Wie bewertet die IHK die Praxis? Bewertungskriterien verständlich erklärt
Kennst du dieses mulmige Gefühl vor der praktischen AEVO-Prüfung? Diese Unsicherheit, ob deine Vorbereitung ausreicht und was die Prüfer eigentlich genau von dir erwarten? Damit bist du nicht allein. Viele angehende Ausbilder stehen vor genau dieser Herausforderung: Sie kennen den Stoff, aber wissen nicht, worauf die IHK bei der Bewertung wirklich achtet. In diesem Artikel erfährst du, welche Bewertungskriterien die IHK in der praktischen AEVO-Prüfung tatsächlich anwendet und wie du dich gezielt darauf vorbereiten kannst. Ich zeige dir nicht nur die offiziellen Kriterien, sondern erkläre auch, was sie in der Praxis bedeuten und wie du in jedem Bereich punkten kannst.
Was die IHK wirklich bewertet: Die offiziellen Kriterien entschlüsselt
Die praktische AEVO-Prüfung ist mehr als nur eine Demonstration deiner Ausbildungsfähigkeiten. Sie ist der Moment, in dem du zeigst, dass du nicht nur ein Erklärer, sondern ein echter Zukunftsgestalter sein kannst. Die IHK bewertet deine Leistung nach klaren, festgelegten Kriterien, die viele Prüflinge jedoch nicht vollständig verstehen.
Die Bewertung erfolgt in vier Hauptbereichen:
Fachliche Kompetenz: deine Struktur und die Relevanz des Themas Methodische Kompetenz: deine Vorgehensweise und didaktische Gestaltung Soziale Kompetenz: Dein Umgang mit den Auszubildenden Personale Kompetenz: deine Authentizität und Selbstreflexion
Diese Kompetenzbereiche sind nicht isoliert zu betrachten, sondern greifen ineinander. Ein häufiger Fehler ist, sich zu sehr auf die fachliche Kompetenz zu konzentrieren und die anderen Bereiche zu vernachlässigen.
Die Bewertungskriterien im Detail: So punktest du in jedem Bereich
Erstens. Fachliche Kompetenz
Die IHK achtet hier besonders auf: Strukturierter Aufbau: Folgt deine Unterweisung einem logischen Aufbau? Relevanz des Inhalts: Ist das Thema für die Ausbildung bedeutsam? Praxis-Tipp: Bereite eine klare Struktur mit Einleitung, Hauptteil und Schluss vor. Achte darauf, dass du Fachbegriffe erklärst und Zusammenhänge herstellst. Die Prüfer bewerten positiv, wenn du aktuelle Bezüge zur Berufspraxis herstellst.
Zweitens. Methodische Kompetenz
Hier bewertet die IHK: Methodenauswahl: Nach welchen Kriterien hast du deine Methode ausgewählt? Medieneinsatz: Verwendest du geeignete Medien zur Unterstützung? Aktivierung der Lernenden: Forderst du aktive Mitarbeit? Zielorientierung: Verfolgst du konsequent Dein Lernziel? Praxis-Tipp: Welche Kriterien waren entscheidend zur Auswahl deiner eingesetzten Methode? Setze Medien gezielt ein, nicht um zu beeindrucken, sondern um das Lernen zu unterstützen. Achte darauf, dass du die Auszubildenden durch Fragen und Aufgaben aktiv einbindestSoziale Kompetenz
Drittens. Soziale Kompetenz
Die Prüfer achten auf: Kommunikationsfähigkeit: Wie klar und verständlich kommunizierst du? Feedback-Kompetenz: Gibst du konstruktives Feedback? Empathie: Gehst du auf die Bedürfnisse der Lernenden ein? Motivationsfähigkeit: Kannst du die Auszubildenden begeistern? Praxis-Tipp: Stelle offene Fragen, höre aktiv zu und reagiere wertschätzend auf Beiträge. Schaffe eine positive Lernatmosphäre durch Lob und konstruktive Rückmeldungen. Wichtig ist auch deine Körpersprache, halte Blickkontakt und zeige Präsenz.Personale Kompetenz
Viertens. Personelle Kompetenz
Hier wird bewertet: Authentizität: Wirkst du natürlich und glaubwürdig? Selbstreflexion: Kannst du deine eigene Leistung einschätzen? Flexibilität: Reagierst du angemessen auf unerwartete Situationen? Zeitmanagement: Hältst du den zeitlichen Rahmen ein? Praxis-Tipp: Sei du selbst, denn Authentizität schlägt einstudierte Perfektion. Bereite dich auf mögliche Fragen oder Schwierigkeiten vor, um flexibel reagieren zu können. Im Fachgespräch nach der Unterweisung zeigst du deine Reflexionsfähigkeit, indem du Stärken und Verbesserungspotenziale deiner Präsentation benennen kannst.
