zeitliche Muster erkennen: Häufen sich Krankheitsfälle an bestimmten Wochentagen oder in bestimmten Jahreszeiten? Abteilungsspezifische Unterschiede: Gibt es Bereiche mit auffällig hohen oder niedrigen Krankenständen? Krankheitsarten analysieren: Überwiegen kurzzeitige Erkrankungen oder Langzeitausfälle? Demografische Faktoren: Gibt es Zusammenhänge mit Alter, Geschlecht oder Betriebszugehörigkeit?

Zweitens. Arbeitsplatzbezogene Faktoren

Oft liegen die Ursachen für erhöhte Krankenstände in den Arbeitsbedingungen selbst: Physische Belastungen durch ungünstige Arbeitsplatzgestaltung, hohe psychische Belastung durch Stress, Zeitdruck oder Konflikte, unzureichende ergonomische Ausstattung, Umgebungsfaktoren wie Lärm, Hitze oder schlechte Luftqualität und unregelmäßige Arbeitszeiten oder übermäßige Überstunden.

Drittens. Organisatorische und kulturelle Faktoren

Nicht zu unterschätzen ist der Einfluss der Unternehmenskultur auf den Krankenstand: Führungsstil und Kommunikationskultur, Wertschätzung und Anerkennung der Mitarbeiter, Transparenz bei Entscheidungen, Beteiligungsmöglichkeiten und Handlungsspielräume und Work-Life-Balance und Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Maßnahmenplan: So senkst du die Krankheitsquote nachhaltig

Auf Basis der Ursachenanalyse kannst du nun einen zielgerichteten Maßnahmenplan entwickeln. Wichtig ist dabei ein ganzheitlicher Ansatz, der sowohl präventive als auch reaktive Elemente umfasst.

Erstens. Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) etablieren

Ein systematisches BGM bildet das Fundament für eine nachhaltige Senkung der Krankheitsquote: Einrichtung eines Gesundheitszirkels mit Vertretern aus verschiedenen Bereichen, regelmäßige Gesundheitstage mit Vorsorgeuntersuchungen und Beratungsangeboten, Ergonomieberatung und -schulungen für Mitarbeiter, Kooperationen mit Krankenkassen für Präventionsangebote und Bewegungsangebote in Pausen oder nach der Arbeit.

Zweitens. Führungskräfte als Gesundheitsmanager qualifizieren

Führungskräfte haben entscheidenden Einfluss auf die Gesundheit ihrer Mitarbeiter: Schulungen zum gesundheitsorientierten Führungsstil, Sensibilisierung für Frühwarnsignale bei Überlastung, Regelmäßige Mitarbeitergespräche mit Fokus auf Wohlbefinden, Vorbildfunktion in Bezug auf gesundheitsbewusstes Verhalten und Anerkennung von Leistung und konstruktives Feedback.

Drittens. Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) optimieren

Ein professionelles BEM unterstützt die Rückkehr nach längerer Krankheit: Strukturierte BEM-Gespräche nach gesetzlichen Vorgaben (§ 167 Abs. 2 SGB IX), individuelle Wiedereingliederungspläne, Anpassung des Arbeitsplatzes oder der Arbeitszeit bei Bedarf, Begleitung während der Wiedereingliederungsphase und nachhaltige Integration statt kurzfristiger Rückkehr.

Viertens. Arbeitsorganisation und -bedingungen verbessern

Oft lassen sich durch organisatorische Maßnahmen erhebliche Verbesserungen erzielen: Flexible Arbeitszeitmodelle einführen, Homeoffice-Optionen anbieten, wo möglich, Belastungsspitzen durch bessere Personalplanung vermeiden, Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung und Lärmreduktion und Verbesserung des Raumklimas.

Fünftens. Präsentismus bekämpfen

Ein unterschätztes Problem ist der sogenannte Präsentismus – das Erscheinen am Arbeitsplatz trotz Krankheit: Sensibilisierung der Führungskräfte für die Risiken von Präsentismus, klare Kommunikation, dass kranke Mitarbeiter zu Hause bleiben sollen, keine negativen Konsequenzen bei krankheitsbedingter Abwesenheit, ausreichende Vertretungsregelungen etablieren und Vertrauenskultur stärken.

Best Practice: Erfolgreiche Maßnahmen zur Senkung der Krankheitsquote

Die Praxis zeigt, dass besonders jene Maßnahmen erfolgreich sind, die ganzheitlich ansetzen und die Mitarbeiter aktiv einbinden:
Ganzheitliches Gesundheitskonzept
Ein mittelständisches Produktionsunternehmen konnte seinen Krankenstand von 8,2% auf 5,1% senken, indem es folgende Maßnahmen kombinierte: Ergonomische Optimierung der Arbeitsplätze, Einführung flexibler Schichtmodelle, Wöchentliche Gesundheitsangebote während der Arbeitszeit, Qualifizierung der Führungskräfte in gesundheitsorientierter Führung und regelmäßige Gesundheitszirkel mit Mitarbeiterbeteiligung.