Die häufigsten Stolpersteine in der praktischen AEVO-Prüfung
Viele Prüflinge scheitern nicht am Fachwissen, sondern an vermeidbaren Fehlern: Zu komplexe Inhalte: Die Prüfungszeit ist begrenzt, hier ist weniger ist oft mehr Monologisieren: Eine Unterweisung ist kein Vortrag, sondern ein Dialog Fehlende Visualisierung: Komplexe Inhalte brauchen visuelle Unterstützung Mangelnde Aktivierung: Die Auszubildenden müssen selbst handeln dürfen Zeitüberschreitung: Halte dich an die vorgegebene Zeit (15 Minuten)
So bereitest du dich optimal auf die Bewertungskriterien vor
Eine strukturierte Vorbereitung ist der Schlüssel zum Erfolg: Wähle ein passendes Thema: Es sollte zu deinem Beruf passen und in 15 Minuten vermittelbar sein Erstelle einen detaillierten Unterweisungsentwurf: Mit klaren Lernzielen und methodischer Planung Übe realitätsnah: Führe Probeunterweisungen mit Freunden oder Kollegen durch Hole dir Feedback: Lass deine Übungsdurchläufe kritisch bewerten Bereite dich auf das Fachgespräch vor: Überlege, welche Fragen die Prüfer stellen könnten
Was Prüfer wirklich sehen wollen: Die ungeschriebenen Regeln
Neben den offiziellen Kriterien gibt es ungeschriebene Erwartungen: Haltung statt Technik: Zeige, dass du die Ausbilderrolle verinnerlicht hast Beziehungsorientierung: Demonstriere echtes Interesse am Lernenden Praxisbezug: Stelle Verbindungen zur beruflichen Realität her Fehlerfreundlichkeit: Zeige, wie du konstruktiv mit Fehlern umgehst Nachhaltige Lerneffekte: Sorge dafür, dass das Gelernte haften bleibt
Checkliste: Bist du bereit für die praktische AEVO-Prüfung?
Überprüfe deine Vorbereitung anhand dieser Punkte:
Ich habe ein geeignetes Thema mit klarem Lernziel gewählt
Mein Unterweisungsentwurf berücksichtigt alle vier Kompetenzbereiche
Ich habe meine Methode und Medien eingeplant
Meine Unterweisung aktiviert die Lernenden
Ich kann mein Thema in der vorgegebenen Zeit vermitteln
Ich habe meine Unterweisung mehrfach geübt
Ich bin auf typische Fragen im Fachgespräch vorbereitet
Ich kann meine eigene Leistung kritisch reflektieren
FAQ: Die häufigsten Fragen zur AEVO-Prüfungsbewertung
Wie streng bewerten die IHK-Prüfer wirklich? Die Bewertung erfolgt nach einem standardisierten Schema, aber mit Augenmaß. Kleine Fehler oder Nervosität werden nicht überbewertet. Entscheidend ist, dass du zeigst, dass du das Grundprinzip der Ausbildertätigkeit verstanden hast.
Muss ich alle Bewertungskriterien gleich gut erfüllen? Nein, aber du solltest in keinem der vier Kompetenzbereiche durchfallen. Eine Stärke in einem Bereich kann eine Schwäche in einem anderen teilweise ausgleichen.
Wie wichtig ist der Unterweisungsentwurf für die Bewertung? Der Entwurf fließt nicht in die Bewertung ein, zeigt allerdings deine Planungskompetenz. Ein durchdachter Entwurf gibt dir zudem Sicherheit in der Prüfungssituation.
Was passiert, wenn ich in der Prüfung nervös werde oder einen Fehler mache? Nervosität ist normal und wird von den Prüfern berücksichtigt. Wenn du einen Fehler bemerkst, sprich ihn an und korrigiere ihn, denn das zeigt Reflexionsfähigkeit und wird positiv bewertet.
Gibt es Unterschiede in der Bewertung zwischen verschiedenen IHK-Standorten? Die grundlegenden Bewertungskriterien sind bundesweit einheitlich, aber es kann regionale Schwerpunkte geben. Informiere dich bei deiner lokalen IHK über spezifische Anforderungen.
Fazit: Vom Prüfling zum Zukunftsgestalter
Die praktische AEVO-Prüfung ist mehr als nur ein Hürde auf dem Weg zum Ausbilderschein, denn sie ist deine Chance zu zeigen, dass du nicht nur fachlich fit bist, sondern auch die Haltung eines echten Ausbilders mitbringst. Die IHK-Bewertungskriterien spiegeln genau das wider, was einen guten Ausbilder ausmacht: fachliche Kompetenz, methodisches Geschick, soziale Fähigkeiten und persönliche Authentizität.
Wenn du diese Kriterien verstehst und in deiner Vorbereitung berücksichtigst, wirst du nicht nur die Prüfung bestehen, sondern auch den Grundstein für deine Entwicklung vom Erklärer zum echten Zukunftsgestalter legen. Denn letztlich geht es nicht nur darum, Wissen zu vermitteln, sondern junge Menschen auf ihrem Weg zu begleiten und zu prägen.
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Über den Autor
Dieser Artikel wurde von Andreas Gernand, dem Ausbildungsexperten der Ausbilderwelt verfasst, die seit 2017 angehende Ausbilder und Personalfachkräfte erfolgreich auf ihre IHK-Prüfungen vorbereiten – mit einer Erfolgsquote von 97%.