 

Führungskultur als Schlüssel

Häufige Fehler bei der Senkung des Krankenstands

Bei allen Bemühungen um niedrigere Krankenstände solltest du folgende Fallstricke vermeiden: Symptombekämpfung statt Ursachenanalyse: Ohne fundierte Analyse verpuffen Maßnahmen wirkungslos. Reine Kontrollinstrumente: Verstärkte Krankmeldungspflichten oder Rückkehrgespräche als Druckmittel schaden dem Vertrauen. Kurzfristige Aktionen: Nachhaltige Verbesserungen erfordern kontinuierliche Maßnahmen statt einmaliger Events. Fehlende Führungskräfteeinbindung: Wenn Führungskräfte nicht überzeugt sind, werden Maßnahmen nicht gelebt. Vernachlässigung psychischer Faktoren: Psychische Belastungen sind heute eine Hauptursache für Krankheitsausfälle.

FAQ: Häufige Fragen zur Senkung der Krankheitsquote

Welche rechtlichen Grenzen gibt es bei Maßnahmen zur Krankenstandsenkung? Maßnahmen zur Senkung des Krankenstands müssen stets im Einklang mit geltendem Recht stehen. Insbesondere sind die Persönlichkeitsrechte der Mitarbeiter, der Datenschutz und die Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats zu beachten. Krankheitsdaten sind besonders sensibel und unterliegen strengen Datenschutzvorschriften.

Wie kann man zwischen echten Krankheiten und motivationsbedingten Fehlzeiten unterscheiden? Eine solche Unterscheidung ist rechtlich problematisch und ethisch fragwürdig. Statt Mitarbeiter zu kategorisieren, sollte der Fokus auf der Schaffung eines Arbeitsumfelds liegen, in dem Mitarbeiter gerne zur Arbeit kommen. Vertrauensvolle Gespräche können helfen, Probleme zu identifizieren, ohne die Krankheit selbst in Frage zu stellen.

Wie schnell kann man mit Ergebnissen bei der Senkung des Krankenstands rechnen? Nachhaltige Verbesserungen beim Krankenstand benötigen Zeit. Kurzfristig (3-6 Monate) sind oft erste positive Tendenzen erkennbar, signifikante und dauerhafte Veränderungen stellen sich jedoch meist erst nach 1-2 Jahren ein. Wichtig ist ein langer Atem und kontinuierliche Anpassung der Maßnahmen.

Welche Rolle spielt die Unternehmenskultur bei der Krankheitsquote? Die Unternehmenskultur hat entscheidenden Einfluss auf den Krankenstand. In einer wertschätzenden Kultur mit offener Kommunikation, gegenseitigem Respekt und angemessenen Handlungsspielräumen sind Krankenstände nachweislich niedriger. Kulturwandel braucht jedoch Zeit und muss von der Führungsebene vorgelebt werden.

Wie können kleine Unternehmen mit begrenzten Ressourcen den Krankenstand senken? Auch mit begrenztem Budget lassen sich wirksame Maßnahmen umsetzen: Kooperationen mit Krankenkassen nutzen, die oft kostenfreie Präventionsangebote bereitstellen; Ergonomie-Checks durch die Berufsgenossenschaft in Anspruch nehmen; Flexible Arbeitszeiten und Homeoffice-Möglichkeiten anbieten; Führungskräfte für gesundheitsorientierte Führung sensibilisieren; Offene Gesprächskultur etablieren und Mitarbeiter in Entscheidungen einbinden.

Fazit: Krankenstand senken als strategische Personalaufgabe

Als Personalfachkaufmann oder -frau hast du die Chance, durch die Senkung der Krankheitsquote einen messbaren Beitrag zum Unternehmenserfolg zu leisten. Der Schlüssel liegt in einer systematischen Herangehensweise: Fundierte Analyse der tatsächlichen Ursachen; Entwicklung eines ganzheitlichen Maßnahmenpakets; Einbindung der Führungskräfte als Multiplikatoren; Schaffung einer gesundheitsförderlichen Unternehmenskultur und kontinuierliche Evaluation und Anpassung der Maßnahmen.
Besonders wichtig ist dabei der Perspektivwechsel: Statt Krankheit als Kostenfaktor zu betrachten, sollte Gesundheit als Investition in die wichtigste Ressource, nämlich die Mitarbeiter, verstanden werden. Denn gesunde, motivierte Mitarbeiter sind nicht nur seltener krank, sondern auch produktiver, innovativer und loyaler.

Du möchtest Deine Prüfungsvorbereitung auf das nächste Level heben? Der PFK-Crash-Kurs der Ausbilderwelt bietet Dir eine strukturierte, effiziente Vorbereitung mit Fokus auf die wirklich prüfungsrelevanten Themen. Entwickelt von erfahrenen IHK-Prüfern.

Über den Autor: Dieser Artikel wurde von Andreas Gernand, dem Experten der Ausbilderwelt verfasst, die seit 2017 angehende Personalfachkaufleute erfolgreich durch ihre IHK-Prüfungen begleiten. Mit einer Erfolgsquote von über 90% und jahrelanger Erfahrung als aktive IHK-Prüfer kennen wir die Herausforderungen der PFK-Weiterbildung aus erster Hand.

Schreibe einen Kommentar